Die deutschen Wohnungsunternehmen planen, die digitalen Transformation stärker zu forcieren als bisher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des GdW. Mobile Endgeräte werden bereits heute bei 83 Prozent der Unternehmen häufig eingesetzt, doch auch digitale Plattformen (44 Prozent) und Cloud Computing (26 Prozent) sind immer präsenter. Aktuell werden insbesondere interne Abläufe digitalisiert, bei digitalen Geschäftsmodellen wird jedoch eine Aufholjagd erwartet.

13 Prozent der vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V. befragten Unternehmen wollen in den kommenden fünf Jahren mobile Endgeräte einsetzen, insgesamt vier Prozent planen derzeit nicht mit dieser Technologie oder konnten keine Angaben machen. Digitale Plattformen werden in den kommenden fünf Jahren von weiteren 45 Prozent der Unternehmen geplant. Zehn Prozent sehen das nicht vor, drei Prozent enthalten sich.

Cloud Computing wird zwar deutlich stärker genutzt als bisher und weitere 35 Prozent der Wohnungsunternehmen wollen diese Technologie bis 2023 einsetzen: doch immerhin 33 Prozent der Befragten nehmen davon noch Abstand; und sechs Prozent können die Technologie für ihr Unternehmen nicht beurteilen.

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Digitalisierung derzeit vor allem bei internen Abläufen

Aktuell werden jedoch insbesondere interne Abläufe digitalisiert. Bei Geschäftsmodellen erwarten die Unternehmen für die kommenden fünf Jahre einen digitalen Aufholprozess. Im Moment haben nur fünf Prozent der befragten Wohnungsunternehmen neue digitale Geschäftsmodelle entwickelt, 30 Prozent planen aber, dies in den nächsten fünf Jahren zu tun. Bei immerhin 38 Prozent der Unternehmen liegen die wichtigen Daten digital und auswertbar vor. Um Erlösmodelle zu entwickeln, müssen diese allerdings medienbruchfrei – also ohne notwendige manuelle Eingriffe in die Datenerfassung und -verarbeitung – vernetzt sein, was momentan nur bei 11 Prozent der befragten Unternehmen der Fall ist. Insbesondere in diesem Bereich erwarten rund 60 Prozent der Wohnungsunternehmen für die nächsten fünf Jahre einen Aufholprozess. Ein weiterer Trend ist der Ausbau einer eigenen Netzinfrastruktur. Diese ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Smart-Home-Angeboten.

"Die Wohnungswirtschaft steht bei der Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen in den Startlöchern. Viele Prozesse der Datenverarbeitung, aber auch der Wohnungsvermarktung sind bereits digitalisiert. Für die nächsten fünf Jahre plant rund die Hälfte der befragten Unternehmen, alle ihre Serviceangebote und weiteren Leistungen digital zu vernetzen." Axel Gedaschko, Präsident des GdW

Bezüglich der Anwendung konkreter digitaler Lösungen gibt ein Drittel der Wohnungsunternehmen an, mit digitalen Mieterakten zu arbeiten, jedes vierte bis fünftes Unternehmen hat die Verkehrssicherung sowie die Vermarktung von Wohnungen digitalisiert. Der Einsatz von Building Information Modeling (BIM) – also digitale Bauwerksdatenmodellierung – und die Kooperation mit Start-ups spielen in der Wohnungswirtschaft bislang noch eine untergeordnete Rolle.

Die Zukunft heißt IoT, Augmented Reality, Blockchain und Big Data

Das künftige Interesse der Unternehmen zielt insbesondere auf Internet der Dinge (IoT: von vier Prozent der Unternehmen bereits eingesetzt, von 31 Prozent bis 2023 geplant) und Augmented Reality (von sieben Prozent bereits eingesetzt, von 22 Prozent geplant) sowie auf Blockchain (von sieben Prozent bereits eingesetzt, von 22 Prozent bis 2023 geplant) und Data Mining (von sechs Prozent der Unternehmen bereits eingesetzt, von 36 Prozent geplant).

Anwendungsfälle für Robotertechnologie (68 Prozent haben keine Planung für diese Technologie, ein Prozent setzt sie bereits ein, und acht Prozent wollen sie in den kommenden fünf Jahren einführen) und 3D-Druck (keiner setzt sie aktuell ein, neun Prozent haben die Technologie auf der Agenda, 68 Prozent planen die Verwendung) sind derzeit aus Sicht der Unternehmen nur begrenzt vorhanden und werden aktuell nicht weiter verfolgt. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei künstlicher Intelligenz (KI): Zwei Prozent der Unternehmen setzen die Technologie bereits ein, 17 Prozent planen das in den kommenden fünf Jahren, 65 Prozent haben keine Planung und der Rest kann die Lage nicht einschätzen.

Motoren der Digitalisierung

Was treibt die Unternehmen zur Digitalisierung an? 63 Prozent der befragten Mitglieder geben an, dass die digitale Transformation überwiegend marktgetrieben ist. Ebenso relevant ist die Nachfrage: Auch hier sagen 63 der wohnungswirtschaftlichen Unternehmen, dass die Kunden als wesentliche Motoren der Digitalisierung fungierten.

Bei 46 Prozent der Unternehmen (insbesondere die mit einem Bestand von 1.000 bis 5.000 Wohneinheiten) geben die Mitarbeiter den Anstoß, sich mit dem Thema Digitalisierung zu befassen. Während 50 Prozent der Befragten, darunter vor allem die großen Unternehmen ab 10.000 Wohneinheiten, sich deshalb mit dem Thema Digitalisierung befassen, weil sie Vorreiter bei der digitalen Transformation sein wollen.

