23.05.2014 | Top-Thema Bad

Projekt „Badsanierung“ deckt Kostensenkungspotenziale auf

Kapitel
Prof. Dr. Sigrid Schaefer
Bild: Haufe Online Redaktion

In unserer trendorientierten Gesellschaft werden Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen schneller und öfter gewünscht. „Emotionaler Verschleiß“ nennt Prof. Dr. Armin Just, Professor für Bautechnik an der EBZ Business School, dieses Phänomen: Fliesen müssen nicht mehr ein Leben lang halten, sondern lediglich einen Trend überleben. Doch Sanierungen sind mit hohen Kosten und hohem Zeiteinsatz verbunden. Im EBZ ist daher das Innovationsnetzwerk für die Wohnungswirtschaft entstanden, das zunächst Optimierungsmöglichkeiten für Badsanierungen untersucht.

Das Geheimnis liegt in den Prozessketten und der Abstimmung der Beteiligten untereinander. Im Dialog lassen sich noch vielfältige Kostensenkungspotenziale aufdecken, die den Wohnungsunternehmen erheblich zugutekommen können. Das sehen die Teilnehmer des Innovationsnetzwerks für die Wohnungswirtschaft – bestehend aus Akteuren der Industrie, des Großhandels, des Handwerks und der Wohnungswirtschaft – ähnlich. Mithilfe einer spezifischen Bedarfsanalyse wurden Erwartungen, Wünsche und Ziele der Partnerunternehmen an die Zusammenarbeit ermittelt. Aus der Bedarfsanalyse sind folgende drei Thesen abgeleitet worden:

• Durch koordinierte Rückmeldungen zwischen der Industrie und der Wohnungswirtschaft könnten die angebotenen Produkte auf die Bedarfe angepasst und durch die Analyse der Kostentreiber effizienter gestaltet werden.

• Die Industrie und die Wohnungswirtschaft könnten durch Prozesskettenoptimierungen die benötigte Zeit für Wohnungsmodernisierungen und die Kosten reduzieren.

• Durch Kooperationsbeziehungen zwischen den Partnern des Netzwerkes könnten Kostensenkungspotenziale, Effektivitäts- und Effizienzsteigerungen erreicht werden.

Testlabor Bad
Nun haben sich die Partner beim jüngsten Treffen des Innovationsnetzwerks für die Wohnungswirtschaft einem Bereich zugewandt, der sich als Testlabor für die oben aufgestellten Thesen bestens eignet. Marten Thöne, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projekts, erläutert: „Gerade bei der Modernisierung eines Badezimmers stehen die Verantwortlichen im Wohnungsunternehmen vor zahlreichen Herausforderungen. Es sind so viele unterschiedliche Konfigurationen und Kombinationen möglich, dass die effiziente Entscheidungsfindung und Abwicklung einer Badsanierung von Entscheidungsträgern aus den Wohnungsunternehmen als anspruchsvoll angesehen wird. Nur anhand von Erfahrungswerten kann ermittelt werden, welche Technik mit der anderen harmoniert – oder auch nicht – und wo Fehlerquellen liegen, die eine Badsanierung verkomplizieren oder die Kosten steigern. Hier gibt es ohne Zweifel noch viel Potenzial zur Effizienzsteigerung durch die Optimierung der Prozessketten.“

Zusammen haben die Akteure die Idee des Systembads entworfen – im Netzwerk wird halb scherzhaft der Begriff des „IKEA-Prinzips“ verwendet, um das Konzept zu beschreiben: Ob Toilette oder Waschbecken, die einzelnen Produkte für die Modernisierung des Bades sollen vorher in den Werken entwickelt und aufeinander abgestimmt werden, sodass sie perfekt ineinandergreifen. Alle Produkte sollten vom Großhandel geordert, zusammengestellt, verpackt und „just in time” zum Projektort geliefert werden. Logistik und Transport würden somit von einer Stelle ausgehen. Wie beim Baukastensystem müssten die Teile dann an Ort und Stelle nur noch zusammengeführt werden. Das Systembad vereint die Entwicklung von Vorfertigung, Systemdenken und gewerkeübergreifendem Handeln.

Ob das entwickelte Konzept in die Praxis umsetzbar sein wird, werden die nächsten Schritte des Innovationsnetzwerkes zeigen. Die Vorbereitungen des ersten Pilotprojektes laufen bereits an, es soll in den kommenden Wochen in die Praxis umgesetzt werden: Sowohl die VBW Bauen und Wohnen GmbH Bochum als auch die gewoge AG Aachen stellen dafür Leerstandswohnungen zur Verfügung. Marten Thöne schildert das weitere Vorgehen: „Jene Netzwerkpartner, die sich am Projekt Badsanierung beteiligen, erhalten zunächst Mustergrundrisse der Wohnungen, spezifische Erwartungen und konkrete Vorgaben der Wohnungsunternehmen. Die ausgewählten Bäder haben die Standardgröße von 6-12 m². Nun gilt es, gemeinsam innovative Ideen in Bezug auf Sanierungsmöglichkeiten zu entwickeln und einzureichen, um diese in der nächsten Sitzung gemeinsam mit allen Partnern diskutieren zu können. Die Vorschläge der Beteiligten werden gesammelt und von uns ausgewertet.“

Vorab geschulte Handwerker verwenden im ersten Pilotprojekt die von den Wohnungsunternehmen gewählten Produkte bei der Badsanierung. Die Erfahrungen aus dem Baukastensystem werden für die zweite Etappe des Projekts – die Sanierung eines weiteren Bades – ausgewertet und für das 2. Pilotprojekt weiter optimiert. Design und Funktionalität der Produkte könnten somit für den nächsten Schritt nochmals überarbeitet werden.

Fazit
Mit dem Projekt Badsanierung setzen wir uns hohe Ziele – die wir aber nur erreichen können, wenn die Projektpartner weiterhin so aufgeschlossen miteinander diskutieren und so konstruktiv zusammenarbeiten. Mit den gesammelten Erfahrungen wollen wir uns dann künftig auch anderen Gewerken widmen und Win-win-Situationen für alle Partner erreichen. Die Modernisierung von Heizungsanlagen steht als Nächstes auf dem Plan und könnte ebenfalls erhebliche Kostensenkungspotenziale für die Wohnungswirtschaft und ihre Partner aufdecken.

Prof. Dr. Sigrid Schaefer

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Modernisierung, Bad

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