25.02.2016 | Top-Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement in der Wohnungswirtschaft

Sportkurse und Salattheke machen noch kein gesundes Unternehmen

Kapitel
Mitarbeiter der Wohnungsgenossenschaft Altoba beim HSH Nordbank Run
Bild: Witters Sport-Presse-Fotos

Gesunde Rahmenbedingungen tragen dazu bei, dass die Mitarbeiter möglichst lange gesund und arbeitsfähig bleiben – Beispiele zeigen, dass viele Wohnungsunternehmen diese Erkenntnis bereits umsetzen.

Die Wiro Wohnen in Rostock Wohnungsgesellschaft mbH sieht Maßnahmen zur Gesundheitsförderung als wichtiges Instrument der Mitarbeiterbindung. "Das Thema gesunde Arbeitsbedingungen hat uns schon lange beschäftigt", sagt Britt Zimlich, Leiterin der Unternehmensentwicklung. 2013 habe man dann das Gesundheitsmanagement in den Werte- und Leitbildprozess integriert und auf ein solides Fundament gestellt. Ausgangspunkt war eine Analyse der Fehltage, der gesundheitlichen Gefährdungen am Arbeitsplatz, der Altersstruktur und bereits bestehender Angebote. Weitere wichtige Ansatzpunkte lieferte die Abfrage der Wünsche, Ideen und Erwartungen der 600 Mitarbeiter. Viele davon flossen in das Projekt Wirovital ein.

"Uns war frühzeitig klar, dass wir unseren Mitarbeitern nichts überstülpen, sondern auf Eigenverantwortung und Teilhabe setzen wollten, um das Projekt auf breite Schultern zu stellen. Kompetente und interessierte Kollegen für die Bereiche Arbeitsplatzgestaltung, gesunde Ernährung, Fitness und Sport wurden als Multiplikatoren gefunden", so Zimlich. Eine Kick-off-Veranstaltung in der Rostocker Stadthalle bildete den Auftakt. Jeder Mitarbeiter bekam eine persönliche Einladung mit dem neuen Maskottchen, einem Apfel auf Beinen namens Vitali, zusammen mit der neuen Gesundheitsbroschüre und einer "gesunden" Lunchbox. Auf einem "Markt der gesunden Möglichkeiten" konnten Angebote aller Art beschnuppert werden, mit gemeinsamen Fitnessübungen am Platz wurde der ganze Saal auf die neue Idee eingeschworen.

Der Anfang war gemacht. Inzwischen ist die Wiro ein "bewegtes" Unternehmen geworden: Kollegen spielen zusammen Fußball, bowlen, paddeln im Drachenboot, treten beim Rostocker Firmenlauf an. Es gibt ein Gokart-Team und Stand-up-Paddler, einen Lauftreff für alle mit professioneller Anleitung, eine Rückenschule und ein Nordic-Walking-Angebot, das Herz und Kreislauf dient. Die Voraussetzungen im Unternehmen sind ideal: "Wir haben eigene Turnhallen, Sportplätze, eine Schwimmhalle. Die Beratungsräume in den Kundencentern und im Bürohaus sind groß genug für die Rückenschule und mobile Massagen", erzählt Zimlich. Per Intranet hält die Wiro alle Mitarbeiter auf dem Laufenden.
Sportkurse und Salattheke machten aber noch kein gesundes Unternehmen, so Zimlich. Um von gesunden Arbeitsbedingungen sprechen zu können, sei mehr erforderlich. Deshalb ist bereits gut die Hälfte der Büros mit ergonomischem Mobiliar ausgestattet. Deshalb wurden Wasserspender installiert. Deshalb bietet die Wiro den Mitarbeitern bessere Möglichkeiten, Familie und Beruf zu vereinbaren, und unterstützt Kollegen in persönlichen Krisensituationen. Auch Homeoffice oder Pflegezeit sollen helfen, wenn das Kind krank ist oder ein Familienmitglied Pflege braucht. Für Thementage zur Ernährung oder Stressmanagement im Alltag, zur persönlichen Gesundheitsberatung oder zu einem Deeskalationstraining werden Fachleute ins Haus geholt. Die Wiro ermöglicht zudem Altersteilzeit, und wer wegen Krankheit länger ausfällt, erhält besondere Rückendeckung.
"Wir bekommen sehr viel positives Feedback", so Zimlich, die die Auseinandersetzung mit den Werten im Unternehmen vorantreibt. "Mitarbeiter haben das Gefühl, dass ihre Bedürfnisse beachtet werden, dass sie wertgeschätzt werden." Das könne man als Wirtschaftsfaktor gar nicht hoch genug einschätzen. Der Krankenstand, das Betriebsklima und die Kommunikation seien besser geworden und die emotionale Bindung an das Unternehmen höher. Dass die Führungskräfte von Anfang an ins Boot geholt werden, ist wesentliche Voraussetzung für das Gelingen solcher Prozesse. Ohne ihre Akzeptanz funktioniert es nicht. "Alle Führungskräfte leben bei uns die Werte vor, nur so springt auch der Funke bei den Mitarbeitern über", sagt Zimlich. Endgültig zufrieden ist sie aber noch nicht mit allem. "Schätzungsweise wird es zwei Jahre dauern, bis sich alles eingespielt hat. Dann ist auch die erste große Mitarbeiterbefragung geplant."

