24.09.2012 | Top-Thema Trends in der Wohnungswirtschaft: Bäder und Küchen

Bäderausstellung zeigt Lösungen für die Wohnungswirtschaft

Kapitel
Bild: Philipp Klak

Bei Neubau- oder Modernisierungsvorhaben rückt das Badezimmer verstärkt in den Fokus. Die alternde Gesellschaft stellt neue Anforderungen an Größe und Ausstattung der Bäder. Aber auch die Mieter werden anspruchsvoller – insbesondere ältere Mieter wollen kein altengerechtes Bad, das nach Krankenhaus aussieht. Blättert man durch Wohnzeitschriften oder Möbelkataloge, wird ein Trend deutlich: Das Badezimmer entwickelt sich immer mehr von der Nasszelle zur Wohlfühloase.

Rein funktionelle Räume und platzoptimierte Grundrisse – das war gestern. Lebensstile, Wohnwünsche und Lebensvorstellungen differenzieren sich immer stärker aus: Die Unternehmen der bestandshaltenden Wohnungswirtschaft reagieren darauf mit der energetischen Modernisierung und generationengerechten Anpassung der Bestände, um sie auch langfristig vermieten zu können. Die Herausforderungen sind jedoch immens.
In puncto Wohnzufriedenheit spielt das Badezimmer bzw. die Badausstattung und das Design eine große Rolle. Fast jede Mieterbefragung dürfte mittlerweile widerspiegeln: Ein schönes und modernes Badezimmer wird für die Mieter immer wichtiger. Dem müssen sich Wohnungsunternehmen stellen – und zwar nicht nur die, die Miet- oder Eigentumswohnungen im hochwertigen und gehobenen Preissegment bauen, sondern auch die, die große, zusammenhängende Wohnungsbestände – auch im preiswerten Segment – bewirtschaften.
Glücklicherweise werden auch die Angebote von Herstellern, Systemanbietern und Dienstleistern breiter und sind besser auf die Bedürfnisse von Wohnungsunternehmen zugeschnitten. Barrierefreie, wartungs- und instandhaltungsfreundliche, energie- und betriebskosteneffiziente Lösungen existieren. Häufig sind es der Einbau einer bodengleichen und rutschhemmenden Dusche, das Versetzen des Toiletten- und Waschbeckens sowie die Montage von Haltegriffen und Duschsitzen, die im Rahmen von altengerechten Modernisierungen oder Neubaumaßnahmen von Wohnungsunternehmen derzeit realisiert werden. Welche Möglichkeiten Wohnungsunternehmen heute darüber hinaus haben, die Bäder in ihren Beständen modern, schick, den Stilisierungsbedürfnissen der verschiedenen Nachfragergruppen entsprechend und trotzdem preiswert zu gestalten, zeigt eine Ausstellung des wohnungswirtschaftlichen Dienstleisters B&O. „Die Bedeutung eines modernen Bades kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Vielleicht verhält es sich mit dem Bad heute wie mit den ersten Warmwasserbädern im Hotel Adlon in Berlin: Dem Hochadel waren geheizte, kleine Zimmer mit fließendem, warmen Wasser lieber als große, kalte Schlösser mit eiskalten Bädern”, erklärt Dr. Ernst Böhm, Geschäftsführender Gesellschafter von B&O.

Zeitgemäße Bäderlösungen
Verschiedene Bad-Stilrichtungen, Grundrissmöglichen und Designlinien präsentiert eine Bäderausstellung im sog. Designzentrum auf dem Bad Aiblinger Parkgelände interessierten Wohnungsunternehmen. Entworfen hat die Konzepte der Architekt und Designer ­Matteo Thun, der seit über 20 Jahren auf internationalem Niveau arbeitet und dessen Entwürfe und Arbeiten für Nachhaltigkeit und Innovation stehen, von einem umfassenden Ansatz geprägt sind. Thun versteht Design als Verantwortung. Design bedeute „Zeichen setzen“, sagt er: Seine Aufgabe sei es, Dinge zu entwerfen, die Menschen das Leben erleichtern und ein Wohlgefühl erzeugen. Was seine Arbeitsweise als Designer angeht, definiert er sich als Verfechter der Philosophie des „Zero“-Designs: eine schrittweise Annäherung an das Wesentliche, an die ikonische Form. So werde Schlichtheit nicht zu semantischer Verarmung, sondern zu ikonischer Eleganz.
In Bad Aibling stellt Matteo Thun gemeinsam mit B&O modern gestaltete Bäder vor. Die Muster-Badezimmer wurden speziell für verschiedene Zielgruppen entworfen und berücksichtigen unterschiedliche Budgetierungen. Die jeweiligen Bäder werden in verschiedenen Grundrissgrößen gezeigt, um die Flexibilität der Stile zu demonstrieren. Eine besondere Rolle spielt dabei das Lichtkonzept – es setzt hauptsächlich auf indirektes Licht: So wurde versucht, sich von einzelnen Lichtpunkten im Badezimmer zu lösen und das Licht in die Möblierung zu integrieren. Auf diese Weise sollen sich Standardbäder zu einem stilvollen Baddesign weiterentwickeln, das in ganz Deutschland Verbreitung findet.

