Bald Sozialwohnungen auf ehemaligen Berliner Friedhofsflächen?

Aus ehemaligen Friedhofsflächen soll nach dem Willen des Evangelischen Friedhofsverbands Berlin Stadtmitte Bauland für Sozialwohnungen werden. Der Geschäftsführer und Pfarrer Jürgen Quandt bietet dem Senat seit einigen Jahren mehrere Randflächen auf Friedhöfen zum Kauf an. In einem Bericht der „Berliner Zeitung“ vom Wochenende bemängelt er jedoch, dass dort die Bereitschaft fehle, über die Bebauung dieser Flächen zu diskutieren.

„Da gibt es Bauland in bester Lage, und Berlin nutzt es nicht“, so Quandt.

Der Friedhofsverband verwaltet 45 Friedhöfe in den Bezirken Mitte, Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg mit 250 Hektar Fläche. Davon sind 70 Hektar geschlossen, ein Teil bereits entwidmet. In ganz Berlin werden von den 179 landeseigenen und kirchlichen Friedhöfen mit über 1.000 Hektar Fläche bereits 143 Hektar nicht mehr für Bestattungen genutzt. Etwa 57 Hektar sind als Grabflächen entwidmet. Ein Teil davon darf bebaut werden, während die meisten dieser Flächen als Grünanlagen dienen.

Quandt schätzt, dass etwa ein Drittel der von seiner Verwaltung nicht mehr genutzten Flächen für eine Bebauung geeignet sei. Bei den übrigen zwei Dritteln handele es sich vor allem um historische Grabanlagen, die erhalten bleiben sollten.

Baugruppen und soziale Projekte erhalten den Vorzug

Quandt verkauft bevorzugt an Baugruppen und soziale Projekte, nicht unbedingt an die meistbietenden Investoren. So baut der Bund Deutscher Gartenfreunde seine Hauptgeschäftsstelle auf einer ehemaligen Friedhofsfläche an der Hermannstraße. Daneben errichtet die Schöpflin Stiftung ein Haus des gemeinnützigen Journalismus. Auf Friedhöfen in Neukölln und Kreuzberg will Quandt nun Wohnungen für Flüchtlinge bauen. Verhandlungen mit kommunalen Wohnungsbaugesellschaften und dem Senat blieben aber bislang erfolglos.

Ehemalige Friedhofsflächen werden berücksichtigt – aber erst 2030

2006 hat der Senat prognostiziert, dass es in der Stadt langfristig nur noch 93 Friedhöfe für Bestattungen geben wird. Der damals beschlossene Friedhofsentwicklungsplan gilt bis heute. Entsprechend betont die Senatsumweltverwaltung auf Anfrage der „Berliner Zeitung“, dass Friedhofsflächen nach Ablauf von Ruhe- und Pietätsflächen „grundsätzlich als Grünfläche“ genutzt werden. Eine andere Nutzung sei nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Das sei jedoch ein „langfristiger und schrittweiser Prozess, der sich über mehrere Jahrzehnte hinziehe“. Entwidmete innerstädtische Friedhofsflächen seien eine Option für neue Wohnungen. Im Stadtentwicklungsplan 2030 würden ehemalige Friedhofsflächen angesichts des dringenden Wohnungsbedarfs berücksichtigt.

Hintergrund ist, dass Berlin trotz steigender Einwohnerzahlen immer weniger Friedhofsfläche benötigt. Unter anderem treten Urnenbestattungen zunehmend an die Stelle von Erdbestattungen, die wesentlich mehr Fläche benötigen.

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Schlagworte zum Thema:  Konversion, Wohnungsbau