Individuelle Angebote für die Mitarbeiter

Die KSG Hannover GmbH beschloss bereits 2012, ihren Mitarbeitern eine strategische Gesundheitsförderung anzubieten. In Zusammenarbeit mit der Krankenkasse AOK werden regelmäßig Seminare und Workshops für die Belegschaft des Wohnungsunternehmens durchgeführt. Themen sind gesunde Ernährung, die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes, Entspannung, Sport sowie körperliche und geistige Fitness. Alle Angebote werden auf die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Mitarbeitergruppen abgestimmt: von den Auszubildenden bis zu den langjährigen Mitarbeitern.

"Beim Coaching decken wir typische Verhaltensmuster auf und geben Tipps und Anregungen, wie man diese durchbrechen und zum Positiven verändern kann", so Ann-Sibyll Nüsse, Beraterin beim AOK-Institut für Gesundheitsconsulting. KSG-Geschäftsführer Karl Heinz Range steht deutlich hinter den Angeboten: "Wir wollen das Angebot zu einer festen Größe machen und langfristig in die Gesundheit unserer Mitarbeiter investieren. Die Erfahrung zeigt, dass wir langfristig davon profitieren. Vor allem, weil der Weg, auf den man sich bei einer Veränderung ja immer macht, gemeinsam mit anderen Kollegen beschritten wird."

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Auch die Hamburger Wohnungsgenossenschaft Altonaer Spar- und Bauverein eG (Altoba) hat ihre betriebliche Gesundheitsförderung mit den Schwerpunkten Ernährung, Bewegung und Entspannung von Anfang an in bestehende Managementsysteme integriert. Zu den Angeboten, die kontinuierlich nach Bedarf ausgebaut werden, zählen Beratungsangebote und Gesundheitstage mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten, ein wöchentlicher Obstkorb auf der Etage sowie verschiedene Betriebssportangebote wie Fußball, Bowling, Laufen, Rudern, Nordic Walking. Führungskräfte werden zum Thema Gesundheit am Arbeitsplatz geschult – und gehen mit gutem Beispiel voran, beispielsweise durch die Teilnahme an Sportveranstaltungen wie dem (Staffel-)Marathon Hamburg.

2014 wurde im Rahmen des Gesundheitsmanagements ein Programm zur Unterstützung von Mitarbeitern in besonderen Lebenssituationen eingeführt. Beschäftigte und Angehörige können sich mit beruflichen und privaten Anliegen anonym an ein externes Beratungsunternehmen wenden. Daneben tut die Genossenschaft viel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 2015 wurde dies erneut mit dem Familiensiegel der "Hamburger Allianz für Familie“ belohnt. Im Februar 2016 wurde die Genossenschaft zum vierten Mal in Folge mit dem Gütesiegel "Hamburgs beste Arbeitgeber" ausgezeichnet.

Aktionswoche für mehr Mitarbeitergesundheit

Die Neuwoba Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft eG widmet dem Thema Gesundheit einen Tag im Mai, im vergangenen Jahr sogar eine ganze Woche. Dafür holt sich das Unternehmen professionelle Trainer mit unterschiedlichen Sportangeboten ins Haus: Spinning, Tischtennis, Yoga, Zumba ... Eine Reihe von Fachvorträgen informiert zu den Themen Gesundheit und Ernährung. An den Nachmittagen stehen gemeinsame sportliche Aktivitäten auf dem Programm, Radtouren oder Drachenbootrennen. Eingeladen sind immer auch die Mitarbeiter der Neuwoba-Tochterunternehmen. Daneben werden zahlreiche Breitensportaktivitäten in der Region unterstützt. "Wir bringen uns auch aktiv in Vereinen ein. Dieses Engagement ist Ausdruck des genossenschaftlichen Gemeinsinns und somit fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie", sagt René Gansewig, Vorstandssprecher der Neuwoba.

Fazit: Betriebliches Gesundheitsmanagement

Lauftreffs, Rückenschulen und Nordic-Walking, dazu gesundes Mobiliar, Kurse für Ernährungs- und Stressmanagement ... Die Unternehmen der Wohnungswirtschaft lassen sich eine ganze Menge einfallen, um ihre Mitarbeiter gesund, fit und motiviert zu erhalten. Denn Investitionen in Mitarbeitergesundheit zeigen auch, dass Mitarbeiter wertgeschätzt werden, was sich wiederum auf das Betriebsklima und damit den Krankenstand auswirkt. Wie die Beispiele aus der Praxis zeigen, machen das immer mehr Unternehmen mit System. Zur Nachahmung empfohlen!

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Dieser Artikel erscheint in der Fachzeitschrift DW Die Wohnungswirtschaft, Ausgabe 3/2016.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Personal

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