03.07.2013 | Top-Thema Bezahlbares Wohnen

Erfahrungsbericht der Lübecker Bauverein eG zum Kooperationsvertrag

Kapitel
360° Mittelpunkt Mensch: Grünkohlessen im Fruerlund – Wohnen für alle Generationen
Bild: SBV

Ein zwischen dem SBV, der Investitionsbank Schleswig-Holstein und der Stadt Flensburg im Jahre 2010 abgeschlossener Kooperationsvertrag bildet das Fundament einer besonderen Form der Wohnraumversorgung, die zukunftsfähige Wohnverhältnisse sichert und die Stadtentwicklung fördert.

Wohnen ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Gute Wohnstandards zu bezahlbaren Preisen sind nicht nur für die Lebensqualität des Einzelnen, sondern auch für das gute soziale Klima unserer Gesellschaft von größter Bedeutung. Bezahlbarer Wohnraum wird vielerorts knapp. Mit seinem richtungsweisenden Projekt „Fruerlund – Wohnen für alle Generationen“ beweist die Selbsthilfe-Bauverein eG Flensburg aber, dass es doch möglich ist, klimaschonend zu bauen und zu modernisieren, die Wohnungen zeitgemäß und komfortabel auszustatten und bedarfsgerechten Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten sicherzustellen.

Fruerlund – ein Stadtteil entsteht neu
Im Bauvorhaben „Fruerlund – Wohnen für alle Generationen“ wird der Stadtteil seit 2010 umgebaut und nachhaltig zukunftsfähig gemacht. Im Kerngebiet des SBV entstanden Anfang der 1950er Jahre die ersten Wohnungen, ursprünglich als Übergangswohnraum mit einer geplanten Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren angelegt. Sie wiesen eine marode Bausubstanz auf und waren energetisch veraltet. Ziel des SBV war es, das Quartier für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen attraktiv zu machen und das Wohnungsangebot zu diversifizieren.
Aktuell sind zwölf der geplanten Neubauten bereits bezogen worden. Bis zum Abschluss aller Maßnahmen zum Jahresende 2013 wird das Quartier eine städtebauliche Qualität aufweisen, die ihresgleichen auch über die Grenzen Flensburgs hinaus sucht. Schon jetzt sind die Wohnungen in Fruerlund aber nicht nur bezahlbar, sondern die Menschen leben gerne hier und identifizieren sich mit ihrem Quartier. Es ist ein Stadtteil entstanden, in dem sich Menschen jeden Alters und aus allen sozialen Schichten wohl fühlen können.

Kooperationsvertrag sichert sozial ausgewogene Quartiersentwicklung
Ziel der Vereinbarung zwischen den drei Vertragspartnern des Kooperationsvertrages war es, zu stabilen, zukunftsfähigen Wohn- und Nachbarschaftsverhältnissen beizutragen.
Bei Gesamtkosten in Höhe von rund 60 Mio. € für das Bauprojekt „Fruerlund – Wohnen für Generationen“ hat der SBV 24,3 Mio. € als zinsgünstiges Darlehen aus dem Wohnraumförderungsprogramm des Landes erhalten. Der Kooperationsvertrag „lockert“ die Mietpreisbindung für den SBV, sodass die attraktiven Wohnungen geringfügig teurer als zu der Fördermiete angeboten werden können. 60 % der Wohnungen in Fruerlund sind öffentlich gefördert und 40 % frei vermietet. Der SBV kann die geförderten Wohnungsflächen flexibel vermieten, nicht nur in Fruerlund, sondern auch über die Stadt verteilt in anderen Stadtteilen. Der Kooperationsvertrag ermöglicht somit eine gute soziale Durchmischung im Quartier und in der gesamten Stadt. In ganz Flensburg stellt der SBV Ersatzwohnungen zu Fördermieten zur Verfügung. Dass die als Ausgleichsflächen benannten Wohnungen einem angemessenen und aktuellen Standard entsprechen und eine angemessene Qualität gewährleisten, wird von der Stadt Flensburg geprüft. Diese Maßnahme verhindert eine Ballung von Sozialwohnungen in oft ohnehin unstabilen Quartieren. Im Zuge des Kooperationsvertrages hat sich der SBV ferner verpflichtet, eine bedarfsgerechte Wohnraumversorgung von Haushalten zu unterstützen, die sich am Wohnungsmarkt nicht selbst angemessen mit Wohnraum versorgen können. Eine ausreichende Versorgung von Haushalten mit „Marktzugangsschwierigkeiten“ ist eine der vordringlichsten Aufgaben sozialer Wohnungspolitik. Auch hier war der Kooperationsvertrag ein maßgeblicher Baustein.

Soziale Ausgleichsmaßnahmen schaffen neue Orte der Begegnung
Als Ausgleich für die durch den Kooperationsvertrag erlangten wirtschaftlichen Vorteile hat sich der SBV verpflichtet, mit dem 360° Gemeinschaftshaus, einem Quartiersmanager sowie der laufenden Verbesserung der sozialen Infrastruktur in Fruerlund nachhaltige gesellschaftsfördernde Maßnahmen mit Auswirkung auf ganz Flensburg zu setzen. So fördert der SBV im neuen Gemeinschaftshaus, dessen Kosten zum Teil durch den Kooperationsvertrag ausgeglichen werden, mit einem bunten und vielfältigen Programm das nachbarschaftliche Miteinander und führt Gleichgesinnte zusammen.

Willkommen im 360°
Rund 50 Kurse sozialer, sportlicher und kultureller Art gibt es im Monat; die meisten Angebote sind kostenfrei oder es gibt nur eine minimale Materialkostenumlage. Alt und Jung, Alleinstehende, Familien, Menschen mit und ohne Behinderung: Sie alle sind im 360° willkommen. Mit dem 360° wurde ein Ort der Gemeinschaft geschafft, der generationenübergreifende Begegnung möglich macht. „Unsere Aktivitäten zur Gemeinschaftspflege stehen allen Menschen unabhängig von einer Mitgliedschaft beim SBV offen“, betont SBV-Sozialmanagerin Gesa Kitschke. Viele soziale Leistungen, die vom Quartiersmanager erbracht bzw. im 360° angeboten werden, entlasten gleichzeitig die Stadt Flensburg. Ohne den Kooperationsvertrag wären sie in der jetzigen Form nicht möglich gewesen.
Die administrative Abwicklung des Vertrages ist zwar zeitintensiv, aber natürlich notwendig: Sie umfasst laufende Abstimmungen mit der Stadt Flensburg, einmal pro Jahr finden Bilanzierungsgespräche statt, in denen der SBV umfassende Informationen betreffend Flächenausgleich, Mietenausgleich etc. zur Verfügung stellt.

Raimund Dankowski

Vorstandsvorsitzender Selbsthilfe-Bauverein eG (SBV), Flensburg

Schlagworte zum Thema:  Wohnraum, Wohnung, Soziale Wohnraumförderung

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