17.12.2012 | Top-Thema 14. Brandenburger-Hof-Gespräch

„Unsere Genossenschaft bleibt bunt – und wird immer bunter“

Kapitel
Holger Kowalski, Vorstandsvorsitzender Altonaer Spar- und Bauverein eG
Bild: (C)2012 {Torsten George}, all rights reserved

Statement Holger Kowalski, Vorstandsvorsitzender Altonaer Spar- und Bauverein eG

Im Jahr 1892 wurde der Altonaer Spar- und Bauverein gegründet, um „billige, gesunde und nach Größe und Beschaffenheit den Lebensgewohnheiten des kleinen Mannes entsprechende Wohnungen in ausreichender Zahl zu schaffen“ (Zitat aus dem „Prospekt“ der Genossenschaft, 1892). Den „kleinen Mann“ von damals gibt es heute nicht mehr. Stattdessen umfasst unsere Genossenschaft eine bunte Vielfalt von Mitgliedern unterschiedlichster Altersgruppen, Einkommensschichten und Bildungshintergründe. Und die Ausdifferenzierung unserer Zielgruppen schreitet weiter voran. Dabei beobachten wir – entgegen dem demografischen Trend – eine Verjüngung unserer Mitgliederschaft, aber auch einen wachsenden Anteil an Akademikern und Besserverdienenden.

Dass sich die soziale Schere in Deutschland immer weiter öffnet, ist auch innerhalb der Genossenschaft spürbar. Dabei sehen wir uns allen unseren Mitgliedern verpflichtet. Das gilt für den langjährigen Mieter, der sich in einem soliden, bescheidenen Wohnumfeld mit niedrigen Nutzungsgebühren wohlfühlt, genauso wie für den beruflich Erfolgreichen, der seine gehobenen Wohnansprüche in einem Neubau realisieren möchte. Entsprechend empfinden wir es als unseren Auftrag, unseren Bestand laufend zu pflegen und zu modernisieren, aber auch gemäß den Wünschen kommender Zielgruppen und künftigen energetischen Ansprüchen auszubauen.

Mit ihren vergleichsweise günstigen Durchschnittsmieten sorgen die Wohnungsbaugenossenschaften dafür, dass die beliebten Wohnquartiere Hamburgs „bunt“ bleiben. Durch unsere Neubauaktivitäten stellen wir sicher, dass dieses Gegengewicht zur viel zitierten Gentrifizierung auch künftig erhalten bleibt. Die Politik, die durch ein mangelhaftes Angebot an preiswertem Wohnraum zunehmend unter Druck gerät, sieht unsere Aktivitäten darum mit besonderem Wohlwollen. Verpflichtet fühlen wir uns jedoch allein den Anforderungen unserer Mitglieder. Und wir wünschen uns die Unterstützung der Politik bei der Erschließung neuer Bauflächen genauso wie konstruktive Entscheidungen, wenn es beispielsweise um die Umwid-mung von Gewerbe- in Wohnflächen geht.

Auch unsere Genossenschaft bleibt bunt – und wird immer bunter. Die Ausdifferenzierung unserer Mitgliederschaft bringt viele Herausforderungen mit sich – nicht zuletzt, was das Zusammenleben angeht: Viele unserer älteren Mitglieder identifizieren sich stark mit ihrer Genossenschaft, ihrer Wohnanlage und ihrem Nachbarschaftstreff. Für viele der jüngeren Mitglieder hingegen sind die bewährten Formen der nachbarlichen Gemeinschaft nicht mehr selbstverständlich.

Wir sehen uns dazu aufgefordert, zeitgemäße Formen zu entwickeln, die die genossenschaftliche Idee auch für die neue Mitgliedergeneration erlebbar machen, beispielsweise durch Kooperationen mit den Kultureinrichtungen des Stadtteils. Gleichzeitig möchten wir auch denjenigen Mitgliedern Möglichkeiten geben, sich innerhalb der genossenschaftlichen Solidargemeinschaft zu engagieren, die sich beispielsweise keine langfristige ehrenamtliche Tätigkeit in einem Nachbarschaftstreff vorstellen können. Genauso wie die engagierten „Langstreckenläufer“ möchten wir auch die ehrenamtlichen „Sprinter“ in ihrem Engagement für ihr Quartier und ihre Nachbarschaft unterstützen.

Auch sind die Neumitglieder nicht selten kritischer und fordernder gegenüber ihrer Genossenschaft. Kritik und Widerstand werden – beispielsweise mit Hilfe digitaler Medien – in kürzester Zeit öffentlichkeitswirksam gebündelt. Damit steigen die Anforderungen an unsere Kommunikation. Und wir als Genossenschaft wachsen daran: beispielsweise indem wir unsere Mitglieder stärker und frühzeitiger bei Neubau- und Modernisierungsprojekten einbinden oder die Gestaltung von Spielplätzen und Gemeinschaftsflächen gemeinsam in Mitgliederworkshops vorbereiten.

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