Assistenzsysteme für selbstbestimmtes Leben: Musterwohnung

Barrierefreies Wohnen: Gemeinsam mit der AOK Nordost, der Technischen Hochschule Wildau und Bewohnern im Märkischen Viertel hat das Berliner kommunale Wohnungsunternehmen Gesobau ein Modellprojekt für niedrigschwellige technische Lösungen und Alltagshilfen in den eigenen vier Wänden entwickelt.

Barrierefreie Wohnungen werden in Deutschland aufgrund des demographischen Wandels dringend gebraucht, aktuell mindestens 1,6 Millionen, wie eine Studie des Projektentwicklers Terragon und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) zeigt. Barrierefreiheit muss demnach nicht teuer sein: Sie macht nur etwa ein Prozent der Gesamtbaukosten aus. Deutschlandweit gibt es mittlerweile mehrere Musterwohnungen. Auch die Gesobau hat eine solche im Märkischen Viertel eingerichtet. Mieter der Gesobau und interessierte Bewohner können sich dort über einfache technische Lösungen und Alltagshilfen informieren, die das selbstbestimmte Wohnen im Alter ermöglichen beziehungsweise erleichtern können.

Barrierefreies Wohnen: Niederschwellige Lösungen

Das vom GKV Spitzenverband geförderte Konzept wurde gemeinsam mit Bewohnern erarbeitet und soll sich damit konkret an den vorhandenen Bedürfnissen älterer und pflegebedürftiger Menschen orientieren. Bei den Einbauten seien bewusst technische Lösungen gewählt worden, die für die Nutzer leicht bedienbar und bezahlbar seien und damit niedrigschwellig umgesetzt werden könnten, teilt die Gesobau mit. Damit werde älteren Bewohnern der Zugang zu technischen Alltagshilfen erleichtert und Gefahrenpotenzialen präventiv entgegengewirkt. Irina Herz, Geschäftsbereichsleiterin der Gesobau für das Märkische Viertel, sagt: "Mit dem Modellprojekt konnten wir wichtige Erkenntnisse für zukünftiges Wohnen gewinnen, die weiter ausgebaut werden sollen."

Assistenzsysteme für selbstbestimmtes Leben im Alter  können Stürze verhindern

Jens Kreuzer, Unternehmensbereichsleiter Pflege bei der AOK Nordost, betont, dass eine ungünstig gestaltete Wohnumgebung das Sturzrisiko erhöhen kann. "Wenn etwas passiert, bekommt dies häufig keiner mit oder, wenn doch, zu spät. Folge: Rechtzeitige medizinische Hilfe bleibt aus. Durch das gemeinsam entwickelte Konzept können Stürze verhindert oder zumindest früher erkannt werden – so lassen sich Folgeschäden oft vermeiden. Darüber hinaus können Angehörige und Pflegepersonal benachrichtigt werden: Nutzer, Angehörige und Pflegekräfte fühlen sich so sicherer."

AAL: Sensoren passen auf Bewohner auf

Die technischen Einbauten wurden federführend von Prof. Birgit Wilkes, Leiterin des Instituts für Gebäudetelematik an der Technischen Hochschule Wildau, konzipiert. "Das Herzstück der Musterwohnung sind Sensoren, mit denen es möglich wird, dass die Wohnung auf ihren Bewohner ‚aufpasst‘. In der gesamten Wohnung erfassen sie das Aktivitätsverhalten einer Person und stellen Abweichungen davon fest." Dabei kann es sich um Stürze oder übergelaufenes Wasser im Bad, Probleme beim Aufstehen vom Bett oder Sessel oder das Öffnen der Wohnungstür und Fenster handeln. Die Abweichungen werden automatisch an eine zuvor festgelegte Stelle gemeldet.

 

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