24.09.2012 | Top-Thema Trends in der Wohnungswirtschaft: Bäder und Küchen

Man kann Trends folgen oder sie setzen. Wir versuchen das Letztere

Kapitel
Bild: B+O

Dr. Ernst Böhm, geschäftsführender Gesellschafter der B&O Stammhaus GmbH & Co. KG, Bad Aibling, über Innovationen und die Möglichkeiten, die Wohnungsunternehmen bei der Gestaltung moderner und komfortabler Bäder heute haben.

Was hat Sie dazu bewogen, eine Badausstellung zu eröffnen? An wen wenden Sie sich damit?
Wie immer gilt unser ausschließliches Interesse der Wohnungswirtschaft. Moderne und kostengünstige Bäder werden für den Vermietungserfolg immer wichtiger – oftmals ist das Bad ein entscheidendes Kriterium für die Anmietung einer Wohnung. Deshalb haben wir uns entschieden, in einer Badausstellung zeitgemäße Bäder zu zeigen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf einer kostengünstigen Realisierung im Bestand. Unser Ziel ist eine Badsanierung in drei Tagen.


Warum sind Sie der Meinung, Wohnungsunternehmen sollten sich den Themen Bad bzw. Badausstattung und Design mehr widmen? Welchen Entwicklungen und Herausforderungen müssen sich Wohnungsunternehmen künftig stellen?
Im Zuge der Energie- und Klimaschutzpolitik werden die Baustandards ständig angehoben. Dadurch werden das Modernisieren und auch der Neubau von Wohnungen immer komplizierter und auch immer teurer. Diese Entwicklung ist für die Wohnungswirtschaft äußerst problematisch. Einerseits soll und muss viel investiert werden – andererseits sollen die Mieten auch für sozial schwächere Mieter tragbar sein. Unsere Badausstellung ist der Versuch, auf diesem schwierigen Feld Boden gut zu machen: Kostengünstige, zeitgemäße und instandhaltungsoptimierte Bäder sollen helfen, die Mieterbindung zu erhöhen und den Leerstand zu reduzieren.


Ist das Thema Badausstattung nicht sehr stark von modischen Trends und Einflüssen geprägt? Lohnt sich in so einem Segment überhaupt eine langfristige Investition in Oberflächenmaterialien oder Möblierungen?
Man kann Trends folgen oder sie setzen. Wir versuchen das Letztere. In der Wohnungswirtschaft stellen Mieterwechsel und Leerstand bekanntermaßen eine der größten Belastungen dar. Auch hier gilt: 2,- € sparen, aber 1,- € investieren. Aus unserer Sicht ist die beste Investition ein neues Bad.


Optik und Design sind das eine – Stränge, Infrastrukturen und bauliche Gegebenheiten sind das andere. Welche technischen und baulichen Innovationen kennzeichnen die derzeitige Entwicklung im Bad? Gibt es neue Produkte und Materialien, die im Bad Einzug halten werden?
Strangsanierung, unter Beachtung von Schall- und Brandschutz ist eine Selbstverständlichkeit. Marode Stränge erhöhen nicht nur die Versicherungsschäden, sondern vergraulen auch die Mieter. Zwei Innovationen möchten wir ansprechen: Lange Zeit galten Fliesen als das Nonplusultra – großflächige Plattenmaterialien, sowohl mineralische als auch HPL-beschichtete Werkstoffe oder Acrylplatten dürften hier Vorteile bringen und vor allem das wartungsträchtige Fugenthema reduzieren. Vakuumpumpen ermöglichen nunmehr bodengleiche Duschen in Beständen, in denen das bisher nicht möglich war. Ein Deckendurchbruch und das Öffnen des Stranges ist nicht mehr erforderlich, da die Anbindung innerhalb des Wohnungsverteilers erfolgt und keine Umbauten bei dem darunter wohnenden Mieter erforderlich werden. Somit kann jedes Bad barrierefrei gestaltet und an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden.


Widersprechen Individualisierung und Stilisierungsmöglichkeiten heute noch den in der Wohnungswirtschaft wichtigen Aspekten Kosteneffizienz, einheitliche Unterhaltsplanung, geringe Vorhaltung von Ersatzteilen, Standardisierung von Ausstattungslinien und technischer Infrastruktur?
Die Plattformphilosophie der Autoindustrie zeigt, wie es geht. Auf einer Plattform werden eine Vielzahl von Modellen gefertigt und von 300.000 jährlich in Regensburg gefertigten 3er BMWs sind nicht zwei baugleich.


Ein Blick in die Zukunft: Was kennzeichnet das Bad einer typischen Mietwohnung eines durchschnittlichen Wohnungsunternehmens in 10-20 Jahren?
Mit Verlaub, was in 20 Jahren sein wird, soll dem Schicksal oder der göttlichen Fügung überlassen werden.


Ein Blick zu den Nachbarländern, in denen Sie auch tätig sind: Kann die Wohnungswirtschaft in puncto Bäder von den ausländischen Wohnungsunternehmen lernen?
Wie so oft ist über der Grenze manches ein bisschen anders, nicht immer besser, aber auch nicht immer schlechter. Mich überzeugen die Lüftungssysteme in Schweden und die Stilsicherheit der Italiener.

Das Gespräch führte Olaf Berger.

Schlagworte zum Thema:  Sanierung, Design

Aktuell

Meistgelesen