Vom Wettbewerb getrieben fühlen sich zehn Prozent, anfeuert von anderen Branchen sind acht Prozent und ein Prozent gab Eigenkapitalgeber als Treiber an. Jeweils vier Prozent sagten, es gebe keinen Motor.

Bereich "Vermietung" bereits stark digitalisiert

Die beiden Bereiche Rechnungswesen & Controlling sowie Kundenservice werden künftig am stärksten digitalisiert sein: Hier wird der Anteil der Digitalisierung mit jeweils 88 Prozent "hoch" oder "sehr hoch" sein. Es folgt der Bereich Vermietung mit 87 Prozent. Der Bereich Unternehmensführung & Berichtswesen folgt auf Platz vier mit 79 Prozent, vor Instandhaltung mit 69 Prozent.

Doch wie sieht es mit dem Digitalisierungsgrad dieser Bereiche heute aus? Die Kernfunktion des Bereichs Rechnungswesen & Controlling ist nach Angaben der Unternehmen derzeit zu 66 Prozent mit "hoch" oder "sehr hoch" digitalisiert. Es folgt auch hier bereits Kundenservice mit 46 Prozent, vor Vermietung mit 45 Prozent, wobei Vermietung in der Kategorie "sehr hoch" mit elf Prozent leicht vor Kundenservice (neun Prozent ) liegt. Instandhaltung folgt auf dem vierten Platz mit insgesamt 36 Prozent, vor Marketing mit 33 Prozent.

Wenig hoch oder sehr hoch digitalisiert sind hingegen das Personalwesen (23 Prozent) sowie der Bau (18 Prozent) und die Modernisierung (22 Prozent).

Manko: Strategische Ausrichtung

Ein Ergebnis der Umfrage zeigt aber auch, dass die Digitalisierung im Unternehmen noch stärker organisiert werden muss. In vielen Unternehmen fehlt eine strategische und strukturelle Ausrichtung. Je größer das Unternehmen, desto häufiger gibt es hierfür spezialisierte Abteilungen.

Noch ist in 68 Prozent der Wohnungsunternehmen ist die Geschäftsführung / der Vorstand für das Thema Digitalisierung verantwortlich. Nur 13 Prozent der Unternehmen haben bisher eine Stabstelle eingerichtet. In elf Prozent der Unternehmen übernimmt die IT-Abteilung die digitale Transformation. "Sonstige" wurden von sechs Prozent der Unternehmen angegeben, während ein Prozent gar keine Zuständigkeiten hat.

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Auch interne Widerstände hemmen den Digitalisierungsprozess

Dass keine klare Digitalisierungsstrategie existiert, ist aus Sicht von 58 Prozent der Wohnungsunternehmen der Hauptgrund für die langsam voranschreitende Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft. 47 Prozent sagten, es liege an den mangelnden Ressourcen. Immerhin 46 Prozent gaben interne Widerstände an, genauso viele sagten, die vorhandenen Technologien seien noch nicht ausgereift. Ein weiteres Hindernis ist der kulturelle Wandel (45 Prozent) und der undurchsichtige Markt digitaler Dienstleistungen (43 Prozent).

Nur elf Prozent der Unternehmen beklagen ein zu geringes finanzielles Budget, während fehlende Zeit von 33 Prozent der Befragten angegeben wird.

Zeitbudget für die digitale Transformation

50 Prozent der Wohnungsunternehmen planen dem GdW zufolge, künftig einen höheren Anteil der Aufgaben digital zu bearbeiten – ganz vorne auf der Agenda stehen die Bereiche Vermietung, Rechnungswesen und Controlling. Die Digitalisierung des Kundenservices wird der Umfrage zufolge in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen.

Aktuell sieht es mager aus: Nur sechs Prozent der Unternehmen investieren mehr als einen Tag, um ihr Wissen und die Fähigkeit ihrer Organisation zur Digitalisierung auszubauen. 16 Prozent gaben an fünf Stunden bis zu einem Tag pro Woche aufzuwenden, weitere 19 Prozent gaben zwei bis fünf Stunden zu Protokoll. Am häufigsten genannt als Zeitaufwand wurden ein bis zwei Stunden pro Tag: 26 Prozent. Drei Prozent investieren keine Zeit in die Wissensgenerierung, 15 Prozent konnten keine Angaben machen und weiter 15 Prozent wenden weniger als eine Stunde pro Woche hierfür auf.

85 Prozent der Unternehmen haben einen eigenen Datenschutzbeauftragten

Die mit fortschreitender Digitalisierung notwendige Erhöhung des Datenschutzes stellt für die Wohnungsunternehmen hingegen keine Hürde dar. 85 Prozent der Unternehmen haben einen eigenen Datenschutzbeauftragten bestellt, 71 Prozent einen externen. 75 Prozent der Unternehmen behandeln zudem im Rahmen ihres Risikomanagements die Datensicherheit und haben Notfallpläne erstellt.

Ein Risikomanagement mit Schwerpunkt Datensicherheit haben 77 Prozent, 75 Prozent nutzen Sicherheitszertifikate, 74 Prozent erstellen ein IT-Notfallhandbuch.

Die Online-Befragung zum Thema "Digitalisierung" fand vom 29. Mai bis 12. Juni unter 426 Mitgliedsunternehmen des GdW statt. Beteiligt haben sich 39 Prozent der Unternehmen.

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