01.12.2016 | Klimaschutz

Allianz für einen klimaneutralen Wohngebäudebestand gegründet

GdW-Präsident Axel Gedaschko: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, sanieren wir uns die letzten günstigen Wohnungsbestände systematisch weg" (Symbolfoto)
Bild: GdW

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. hat gemeinsam mit Unternehmen und Institutionen aus Wohnungswirtschaft, Industrie und Forschung die neue bundesweite "Allianz für einen klimaneutralen Gebäudebestand" gegründet. Die Allianz erhebt unter anderem in einer Pilotstudie in über 500 Mehrfamilienhäusern Daten zu den Einspareffekten verschiedener Technologien.

Um das Klimaschutzziel der Bundesregierung eines klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050 zu erreichen, sind umfangreiche energetische Modernisierungsmaßnahmen an Gebäuden notwendig, die zu immer höheren Sanierungskosten und steigenden Mieten führen. Die Mehrbelastungen lassen sich jedoch laut GdW weder für Vermieter noch für Mieter refinanzieren. "Mehr Klimaschutz und höhere Energieeffizienz durch immer höhere Anforderungen an die Modernisierung von Gebäuden – die Umsetzung dieses Vorhabens stößt zunehmend an ihre wirtschaftlichen und sozialen Grenzen. Wenn wir so weitermachen wie bisher, sanieren wir uns die letzten günstigen Wohnungsbestände systematisch weg", sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Die "Allianz für einen klimaneutralen Wohngebäudebestand" hat das Ziel, die Wirksamkeit rein technischer Energieeffizienzmaßnahmen im Gebäude in der Praxis zu untersuchen und ihre Vorteile in Öffentlichkeit und Politik bekannt zu machen. Zu diesen Maßnahmen gehören die Optimierung der Steuerung und Regelung oder auch der Austausch bestehender Heizkessel, die Optimierung des Wärmeverteilsystems (z.B. hydraulischer Abgleich), die Verbesserung der Verbrauchstransparenz durch moderne Kommunikationsmedien, die Nutzung von Smart-Home- und Smart Building-Ansätzen zur Verbesserung der Temperatursteuerung von Räumen und Heizungsanlagen, Assistenzsysteme für optimales Lüften.

Die Erwartung der an der Allianz Beteiligten ist, dass derartige technische Maßnahmen zu relativ geringen Kosten einen verhältnismäßig großen Beitrag zur Energieeinsparung leisten.
Um dies zu belegen, wird das bislang größte praxisorientierte Forschungsprojekt seiner
Art in Deutschland durchgeführt, bei dem die genannten Maßnahmen und ihre Effekte
einzeln und in Kombination miteinander untersucht werden.

Forschungsprojekt evaluiert Kosten-Nutzen-Verhältnis technischer Maßnahmen

Das Forschungsprojekt gliedert sich in drei Bereiche: Vergangenheitsbezogene Datenanalyse, praktischer Pilotversuch und Kesseleffizienzstudie.

Im Rahmen der vergangenheitsbezogenen Datenanalyse werden bis Sommer 2017 in 500 Gebäuden die Kosten bereits umgesetzter Maßnahmen – sowohl technischer Maßnahmen an Wärmeerzeugungsanlage und Wärmeverteilung als auch Dämmung, Fenstertausch oder Austausch der Heizungsanlage – und der Rückgang des Wärmeverbrauchs untersucht. Die untersuchten Gebäude sind deutschlandweit verteilt und haben im Schnitt zehn Wohnungen, was einem durchschnittlichen Mehrfamilienhaus entspricht.

Im Rahmen des praktischen Pilotversuchs werden – ebenfalls bis 2017 – in rund 50 Gebäuden mit etwa 500 Wohnungen die Effekte des hydraulischen Abgleichs sowie von "smarten" Thermostaten, Verbrauchsvisualisierung, Smart Home-Systemen und Systemen für Lüftungsassistenz untersucht.

Die Kesseleffizienzstudie läuft bis Sommer 2019. In rund 350 Gebäuden werden die Möglichkeiten erforscht, die Effizienz bestehender Heizkessel zu verbessern. Neben einer Bestandsaufnahme und grundsätzlichen Überprüfung der Betriebsbedingungen werden die Einstellungen der Heizkurve und der Umwälzpumpe untersucht. Auch die Anpassung der Heizzeiten an die Jahreszeiten bzw. den Bedarf der Bewohner und der Austausch des Heizwassers sind Teil der Studie. Sie wird auch zeigen, wann Kessel ausgetauscht werden sollten und wo mit kleineren baulichen Maßnahmen wie einer geringeren Dimensionierung bzw. Heizleistung des Kessels Energie eingespart werden kann.


Ein weiteres Ziel der Allianz ist es, auf einen rechtlichen Rahmen hinzuwirken, der es Gebäudeeigentümern erlaubt, aus den zur Verfügung stehenden Energieeffizienzmaßnahmen diejenigen auszuwählen, mit denen sie das festgelegte Maß an Energieeffizienz und Klimaneutralität zum besten Kosten-Nutzen-Verhältnis erreichen.

Gründungsmitglieder der Allianz: Elf Unternehmen und Verbände

Zu den Gründungsmitgliedern der Allianz zählen Unternehmen, Verbände und Forschungseinrichtungen, die sich seit Jahren intensiv mit einer energieeffizienten Wärmeversorgung von Wohnimmobilien beschäftigen: der GdW, Vonovia, LEG, Dogewo21, Spar- und Bauverein eG Dortmund, Danfoss, Techem, Bosch Thermotechnik, Ista sowie die EBZ Business School – University of Applied Sciences mit der Professur für Energiefragen der Immobilienwirtschaft und die Professur für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung der Technischen Universität Dresden.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Sanierung, Modernisierung

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