In der Bäderausstellung sind sechs verschiedene Badrichtungen zu sehen:
• Die Linie „Fresh“ steht für eine junge und verspielte Gestaltung des Badezimmers: Herausstechende Farbkontraste beherrschen den Raum und lassen ihn jung erscheinen. Kleinteilige Fliesen lassen Wände und Boden haptisch und interessant erscheinen. Die Linie ist auf junge Kunden, sowie Familien mit Kleinkindern und eine preisgünstige Badgestaltung ausgerichtet.
• Der Stil „Natural“ steht für ein freundliches und warmes Design: Helle Farben und natürliche Materialien prägen das Design um eine gemütliche-warme, familiäre Atmosphäre zu schaffen. Dadurch soll es alle Altersklassen ansprechen. Das Materialkonzept spielt mit glänzenden und natürlich matten Oberflächen.
• Die Linie „Nano“ erscheint ebenso zeitgemäß wie ökonomisch. Das Bad verfügt über weißen Fond, helle Beige- und warme Grautöne. Die fugenlose Ausarbeitung der Raumflächen unterstreicht das klare und moderne Design.
• Bei der Linie „Acryl“ bilden matte Flächen und Hochglanzmaterialien Semitransparenzen. Die vollflächige Ausarbeitung und der Fokus auf Weiß vermittelt Offenheit und Klarheit.
• Der „Classic“-Stil steht für klares und edles Design. Der minimalistische Stil soll zeitlos erscheinen und für jede Altersgruppe attraktiv sein. Die starken Hell-Dunkel-Kontraste geben dem Bad eine klare Strukturierung. Das Materialkonzept der Linie zeichnet sich durch den Einsatz von dunklen, hochwertigen Keramikfliesen und hellem Strukturputz aus. Dies verleiht dem Bad gleichzeitig eine kühle Eleganz.
• Die Linie „Comfort“ ist ein Bad vornehmlich für ältere Menschen und spiegelt den Bereich „altersgerechtes Wohnen” wider. Eine klare, neutrale Linienführung und handgemachte Fliesen in Pastelltönen strahlen eine großzügige Eleganz des hochwertigen Bades aus. Hilfen für das Alter integrieren sich unauffällig in das Baddesign. Das Design ist hell und freundlich und weist einen hohen Beigeanteil auf. Das Bad ist ausschließlich für große Grundrisse konzipiert.

Badsanierungen
Die Herausforderung besteht beim Bauen im Bestand. Die baulichen Veränderungen sind oft nicht „mal eben so“ umsetzbar. Dazu gehören viel Organisation und Planung, ein Cost-Engineering muss durchgeführt, Anträge müssen ausgefüllt, die richtigen Ausrüster sowie fachkundige Handwerksfirmen gefunden werden. Zudem gilt es, die richtige Sanierungsmethode zu finden – idealerweise eine, die möglichst wenig Staub und Dreck verursacht, größere Abrissarbeiten vermeidet und das Bad in wenigen Tagen wieder benutzbar macht. Neben den kaufmännischen und marketing-bezogenen sind eine Reihe von technisch-baulichen Fragen zu beantworten. Insbesondere der Einbau bodengleicher Duschen hat lange Zeit größere Umbauten oder Deckendurchbrüche erforderlich gemacht.
Die Vorteile bodengleicher Duschen sind mittlerweile offiziell anerkannt: Sie werden nach DIN 18040 Teil 1 und Teil 2 empfohlen und von den Pflegekassen sowie der KfW gefördert. Neue Vakuumpumpen liefern hier Lösungen und lassen auf einen verbreiterten Einbau hoffen – schließlich profitieren von bodengleichen Duschen nicht nur Senioren, sondern neben mobilitätseingeschränkten Menschen auch Familien, Paare oder Alleinlebende aller Altersklassen. Und bodengleiche Duschen fügen sich in jedes Badkonzept ein.

Olaf Berger

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