23.05.2014 | Top-Thema Bad

Trinkwasserverordnung: Bleileitungen in Trinkwasserinstallationen

Kapitel
Bleirohr mit ineinander geschobenen, tulpenförmig verlöteten Enden. Farbanstriche haften kaum auf Blei.
Bild: Niedersächsisches Landesgesundheitsamt

Seit 1. Dezember 2013 gilt nach der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) für Blei der neue niedrigere Grenzwert von 0,01 mg/l. Es ist davon auszugehen, dass der Wert bei vorhandenen Bleileitungen i.d.R. nicht eingehalten werden kann. Daher müssen diese Leitungen gegen Rohre aus besser geeigneten Werkstoffen ausgetauscht werden. Wasserversorger und Vermieter, die ihre Bleirohre nicht vollständig ausgewechselt haben, müssen die betroffenen Verbraucher unabhängig von der Bleikonzentration im Trinkwasser informieren.

Wasser ist ein qualitativ hochwertiges Lebensmittel. Seine Qualität kann durch das Rohrleitungssystem, insbesondere die Hausinstallation, nachteilig beeinflusst werden. Haus- und Wohnungseigentümer sind dafür verantwortlich, dass durch die Hausinstallationen für die Mieter keine gesundheitlichen Risiken entstehen.

In den letzten Jahren wurden viele Häuser saniert und modernisiert. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass in älteren Häusern, die vor 1974 errichtet wurden, noch Rohrleitungen aus Blei vorhanden sind. Betroffen sind vor allem Gebäude in Nord- und Ostdeutschland, wo noch bis Anfang der 1970er Jahre teilweise Bleirohre verlegt wurden. Es ist aber nicht auszuschließen, dass auch in Gebäuden, die nicht in diesen Regionen liegen, Bleileitungen installiert sind. Eine Gesamtübersicht hierüber existiert nicht. Es besteht insbesondere in o.g. Gebieten die Möglichkeit, dass das Trinkwasser erhöhte Bleigehalte aufweist und damit die Gesundheit von Mietern gefährden kann.

Gesundheitlich bedeutend ist unter Umständen eine schleichende Belastung durch regelmäßigeAufnahme kleiner Bleimengen. Dies kann die Blutbildung und die Intelligenzentwicklung bei Säuglingen und Kleinkindern negativ beeinflussen. Indirekt gehören damit auch ungeborene Kinder und Schwangere zu der auf Blei besonders sensibel reagierenden Bevölkerungsgruppe. Vereinfacht heißt das: Blei macht dumm!

Neuer Grenzwert
Für Blei galt seit dem 1. Januar 2003 ein Grenzwert von 0,025 mg/l. Zum Schutz des Verbrauchers hat der Gesetzgeber den Grenzwert für Blei in der TrinkwV nochmals ab dem 1. Dezember 2013 auf 0,010 mg/l gesenkt. Damit endet die zehnjährige Übergangsfrist für den Austausch bleihaltiger Rohre. Denn erfahrungsgemäß kann dieser Grenzwert bei vorhandenen Bleileitungen nicht eingehalten werden. Die Innenbeschichtung der Rohre mit Epoxidharz oder die Verwendung von Trinkwasserfiltern sind keine geeigneten Maßnahmen, um den Grenzwert einzuhalten.
Sollte das Wohnungsunternehmen einen Verdacht auf Vorhandensein von Bleileitungen haben, hat es dem Besorgnisgrundsatz der TrinkwV gerecht zu werden und einer möglichen Gefährdung nachzugehen. Hierfür eignen sich die Besichtigung vor Ort und Recherche. Eine Beprobung eignet sich nur bedingt.

Vorgehen bei Vermutung von Bleileitungen
Blei in der Trinkwasserinstallation wurde in den 1970er Jahren als gesundheitlich bedenklich eingestuft und ab 1974 im Regelfall nicht mehr für neue Trinkwasserleitungen verwendet. Ist ein Gebäude mit Baujahr vor 1974 noch nicht umfassend modernisiert worden, sollte ein mögliches Vorhandensein genauer geprüft werden:

1. Information beim örtlichen Wasserversorger einholen, ob die Versorgungsleitungen ohne Blei sind. Ist die sichtbare Hausanschlussleitung offensichtlich nicht aus Blei, kann davon ausgegangen werden, dass die gesamte Leitung von der Hauptleitung zum Gebäude ebenfalls nicht aus Blei besteht.

2. Inspektion des Übergaberaums und Kellerbereichs auf sichtbare Bleileitungen.

  • Klopftest, kein metallischer Klang
  • Bleileitungen sind silbergrau (sofern nicht überstrichen)
  • Bleileitungen sind weich und lassen sich mit einer Münze einritzen
  • Bleileitungen sind biegsam und darum teilweise in geschwungenen Linien verlegt
  • Lassen Sie sich bei der Kontrolle der Leitungen ggf. von einem Installateur begleiten!

