Anscharpark Kiel: Vier Wohnungsgenossenschaften, ein Projekt

Was einer nicht schafft, das schaffen viele, dachten sich vier schleswig-holsteinische Wohnungsgenossenschaften und machten sich gemeinsam an das Großprojekt Anscharpark. So entstand auf dem denkmalgeschützten Areal des ehemaligen Marinequartiers in Kiel-Wik ein lebendiges Stadtquartier.

Der Anscharpark im Kieler Stadtteil Wik wurde zwischen 1903 und 1907 als Marinelazarett gebaut. Bis Anfang der 2000er Jahre wurden die historischen Gebäude von der Universitätsklinik Kiel und einige der Gebäude daran anschließend von Kultur- und Kreativschaffenden weitergenutzt.

Randbereiche des Areals wurden verkauft, schwer zu erhaltende Gebäude abgerissen. Damit war der Weg frei für eine Bebauung mit neuen Wohnungen, die sich in das denkmalgeschützte Areal mit der historischen Bausubstanz einfügen sollten. Von den ehemals 19 Gebäuden wurden zwölf erhalten und von Grund auf saniert.

Städtebauliche Neuordnung

Als die Prelios DGAG Deutsche Grundvermögen GmbH das 29.800 Quadratmeter große Gelände zum Verkauf anbot, bewarben sich gemeinsam vier schleswig-holsteinische Wohnungsgenossenschaften als Arbeitsgemeinschaft "Anscharpark GbR" um den Erwerb einer 23.700 Quadratmeter großen Teilfläche des Parks:

Die Baugenossenschaft Mittelholstein eG (bgm: 47 Wohnungen mit 3.657 Quadratmetern Wohnfläche) und die Wankendorfer Baugenossenschaft für Schleswig-Holstein eG (Wankendorfer: 50 Wohnungen mit 3.529 Quadratmetern Wohnfläche) beteiligten sich jeweils zu rund einem Drittel, die Genossenschaftliche Wohnungsunternehmen Eckernförde eG (GWU: 28 Wohnungen mit 1.841 Quadratmetern Wohnfläche) und die Wohnungs-Genossenschaft Kiel eG (Woge: 28 Wohnungen mit 1.948 Quadratmetern Wohnfläche) je zu einem Sechstel.

34 Millionen Euro investierten die Unternehmen in rund 11.000 Quadratmeter genossenschaftlichen Wohnraum. Das Fördervolumen betrug 10,6 Millionen Euro.

Alle Neubauten bezogen

Grundsteinlegung war im Oktober 2015. Am Ort der ehemaligen Bettenhäuser stehen inzwischen neun neue Wohngebäude mit insgesamt 152 Wohnungen. Der denkmalgeschützte Park wurde erhalten. Sieben der Gebäude sind im April 2018 an die Mieter übergeben worden, bis Sommer 2018 wurden die restlichen Gebäude bezogen.

Die 72 geförderten Wohnungen werden für 5,65 beziehungsweise sieben Euro pro Quadratmeter angeboten, die frei finanzierten Einheiten werden für Nettokaltmieten zwischen 9,50 und elf Euro pro Quadratmeter vermietet. Vermieter einer Wohnung ist diejenige Genossenschaft, die Eigentümerin des jeweiligen Wohngebäudes ist.

Die Pläne stammen von Arge Anschar-Architekten und den Kieler Büros BSP Architekten BDA sowie Schnittger Architekten und Partner. Im Stil der historischen Bauten wurden rote Glückstädter Klinker verwendet und klare Linien sowie dezente Details eingehalten. Außerdem haben die Häuser maximal vier Geschosse. Der bauliche und energetische Standard mit Aufzügen, Fußbodenheizung, Balkonen oder Terrassen ist hoch, alle Wohnungen sind barrierearm. Die Grundrisse reichen von 37 Quadratmetern bis zu 124 Quadratmetern.

Gartenseite des historischen Haus 7 einer Baugemeinschaft im Anscharpark
Gartenseite des historischen Haus 7 einer Baugemeinschaft im Anscharpark

Gemeinwesenbezogene Projektbestandteile

Mit dem Kindergarten des gemeinnützigen Kinder- und Jugendhilfe-Verbund Kiel, einem Café oder Restaurant, das in das ehemalige Kesselhaus einziehen soll, sowie den Aktivitäten der Kreativwirtschaft wird ein vielfältiges Quartier entstehen.

"Das Neubauprojekt ist eigentlich auch ein soziales Projekt." Dr. Ulrik Schlenz, Vorstand der Wankendorfer

"Hier leben nicht nur Mieter mit unterschiedlichen Einkommen zusammen, sondern auch in einem Quartier mit Künstlern, Kindern, Studenten und Menschen mit Behinderungen", erklärt Schlenz. So wurde etwa ein Neubau der Wankendorfer mit 16 Wohnungen an die Stiftung Drachensee für eine Behindertenwohngruppe vermietet.

Für Vielfalt innerhalb des Quartiers sorgt auch die Atelierhausgesellschaft Kiel – ein Zusammenschluss von Kunst- und Kulturinstitutionen, die Kieler Künstlern ein Forum für Präsentation, Austausch und Diskussion bietet. Sie hat vier der historischen Gebäude erworben, darunter das ehemalige Wirtschaftsgebäude, das bereits 2011 mit Hilfe öffentlicher Mittel saniert wurde und heute "Atelierhaus im Anscharpark" heißt.

Die Muthesius Kunsthochschule und weitere Projektpartner wie die Stiftung Drachensee, die Heinrich-Böll-Stiftung, die Designinitiative Nord und auch die Wankendorfer nutzen seit März 2016 das repräsentative ehemalige Verwaltungsgebäude für gemeinsame Projekte, Arbeits- und Veranstaltungsformate.

Auch private Investoren sind dabei

Neben der Atelierhausgesellschaft haben sich weitere private Investoren auf dem Gelände engagiert. Eines der historischen Gebäude, das die Genossenschaften zunächst miterworben hatten, ging schließlich an eine Eigentümergemeinschaft, die es zu neun Wohnungen und zwei Büros umbauten.

Auch der Kieler Investor Klaus-Dieter Nebendahl hatte bereits 2006 das historische Inspektorenhaus und das Unterbeamtenhaus erworben und 14 moderne Mietwohnungen hinter teilweise aufwändig sanierten historischen Fassaden entstehen lassen. In zwei eingefügten Neubauten der Baugemeinschaften Haus A+B GbR sind zudem jeweils sechs Niedrigenergie-Mietwohnungen entstanden und 2008 und 2010 fertiggestellt worden.


Der vollständige Artikel erschien im Magazin DW Die Wohnungswirtschaft, Ausgabe 03/2019.


Das könnte Sie auch interessieren:

"Das neue Oxford": Hamburg stellt Konzept für Super-Stadtteil vor

Mobilitätskonzepte: So lebt es sich intelligent mobil im Wohnquartier

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Stadtentwicklung, Genossenschaft