24.09.2012 | Top-Thema Trends in der Wohnungswirtschaft: Bäder und Küchen

Gutes Design befähigt, schlechtes behindert

Kapitel
Bild: Hewi

Von einer reinen Zweckmäßigkeit der Nasszelle hat sich das Bad weiterentwickelt zu einem zentralen Raum der Wohnwelt, der zunehmend eine designorientierte, wohnliche Gestaltung mit hoher Funktionalität vereint. Die steigende Bedeutung des Bades zeigt sich deutlich in den wachsenden Ansprüchen an den Raum selbst – ein Bad ist heute ein flexibler und vor allem sehr persönlicher Ort.

Eine ganzheitliche Planung stellt den Menschen und seine individuellen Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor bei der Badgestaltung ist der demografische Wandel. Die Alterung der Gesellschaft bewirkt, dass zunehmend in Wohnformen investiert wird, die mehr Lebensqualität im Alter garantieren.

Flexible Gestaltungsmöglichkeiten
Sowohl den Besitzern als auch Bewohnern der Immobilie bieten sich durch eine vorausschauende Planung direkte Vorteile: komfortable Nutzung, Verbleib in der Wohnung bis ins hohe Alter, dauerhafte Vermietbarkeit, Vermeidung kostenintensiver Umbauten. Voraussetzung hierfür ist, dass die Belange behinderter und älterer Menschen schon in der Planungsphase berücksichtigt werden.
Eine clevere Planung ermöglicht die Entwicklungsfähigkeit des Bades für alle Eventualitäten – sei es eine kindgerechte Umgebung, Komfort und Sicherheit, temporäre Handicaps oder Unterstützung im Alter. Wohlfühlbäder für Menschen jeden Alters zu schaffen – das ist die grundlegende Idee der generationsübergreifenden Systemlösungen.

Universal Design
Universal Design gilt als eine Antwort auf die Herausforderungen des demografischen Wandels und der Integration der damit verbundenen wachsenden Zahl der Menschen mit körperlichen Einschränkungen in die Gesellschaft. Universal Design bedeutet, in eine Zukunft zu investieren, die nicht bei 60 endet. Universal Design heißt, Produkte zu entwickeln, die für möglichst alle Menschen intuitiv und unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen nutzbar sind. »Design für alle« gewinnt im Hinblick auf den fortschreitenden demografischen Wandel immer mehr an Bedeutung.
Mit steigendem Komfortbedürfnis des Nutzers sinkt jedoch nicht der Anspruch an Gestaltung. Gutes Design befähigt und macht Freude– schlechtes Design behindert. Die flexible, benutzerfreundliche und vor allem generationenübergreifende Gestaltung von Produkten trägt dazu bei, die Lebensqualität zu verbessern. Gutes Design trägt zur Entstigmatisierung bei. Ein Produkt sollte nicht diskriminieren, es sollte niemandem seine eingeschränkten Fähigkeiten vorführen. Eine intelligente Designlösung vereint eine ästhetische Formensprache mit funktionellem Pragmatismus. Dabei gilt es, die Komplexität des Hilfsmittels formal so stark zu vereinfachen, dass die Funktion weitgehend selbsterklärend ist und eine intuitive Nutzung ermöglicht.

Funktionale Aspekte von Comfort bis Care
Achtet man bei der Badausstattung auf komfortable Details, ist die langfristige Nutzung möglich. Durch Ergänzung der klassischen Sanitäraccessoires wird die Badnutzung nicht nur komfortabler, sondern auch sicherer.
Mittels Komfortelementen, wie beispielsweise Hocker und durchgehendem Spiegel, kann der Waschtisch beispielsweise auch im Sitzen genutzt werden. Dies ist nicht nur für ältere Menschen komfortabel, sondern auch für Kinder. Ein flacher Waschtisch mit einer ausreichenden Tiefe ist sowohl mit einem Hocker nutzbar als auch mit einem Rollstuhl. Integrierte Halte­ und Stabilisationsmöglichkeiten vereinfachen das Heranziehen an den Waschtisch. Die Anordnung der Griffmulden ermöglicht, dass sich Rollstuhlfahrer bequem an den Waschtisch heranziehen und festhalten können. Die Haltegriffe können zudem zum Stabilisieren und Abstützen bei einer Nutzung des Waschtisches im Stehen verwendet werden. Die Griffmulden sind auch als Handtuchhalter nutzbar. Großzügige Ablageflächen bieten viel Platz für alle benötigten Badutensilien, so dass diese stets griffbereit sind.

Was gehört zu den Careprodukten?
Häufig sind individuelle Lösungen gefragt, um körperliche Einschränkungen zu kompensieren und den vorhandenen Platz optimal zu nutzen. Produkte, die eine einfache, komfortable und vor allem flexible Nutzung ermöglichen, erfüllen diese Vorgabe. Gerade kleine Maßnahmen haben große Wirkung: Der Einbau von Haltegriffen im Bad oder auch die Integration von Duschsitzen fördern die Selbstständigkeit des Nutzers und erhalten dessen Bewegungsfreiheit.
Haltegriffe unterstützen Bewegungsabläufe im gesamten Sanitärraum – am Waschtisch, in der Dusche und auch am WC. Griffige Oberflächen und Querschnitte, die der Hand angepasst sind, ermöglichen ein sicheres Greifen und eine effektive Kraftübertragung. Die Hinterwölbung auf der Innenseite des Griffes ermöglicht, dass er besonders angenehm zu greifen ist. Aufgrund der filigranen Gestaltung integriert sich das Careprodukt in das Badambiente. Wird der Haltegriff nicht benötigt, kann er auch als Handtuchhalter genutzt werden.
Eine Sitzgelegenheit in der Dusche erhöht den Komfort. Die angenehm warme Polyamidoberfläche ist mit einer feinen Struktur versehen, so dass Rutschen bei nasser Oberfläche verhindert wird. Durch den Einsatz moderner Kunststoffe ist der Duschsitz besonders stabil (belastbar bis 150 kg). Wird der Sitz nicht benötigt, kann er raumsparend nach oben an die Wand geklappt werden. Sein filigranes Design sowie die homogen gestaltete Rückseite sorgen dafür, dass sich der Sitz vollständig in den Raum integriert. Eine stabile Brausehalterstange sorgt für zusätzliche Sicherheit in der Dusche – sie kann als Halte­- und Stabilisationsmöglichkeit genutzt werden.
Aufgrund der konsequenten Gestaltung sind die Produkte dabei als Careprodukt nicht erkennbar und fügen sich in das Badambiente ein. Gefragt sind heute zukunftsfähige Systemlösungen für alle Generationen, die sich je nach Bedürfnis des Nutzers von »Comfort bis Care« skalieren lassen. Komfort und Barrierefreiheit werden so zur Selbstverständlichkeit.

Hans-Jörg Müller
Leiter der Abteilung Marketing und Innovation Hewi
Bad Arolsen

Schlagworte zum Thema:  Design, Bad

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