23.05.2014 | Top-Thema Bad

Leichtbau-Fertigbäder im Studentenwohnheim: Gesteigerte Effizienz

Kapitel
Im Dezember 2013 konnte das neue Studentenwohnheim in Kleve bezogen werden.
Bild: AEG

Wenn Studentenwerke bauen, müssen die Projektverantwortlichen eine Vielzahl ökonomischer und ökologischer Grundsätze berücksichtigen. Das Studentenwerk Düsseldorf nimmt diese Verantwortung sehr ernst: Durch umweltgerechte Investitionen in moderne Wohnkonzepte sind sowohl Werterhalt der Gebäude als auch Wohnkomfort und preisgünstige Mieten langfristig gesichert. Moderne Haustechnik mit cleveren Sanitärlösungen spielt hierbei eine bedeutende Rolle.

Kleve ist auf Zukunft eingestellt: 2009 wurde die neue Hochschule Rhein-Waal eröffnet, jetzt sollen sich die Rahmenbedingungen für Studierende weiter verbessern – insbesondere die wohnliche Situation in der Stadt am linken Niederrhein. 2011 erhielten die Hamburger Architekten nps tchoban voss den Auftrag, in unmittelbarer Nähe des Hochschulareals ein Studentenwohnheim zu errichten. Hierfür hatte das Studentenwerk Düsseldorf bereits das Grundstück erworben – direkt gegenüber dem Campus, nur getrennt durch den Spoykanal und die beidseitige Uferpromenade, aber schnell und bequem zu erreichen über eine Fußgängerbrücke.

Klare Botschaft für Wohnqualität
Im Rahmen des NRW-Projekts „Klimaschutzsiedlung in Planung“ entstand das neue Wohnheim in nur 12-monatiger Bauzeit. Die Anlage besteht aus drei miteinander verbundenen Gebäuden mit 112 Wohnplätzen. Heinz-Werner Pfeiffer, Leiter Studentisches Wohnen und Bauwesen beim Studentenwerk Düsseldorf, ist Projektkoordinator und erläutert: „Die Wohnflächen in älteren Objekten betragen in der Regel nur 16-18 m² – das ist für Neubauten nicht mehr zeitgemäß.“

Tatsächlich haben sich die Anforderungen an studentischen Wohnraum in den letzten Jahren verändert: Wohnen muss nach wie vor günstig sein, heutzutage aber auch Wohlfühlcharakter bieten. Alle Wohnungen sind barrierefrei erschlossen. Alle Einheiten werden zu einem Komplettpreis befristet vermietet – die Maximaldauer beträgt sechs Semester, also drei Jahre. Für diesen Zeitraum ist die Miete festgeschrieben, so dass die Studenten keine Nachzahlungen befürchten müssen und kalkulieren können: Heizung, Wasser, Strom, Müllgebühren, Hausmeisterservice sowie TV- und Internetzugang – alles ist inklusive.

Nachhaltiges Gebäudekonzept
Die neue, optisch sehr transparent wirkende Wohnanlage in der Briemer Straße wurde im Passivhaus-Standard KfW 40 errichtet. Intelligente Haustechnik gehört zum Gebäudekonzept. Die dezentrale Warmwasserbereitung in allen Bädern und Küchen erfolgt mit elektronischen Durchlauferhitzern. Um größtmögliche Energieeinsparpotenziale zu gewährleisten, wird eine möglichst große Menge des selbst produzierten PV-Stroms für das Gebäude verwendet – sogar zur Warmwasserbereitung. Vorgesehen ist auch ein Batterieplatz für einen PV-Stromspeicher im Technikraum, der zu einem späteren Zeitpunkt nachgerüstet werden kann.

Vorgefertigte Bäder sparen Zeit und Kosten
Um zeit- und kostenoptimiert zu bauen, setzte das Studentenwerk auf moderne Fertigbäder in Leichtbauweise. Sie stammen von Geberit-Huter aus Matrei am Brenner in Österreich, die Installation innerhalb der Appartements erfolgte durch den SHK-Fachbetrieb Volker Hermsen GmbH aus Kleve. Die anschlussfertigen Bäder wurden komplett im Werk gefertigt und bis zum Einsatz auf der Baustelle dort gelagert. Am Tag des Einbaus waren sie pünktlich vor Ort und wurden per Kran direkt vom LKW in die Wohnungen gehoben und an Ort und Stelle platziert. Dieser Vorgang erfolgte für jedes Stockwerk „just in time“.
Die Besonderheit des Komplettsystems: Die Fertigbäder haben ein vergleichsweise geringes Gewicht von nur 320 kg/m2, was den statischen Anforderungen – im Vergleich zu Beton-Fertigbädern – erheblich entgegenkommt. „Auch die Gewerke-Koordination ist bei der Vorfertigung deutlich einfacher als bei einer Installation auf der Baustelle. Denn wenn verschiedene Gewerke in den kleinen Bädern unter Zeitdruck arbeiten, gehen sie nicht immer rücksichtsvoll mit dem Werk des anderen um. Und natürlich spart die werkseitige Montage ‚aus einer Hand’ spürbar Kosten, sie vereinfacht Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung erheblich“, berichtet H.-W. Pfeiffer aufgrund langjähriger Erfahrung. Begeistert ist er außerdem von der hohen Flexibilität der Leichtbauweise: „Wäre in 15 Jahren eine Veränderung der Grundrisse oder Umnutzung notwendig, so lassen sich die 2,20 x 1,80 m großen Bäder in Kleve komplett verschieben oder auch sehr leicht demontieren und wieder herausnehmen.“

Schnell verfügbares Warmwasser
Die Warmwasserbereitung erfolgt im gesamten Gebäude dezentral. Zudem wurde durch den Einsatz von elektronischen Durchlauferhitzern die aktuelle Trinkwasserverordnung optimal umgesetzt, um die Hygiene des Trinkwassers sicherzustellen. Auch zu unnötigem Wasserverbrauch kommt es nicht – er entsteht, wenn die Bewohner das Wasser ungenutzt ablaufen lassen, weil es noch nicht die gewünschte Auslauftemperatur erreicht hat. Vielmehr erreicht das Warmwasser temperaturgenau die Zapfstelle – die Dusche, das Waschbecken und die Küchenspüle. Bei Ausstattung der Fertigbäder und insbesondere bei der Wahl von dezentralen Warmwasserbereitern hatte der Projektkoordinator genaue Vorstellungen. Er entschied sich gezielt für die elektronischen Durchlauferhitzer „DDLE Basis“ von AEG Haustechnik. Diese Ausführung ermöglicht auch ein solares Nachheizen durch eine thermische Solaranlage.

Das Wohnheim am Spoykanal wurde im November 2013 bezugsfertig. Mit dem Neubau trägt das Studentenwerk Düsseldorf nicht nur zur Entstehung eines jungen, attraktiven Stadtquartiers bei, sondern realisierte auch ein durchdachtes und innovatives Haustechnikkonzept.

René Bender, AEG Haustechnik

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Modernisierung, Bad

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