3. Sichtkontrolle der Steigleitungen, sofern möglich.

4. Sichtkontrolle in Wohnungen, sofern Leitungen über Putz verlegt sind (typische Rohrkrümmung, typische Verbindungsausführung).
5. Zustand und Materialien der Wohnungen (Fliesenbekleidung, Sanitärinstallation) können Hinweise geben, ob Wohnungsleitungen gewechselt wurden. Ist beispielsweise der Fliesenspiegel erkennbar von vor 1974, wurden sicherlich unter Putz verlegte Leitungen nicht ausgetauscht.
6. Einsicht in die Unterlagen vom Hausbau und/oder Sanierung (sofern vorhanden).
7. Wurden bereits Einzelmodernisierungen durchgeführt, könnten in den Unterlagen (Abrechnungen etc.) Posten wie „Bleileitungen ausbauen” enthalten sein. Eventuell kann ein langjähriger Installationspartnerbetrieb Informationen über Bleileitungen im Bestand geben, z. B. ob und welche Leitungen getauscht wurden. In leer stehenden Wohnungen können Schächte/Wände geprüft werden.
In manchen Fällen kann eine Wasseruntersuchung auf Blei hilfreich sein um zu klären, ob Bleirohre in der Hausinstallation vorhanden sind. Eine explizite vorsorgliche Untersuchungspflicht aller Trinkwasseranlagen ist aber nicht gegeben! Dies wurde kürzlich nochmals vom Umweltbundesamt bestätigt.

Die Beprobung kann aber auch zu Fehlinterpretationen führen. Andere nicht zertifizierte Materialien der Hausinstallation, wie einige Messingarmaturen, bleihaltige Lote (Lötmaterial) oder auch verzinkte Eisenwerkstoffe mit nicht normgerechter Verzinkung, können kleine Mengen an Blei abgeben. Insofern kann ein erhöhter Bleiwert nur ein Hinweis für mögliche Bleileitungen sein. Die Verortung der Bleiquelle ist durch eine Beprobung aber nicht oder nur bedingt möglich.

Handlungspflichten und Handlungsmöglichkeiten
Sind Bleileitungen tatsächlich vorhanden, sind seit 1. Dezember 2013 die Mieter und das Gesundheitsamt darüber zu informieren. Damit kein Wasser abgegeben wird, welches nicht der TrinkwV entspricht, müssten beim dauerhaften Verbleib der Leitungen im System regelmäßig Proben gezogen werden und/oder eine Einschränkung der Wasserabgabe für Ernährungszwecke erfolgen. Dies stellt langfristig keine praxisgerechte Alternative dar. Daher sind Bleileitungen aus der Trinkwasserinstallation zu entfernen.
Da die Qualität des Trinkwassers im gesamten Gebäude sichergestellt werden muss, sind alle Bleileitungen aus der Trinkwasserinstallation zu entfernen. Es genügt nicht, z. B. nur die Küche zu sanieren. Bei Neuerrichtung oder Sanierung sowie bei einer Überprüfung der Anlage auf Bleiquellen sind die Werkstoffzulassungen aus den Empfehlungen des Umweltbundesamtes nach § 17 TrinkwV zu beachten. Das Vorgehen bei kurzfristigem Verbleib der Bleileitungen im System bis zur planmäßigen Sanierung sollte mit dem Gesundheitsamt abgestimmt werden.

Sollten noch Bleirohre in der Installation vorhanden sein oder die Messwerte im Leitungswasser tatsächlich deutlich erhöht sein, ergeben sich folgende Handlungsmöglichkeiten bis zum Austausch der vorhandenen Bleileitungen und bei erhöhten Bleimesswerten:
Als Vermieter ist man gehalten, den Mieter dazu aufzufordern, Wasser, welches länger in der Leitung stand (Nacht, Abwesenheit), ablaufen zu lassen. Es ist bekannt, dass sich in der Leitung stehendes Wasser durch Lösungsvorgänge mit Metallen anreichert. Wasser sollte, bevor es zum Trinken oder zur Zubereitung von Speisen genutzt wird, solange aus dem Hahn ablaufen, bis es nicht mehr kälter wird. Anderweitige Wassernutzungen in der Wohnung, z. B. Toilettennutzung, Duschen, Geschirrspülen, Wäschewaschen etc. verkürzen die notwendige Ablaufzeit am Hahn deutlich. Es ist günstig, diese Wassernutzungen nach langer Stagnation möglichst vorzuziehen. Zur Zubereitung von Säuglings- und Kleinkindernahrung sollte das Wasser allerdings besser gar nicht verwendet und stattdessen auf abgepacktes Wasser, das den Aufdruck „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung” trägt, zurückgegriffen werden. Auch hierüber sollten Vermieter ihre Mieter informieren.

Mieterinformation
Fakt ist: Vermieter müssen die betroffenen Verbraucher schriftlich oder per Aushang informieren, unabhängig von der Bleikonzentration im Trinkwasser. Im Ergebnis besteht aufgrund des neuen niedrigeren Grenzwerts faktisch eine Ausbaupflicht für Bleileitungen.
Ein Informationsbedarf der Mieter besteht jedoch darüber hinaus auch in folgendem Punkte: Leider musste in der Vergangenheit festgestellt werden, dass das Thema installationsverträgliche Entnahme von Wasser aufgrund der allgemeinen Sparanstrengungen etwas in Vergessenheit geraten ist. Der Eigentümer muss jedoch den bestimmungsgemäßen Betrieb seiner Installation organisieren. Daher ist es umso wichtiger, dass auch die Wohnungswirtschaft den Mieter zunehmend wieder informiert, wie wichtig fließendes Wasser ist.
Informationen hierzu finden Sie unter anderem in einem Ratgeber des Umweltbundesamtes: „Trink was – Trinkwasser aus dem Hahn”, gesundheitliche Aspekte der Trinkwasserinstallation: Informationen und Tipps für Mieter, Haus- und Wohnungsbesitzer.

Fabian Viehrig, GdW, Berlin

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Modernisierung, Bad

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