GdW-Präsident Axel Gedaschko: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, sanieren wir uns die letzten günstigen Wohnungsbestände systematisch weg" (Symbolfoto) Bild: GdW

Viele Heizungsanlagen laufen mit unnötig hohen Temperaturen – so lautet eines der ersten Ergebnisse der bundesweiten "Allianz für einen klimaneutralen Wohngebäudebestand". Die Allianz erhebt unter anderem in einer Pilotstudie in über 500 Mehrfamilienhäusern Daten zu den Einspareffekten verschiedener Technologien.

Die "Allianz für einen klimaneutralen Wohngebäudebestand" hat das Ziel, die Wirksamkeit rein technischer Energieeffizienzmaßnahmen im Gebäude in der Praxis zu untersuchen und ihre Vorteile in Öffentlichkeit und Politik bekannt zu machen. Zu diesen Maßnahmen gehören die Optimierung der Steuerung und Regelung oder auch der Austausch bestehender Heizkessel, die Optimierung des Wärmeverteilsystems (z.B. hydraulischer Abgleich), die Verbesserung der Verbrauchstransparenz durch moderne Kommunikationsmedien, die Nutzung von Smart-Home- und Smart Building-Ansätzen zur Verbesserung der Temperatursteuerung von Räumen und Heizungsanlagen, Assistenzsysteme für optimales Lüften.

Die Erwartung der an der Allianz Beteiligten ist, dass derartige technische Maßnahmen zu relativ geringen Kosten einen verhältnismäßig großen Beitrag zur Energieeinsparung leisten. Um dies zu belegen, wird das bislang größte praxisorientierte Forschungsprojekt seiner Art in Deutschland durchgeführt, bei dem die genannten Maßnahmen und ihre Effekte einzeln und in Kombination miteinander untersucht werden.

Forschungsprojekt evaluiert Kosten-Nutzen-Verhältnis technischer Maßnahmen

Das Forschungsprojekt gliedert sich in drei Bereiche: Vergangenheitsbezogene Datenanalyse, praktischer Pilotversuch und Kesseleffizienzstudie.

Im Rahmen der vergangenheitsbezogenen Datenanalyse werden bis Sommer 2017 in 500 Gebäuden die Kosten bereits umgesetzter Maßnahmen – sowohl technischer Maßnahmen an Wärmeerzeugungsanlage und Wärmeverteilung als auch Dämmung, Fenstertausch oder Austausch der Heizungsanlage – und der Rückgang des Wärmeverbrauchs untersucht. Die untersuchten Gebäude sind deutschlandweit verteilt und haben im Schnitt zehn Wohnungen, was einem durchschnittlichen Mehrfamilienhaus entspricht.

Im Rahmen des praktischen Pilotversuchs werden – ebenfalls bis 2017 – in rund 50 Gebäuden mit etwa 500 Wohnungen die Effekte des hydraulischen Abgleichs sowie von "smarten" Thermostaten, Verbrauchsvisualisierung, Smart Home-Systemen und Systemen für Lüftungsassistenz untersucht.

Die Kesseleffizienzstudie läuft bis Sommer 2019. In rund 350 Gebäuden werden die Möglichkeiten erforscht, die Effizienz bestehender Heizkessel zu verbessern. Neben einer Bestandsaufnahme und grundsätzlichen Überprüfung der Betriebsbedingungen werden die Einstellungen der Heizkurve und der Umwälzpumpe untersucht. Auch die Anpassung der Heizzeiten an die Jahreszeiten bzw. den Bedarf der Bewohner und der Austausch des Heizwassers sind Teil der Studie. Sie wird auch zeigen, wann Kessel ausgetauscht werden sollten und wo mit kleineren baulichen Maßnahmen wie einer geringeren Dimensionierung bzw. Heizleistung des Kessels Energie eingespart werden kann.


Ein weiteres Ziel der Allianz ist es, auf einen rechtlichen Rahmen hinzuwirken, der es Gebäudeeigentümern erlaubt, aus den zur Verfügung stehenden Energieeffizienzmaßnahmen diejenigen auszuwählen, mit denen sie das festgelegte Maß an Energieeffizienz und Klimaneutralität zum besten Kosten-Nutzen-Verhältnis erreichen.

Breiter technischer Ansatz notwendig

Auf dem Wohnzukunftstag des GdW am 28. Juni 2017 wurden erste Ergebnisse vorgestellt. Laut ersten Auswertungen führten dabei die Optimierung der Wärmeverteilung durch einen hydraulischen Abgleich im Heizungskeller oder direkt an den Heizkörpern prinzipiell zu einem niedrigeren Energieverbrauch. Gleiches gilt für eine verbesserte Steuerung der Heizkörpertemperaturen durch programmierbare oder fernsteuerbare Thermostate (Smart Home). Wirkungszusammenhänge: Gebäude als System begreifen und optimieren In vielen Fällen waren zudem die vorgefundenen Temperaturen des Heizungswassers zu hoch. 

"Diese hohen Vorlauf- und Rücklauftemperaturen verringern nicht nur den sogenannten Brennwerteffekt moderner Heizkessel, sondern auch die Präzision der untersuchten Heizkörpersteuerung. Viele Bewohner können die Raumtemperatur an ihren Heizköpern nicht genau regeln, weil die heißen Heizungsrohre Wärme abgeben", so Prof. Grinewitschus. Zwar ließen sich die zu hohen Vor- und Rücklauftemperaturen durch einen hydraulischen Abgleich eindämmen, für eine volle Effizienzsteigerung müsse aber das gesamte Wärmesystem des Hauses betrachtet und optimiert werden. Es gebe starke Wirkungszusammenhänge zwischen Anlagentemperaturen, den Druckverhältnissen im Verteilsystem und den Steuerungsmöglichkeiten durch die Bewohner.

Gründungsmitglieder der Allianz: Elf Unternehmen und Verbände

Zu den Gründungsmitgliedern der Allianz zählen Unternehmen, Verbände und Forschungseinrichtungen, die sich seit Jahren intensiv mit einer energieeffizienten Wärmeversorgung von Wohnimmobilien beschäftigen: der GdW, Vonovia, LEG, Dogewo21, Spar- und Bauverein eG Dortmund, Danfoss, Techem, Bosch Thermotechnik, Ista sowie die EBZ Business School – University of Applied Sciences mit der Professur für Energiefragen der Immobilienwirtschaft und die Professur für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung der Technischen Universität Dresden.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Sanierung, Modernisierung

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