Martina Güttler, Managing Director für Deutschland und Stefan Zanetti, CEO, Allthings Bild: Allthings Technologies AG

Digitale Concierges, Mieter-Apps und Chatbot-Technologien sollen künftig die Verwaltung von Immobilien stark vereinfachen. Die Allthings Technologies AG mit Hauptsitz in Basel ist ein Spezialist für derartige Applikationen. Seit Februar ist das PropTech Premium-Partner von Haufe. Was man sich von der Kooperation verspricht, verraten Allthings-CEO Stefan Zanetti und Martina Güttler, Chefin des Deutschlandablegers Allthings GmbH in Berlin, im Interview mit der Haufe-Online-Redaktion.

Herr Zanetti, was verspricht sich Allthings von einer Partnerschaft mit Haufe?

Zanetti: Allthings deckt mit seinen Applikationen die Beziehung zwischen einem Mieter und einem Immobilienunternehmen ab. Die Haufe Group wiederum zählt mit ihren Softwarelösungen zu den großen Dienstleistern für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft. Die Produkte reichen allerdings nicht bis zum Mieter. Daher freuen wir uns über eine engere Zusammenarbeit. Ziel der Premium-Partnerschaft ist beispielsweise der Aufbau einer standardisierten Schnittstelle: Wenn wir Kontakt zu Immobilienunternehmen haben, stellen die uns immer zuerst die Frage, inwiefern die Software anschlussfähig an bestehende Systeme ist.

Welchen Mehrwert erhalten die Kunden?

Zanetti: Hier lassen sich verschiedene Bereiche nennen. Zum einen machen wir tägliche Prozesse transparent und effizient. Ein Beispiel: Im Eingangsbereich ist eine Lampe kaputt. Das kann der Mieter auch nachts um 23 Uhr noch melden und sieht sofort, ob die Nachricht gelesen wurde und wann das Problem behoben wird. Zum anderen bieten unsere Applikationen Kommunikationsfunktionalitäten, etwa die Information für den Mieter, dass in der nächsten Woche der Aufzug gewartet wird. Für diesen Bereich existiert eine große Nachfrage, gerade bei Neubauprojekten.

Wie tief geht die Wertschöpfung?

Zanetti: Wir glauben, dass in einer Mietbeziehung noch viel mehr steckt als das, was man sich heute vorstellt. Man kann Immobilien etwa durch zusätzliche Dienste aufwerten, die sich monetarisieren lassen. Gemeint sind etwa spezifische Wohnkonzepte wie Micro-Apartments oder Coworking-Spaces. Oder man verkauft bestimmte Leistungen, wie Energie oder Multimedia. Das ist ein weitgehend unexploriertes Feld in der Immobilienwirtschaft. Unsere Plattform macht es möglich, unterschiedliche Applikationsszenarien auszubilden. Es ist nicht nur eine fixe, starre Applikation, die wir ins Rennen schicken. Wir können damit auch viele Nutzungskonzepte unterstützen - von Gewerbe über Wohnen bis hin zu Retail.

Frau Güttler, wie könnte die Entwicklung weitergehen?

Güttler: Funktional ist das Spektrum endlos. Unser Ziel ist es, auf der Mieterseite alle bestehenden digitalen Funktionen zu bündeln. Aber wir wollen natürlich auch jedem Auftraggeber die Chance geben, unterschiedliche neue Module individuell einzuführen oder zu entwickeln.

Und wie lange dauert es bis die Software an den Benutzer angepasst ist?

Zanetti: Grundsätzlich ist die Software sofort einsetzbar. In der Regel dauert es aber vier Wochen bis zu einer ersten, nutzbaren Basisversion, denn zunächst müssen ja einige Daten und Dokumente eingefügt werden. Wir stellen aber sehr schnell ein erstes Gerüst bereit und der Kunde fängt damit zu arbeiten an. Dadurch lernen die jeweiligen Mitarbeiter, mit der Plattform umzugehen. Hinzu kommen Online-Trainings. Außerdem begleitet immer auch ein Customer Success Manager den Kunden bis zum offiziellen Launch, also auch nach Vertragsabschluss. Die Plattform steht in der Cloud, was laufende Aktualisierungen einfach möglich macht.

Frau Güttler, die etablierte Wohnungswirtschaft tut sich bisher schwer, auf digitale Strategien zu setzen. Nun bringen PropTechs Bewegung in die Branche...

Güttler: ...Der Wille ist in der Branche auf jeden Fall da, sich zu verändern. Aber für die Unternehmen ist es nicht einfach, sich auf die vielen Chancen, die sich derzeit bieten, einzulassen. Die IT-Landschaft ist heterogen, die Konzerne wissen gar nicht, wo sie starten sollen. Vielleicht haben sie auch nicht ad hoc den Mut dazu. Aber diesen Mut brauchen sie, um Veränderungen herbeizuführen.

Gibt es einen Pilot-Kunden von Haufe, der Allthings bereits nutzt?

Zanetti: Das ist das nächste Ziel. Wir sind derzeit mit drei Unternehmen in Vorbereitung. 

Inwieweit spielt die Künstliche Intelligenz für Sie eine Rolle?

Zanetti: Wir haben vergangenes Jahr angefangen, damit zu experimentieren. Das Potenzial ist riesengroß. Die Software-Industrie steht bei KI-Massenanwendungen aber noch am Anfang  – sowohl auf der technischen Seite als auch bei der Datenmenge. Sehr viel Konkretes ist hingegen bereits im Bereich Analytics und Data Science zu sehen. Entwicklungen in diesem Bereich haben schon jetzt mehr Dynamik als der Bereich der Künstlichen Intelligenz bei Allthings.

Frau Güttler, Sie waren Geschäftsführerin beim Immobilienkonzern Apleona und sind jetzt zu einem PropTech gewechselt. Was bewog Sie zum Wechsel?

Güttler: Ich wollte schon immer Unternehmerin sein. Das klingt jetzt ein bisschen wie im Märchen: Aber ich habe das Produkt gesehen und ich wusste genau, dass es exakt die Bedürfnisse erfüllt, die Immobilienunternehmen brauchen, um im Tagesgeschäft die nächste Stufe zu erklimmen. Es geht jetzt darum, die gesamte Branche auf ein ganz anderes Niveau zu heben. Diese Chance ist da. Die großen Konzerne sind allerdings nicht so aufgestellt, dass sie sich schnell und flexibel bewegen können. Das ist eigentlich das, was mich antreibt: In einem PropTech habe ich die Möglichkeit, sehr viel schnellere Entscheidungen zu treffen. Mit dem in der Frage angesprochenen Hintergrund verstehe ich mich dabei quasi als "Dolmetscherin" zwischen der bis dato gelebten Praxis und den Chancen durch die jetzt greifbaren digitalen Lösungen, die zu einem neuen Branchenstandard führen werden.

Zum Unternehmen:

Seit Februar ist das PropTech Premium-Partner von Haufe und wird aktuell den Kunden der ERP-Software Haufe wowinex angeboten.

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