12.01.2015 | BBSR-Studie

Gemeinschaftliche Wohnformen in Genossenschaften

Ein Wohnprojekt für Behinderte in Espelkamp
Bild: Aufbaugemeinschaft Espelkamp

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat eine Analyse zu gemeinschaftlichen Wohnformen in Genossenschaften vorgelegt. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.

Für die Studie befragte das Deutsche Institut für Urbanistik im Auftrag des BBSR alle bis 2013 bekannten gemeinschaftlichen Wohnprojekte in der Rechtsform der Genossenschaft. Insgesamt 162 Wohnungsgenossenschaften mit fast 199  Wohnprojekten wurden untersucht. Als gemeinschaftliche Wohnprojekte wurden Wohnformen definiert, in denen mehrere Haushalte in separaten Wohnungen bestehen, die Bewohner sich aber gegenseitig unterstützen und ihr Zusammenleben selbst organisieren. Damit geht die Definition über das klassische Mehrgenerationenwohnen hinaus.

Mehr Gründungen ab 2006

Eine der Fragestellungen der Studie war, ob die Novellierung des Genossenschaftsgesetzes im Jahr 2006 zu einer Zunahme von gemeinschaftlichen Wohnprojekten führte. Die Novellierung vereinfachte unter anderem die Gründung von Genossenschaften und brachte Erleichterungen speziell für kleinere Genossenschaften mit sich. Eine Auswertung der Gründungszeitpunkte der untersuchten Wohnprojekte zeigte, dass etwas mehr als die Hälfte nach 2006 entstanden. Allerdings wurde ein Großteil dieser jüngeren Wohnprojekte in bestehenden Genossenschaften umgesetzt, lediglich 40 Prozent entstanden in eigens gegründeten Projektgenossenschaften. Ein direkter Zusammenhang mit der Novellierung des Genossenschaftsgesetzes lässt sich daher nicht belegen. Die Zunahme von gemeinschaftlichen Wohnprojekten weist aber darauf hin, dass das Interesse am Thema in den letzten Jahren zugenommen hat.

Zielgruppen

Eine weitere Fragestellung war, an welche Zielgruppen sich die Wohnprojekte richten. Ein Großteil der Wohnprojekte richtete sich an "mehrere Generationen", dies gaben 31 Prozent der Bestandsgenossenschaften und 47 Prozent der Projektgenossenschaften an. Familien und Alleinerziehende sind eine weitere wichtige Zielgruppe. Unter Wohnprojekten von Bestandsgenossenschaften richten sich 31 Prozent ausschließlich an Ältere, während es bei den Projektgenossenschaften keine altershomogenen Projekte für Senioren gibt. Dies ist möglicherweise ein Hinweis dafür, dass sich Bestandsgenossenschaften verstärkt mit dem Thema Seniorenwohnen beschäftigen, um ihre Mitglieder auch im Alter mit Wohnraum versorgen zu können.

Gemeinschaftsräume und -flächen

In den untersuchten Wohnprojekten waren gemeinschaftlich genutzte und gestaltete Räume und Flächen sehr verbreitet. 97 Prozent der Wohnprojekte in Projektgenossenschaften und 86 Prozent der Wohnprojekte in Bestandsgenossenschaften verfügten über einen Gemeinschaftsgarten oder –hof. Gemeinschaftsräume bestanden in 88 bzw. 86 Prozent der Projekte. In mehr als zwei Drittel der Wohnprojekte wurde eine Gemeinschaftsküche eingerichtet. 41 Prozent bzw. 38 Prozent verfügten über eine Gästewohnung. Wie intensiv die Gemeinschaftseinrichtungen genutzt werden, wurde allerdings nicht erhoben.

Gemeinschaftliche Aktivitäten

Bei der Untersuchung der Wohnprojekte wurde detailliert abgefragt, welche Leistungen die Bewohner füreinander erbringen. Die dabei erhobenen Tätigkeiten wurden drei Kategorien zugeordnet: Gemeinschaftsbildende Aktivitäten (zum Beispiel Feiern, Arbeitsgruppen, "Hausmeistertätigkeiten"), Sharing (zum Beispiel Carsharing, Einkaufsgemeinschaften) und Unterstützung (Kinderbetreuung, gegenseitige Haushaltshilfe, Pflege). Aus den Ergebnissen wurde deutlich, dass mit Abstand die meisten Bewohner sich im Bereich gemeinschaftsbildende Aktivitäten engagieren. In einem knappen Viertel der Projekte existieren selbstorganisierte Carsharing-Angebote oder Einkaufsgemeinschaften. Im Bereich Unterstützung wurde Kinderbetreuung am häufigsten genannt. In einem Viertel der Wohnprojekte werden Pflegebedürftige unterstützt. In Wohnprojekten von Bestandsgenossenschaften kommt dies den Befragungsergebnissen zufolge deutlich seltener vor. Ein Grund hierfür könnte sein, dass solche Aufgaben in Wohnprojekten von Bestandsgenossenschaften an externe Pflegedienste ausgelagert werden.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft

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