Berlin fördert "grüne Dächer" mit 2,7 Millionen Euro

Berlin hat ein 2,7 Millionen Euro schweres Förderprogramm für die Begrünung von Dächern gestartet. Geld soll es für Projekte in Stadtquartieren sowie für experimentelle oder gemeinwohlorientierte Vorhaben geben. Was bei einer Dachbegrünung zu beachten ist, erklärt unser Autor.

Berliner Hauseigentümer, Initiativen, Vereine, Begegnungsstätten, Seniorenheime und ähnliche Einrichtungen können ab sofort Anträge für das Berliner Förderprogramm "GrünfachPLUS" stellen. Das Programm soll bis zum Jahr 2023 laufen. Berlin wolle so gegen die Klimakrise aktiv werden, heißt es in einer Mitteilung der Senatsverwaltung.

"Gründächer wirken gleich mehrfach. Sie sind grüne Oasen ..., sie helfen gegen Hitzestress, verbessern durch ihre kühlende Wirkung das Mikroklima und speichern Regenwasser wie ein Schwamm." Regine Günther (Grüne), Berliner Umweltsenatorin

Eine Erstberatung für Interessenten bietet die Berliner Regenwasseragentur. Die Umsetzung des Programms übernimmt die IBB Business Team GmbH, eine Tochter der Investitionsbank Berlin (IBB).

Förderzweige: "regulär" und innovativ

Je Projekt kann mit "regulären" Zuschüssen von bis zu 60.000 Euro (entspricht einem Zuschuss von bis zu 75 Prozent) gerechnet werden. Das Programm bietet daneben die sogenannte "Green Roof Lab-Förderung" für innovative Vorhaben, die in hoch verdichteten Stadtquartieren Hitzestress vorbeugen. Hier werden bis zu 100 Prozent der Material- und Ausführungskosten für Projekte in ganz Berlin bezuschusst. Für Beratungs- und Planungskosten kann ein Anteil von 50 Prozent Förderung in Anspruch genommen werden (maximal 10.000 Euro).

Die klimatische Wirkung von Gründächern besteht laut Umweltverwaltung im Kühlungseffekt, der durch Wasserverdunstung hervorgerufen wird. Ein Gründach könne 60 bis 80 Prozent des Regens zurückhalten, das später verdunste. Zugleich erwärme sich ein begrüntes Dach nur um zehn bis 20 Grad Celsius im Vergleich zu einem unbegrünten Dach, das etwa 50 Grad heiß werden könne.

Beispiel für Dachbegrünung (Symbolbild)
Begrünte Dachflächen: besseres Mikroklima, geringerer Energieverbrauch und preiswertere Regenwasserentsorgung.

Dachbegrünung: Extensiv oder intensiv?

In Frage kommen zwei grundlegende Verfahren, die Extensivbegrünung und die Intensivbegrünung, die unser Autor Frank Urbansky im Folgenden hinsichtlich ihrer Technologie, der Vor- und Nachteile sowie der Kosten beschreibt.

Extensivbegrünung

Die Extensivbegrünung ist naturnah angelegt und besonders pflegeleicht. Bei ihr werden niedrigwachsende, trockenheitsangepasste und langjährige Pflanzenarten Pflanzen genutzt, die sich weitgehend selbst erhalten und entwickeln. Das sind vor allem solche, die man aus Stein- und Gewürzgärten kennt.

Das Gewicht einer solchen Dachbegrünung liegt bei 60 bis 170 Kilogramm pro Quadratmeter, die Kosten belaufen sich auf 15 bis 40 Euro pro Quadratmeter. Die gesamte Aufbauhöhe beträgt sechs bis 15 Zentimeter und besteht aus Extensiv-Einschichtsubstrat und einer Schutzlage. Diese Begrünungsart ist geeignet für Dächer mit niedriger Traglast und für Steil- beziehungsweise Schrägdächer (fünf bis 15 Grad Neigung). Ein- bis zweimal jährlich sind Pflegemaßnahmen nötig, insbesondere die Kontrolle der Dachrandbereiche und Dachdurchdringungen, die Überprüfung der Entwässerung, das Entfernen von unerwünschtem Fremdbewuchs, Mähen und Düngen.

Dachbegrünung Beispiel für eine Extensivbegrünung
Extensivbegrünungen stellen wenig Anspruch an die Pflege.

Intensivbegrünung

Die Intensivbegrünung eignet sich vor allem für Dächer mit hoher Traglast und begehbare Flachdächer (null bis fünf Grad Neigung), da sie auch größere Pflanzen, sogar Bäume wachsen lässt. In Frage kommen langjährige Pflanzenarten, etwa vergleichbar mit denen in einem ebenerdigen Garten.

Das Gewicht liegt zwischen 320 und 1.200 Kilogramm pro Quadratmeter. Die Kosten belaufen sich auf 60 Euro pro Quadratmeter und mehr. Die Aufbauhöhe beträgt 30 bis 100 Zentimeter. Der Pflegeaufwand ist mit drei- bis zehnmaliger Pflege im Jahr deutlich höher als bei der Extensivbegrünung. Auch hier müssen die Bewässerungseinrichtungen regelmäßig überprüft und zusätzlich die Hölzer zurückgeschnitten und der Schnitt entsorgt werden.

Dachbegrünung Beispiel für Intensivbegrünung
Bei einer Intensivbegrünung auf einem Flachdach können auch Bäume gepflanzt werden.

Gründächer sind langlebig: Bis zu 60 Jahre bei guter Wartung

Ein begrüntes Dach, so unser Autor, egal ob intensiv oder extensiv angelegt, hält bei regelmäßiger Pflege und Wartung einschließlich Abdichtung mindestens 40 bis 60 Jahre. Wichtig ist der fachgerechte Einbau von Dachabdichtung und Schichten nach den Normen und Richtlinien, die auf der DIN EN 13948 sowie der Dachbegrünungsrichtlinie der FFL Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V., fußen.

Je nach Objekt und Standort kann sich eine Dachbegrünung in einem Zeitraum von zehn bis 30 Jahren amortisieren. Im Bestand wird die Investition auch durch die KfW Förderbank unterstützt. Eine Dachbegrünung kann beispielsweise mit dem KfW-Programm 151/152 "Energieeffizient Sanieren" gefördert werden. Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Wohneigentümergemeinschaften (WEG) können im Fall einer eigenständigen Finanzierung ohne KfW-Kredit auch eine Zuschussförderung durch das KfW-Programm 430 beantragen.


Der vollständige Artikel von Frank Urbansky inklusive eines Interviews mit Dr. Gunter Mann, Präsident der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung (FBB), erschien im Magazin "DW Die Wohnungswirtschaft" (02/2018).


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dpa
Schlagworte zum Thema:  Umweltschutz, Klimaschutz