17.12.2012 | Top-Thema 14. Brandenburger-Hof-Gespräch

„Es ist möglich, nachhaltig und verantwortlich zu wirtschaften“

Kapitel
Axel Gedaschko, Präsident GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V.
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Statement Axel Gedaschko, Präsident GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V.

Weltweit gibt es 800 Mio. Genossenschaftsmitglieder. Welche Größenordnung das ist, zeigt ein Vergleich mit einem anderen weltumspannenden Club, nämlich der FIFA: Sie hat 265 Mio. Mitglieder. Das unterstreicht, wie tief verwurzelt der Genossenschaftsgedanke ist. Genossenschaften, darauf hat der Generalsekretär der UN in seinem Grußwort zum Internationalen Jahr der Genossenschaften aufmerksam gemacht, erinnern daran, dass es möglich ist, sowohl nach wirtschaftlicher Rentabilität als auch nach sozialer Verantwortung zu streben. Damit hat es der Generalsekretär auf den Punkt gebracht.

Dennoch galten lange Jahre Genossenschaften als etwas angestaubt. Teilweise wurden sie in der Fachpresse sogar als Auslaufmodell gehandelt. Bis eins passierte: nämlich die Weltwirtschaftskrise. Das war der Moment, in dem der genossenschaftliche Gedanke wieder so richtig in den Vordergrund trat, weil deutlich wurde, dass es möglich ist, nachhaltig und verantwortlich zu wirtschaften und so ein Produkt zu schaffen, das im oberen Segment dessen ist, was wir in Deutschland an Wohnqualität haben.

Noch ein zweiter Punkt lädt den genossenschaftlichen Gedanken jetzt wie ein Turbo auf: nämlich die Frage, wie es gelingt, in Städten, in denen es an Wohnungen mangelt, preiswerten Mietwohnungsbau zu realisieren und sich dabei nicht an der Rendite zu orientieren, sondern am Leitgedanken, den Mitgliedern günstigen Wohnraum auf hohem Niveau zur Verfügung zu stellen. Das sind zwei entscheidende Momente, die eigentlich dazu beitragen sollten, den Genossenschaftsgedanken jetzt noch viel stärker in die Breite zu bringen. Dennoch werden Genossenschaften bei Fragen der Stadtentwicklung von der Kommunalpolitik bisweilen nicht eingebunden. Das halte ich für einen groben Fehler, weil Genossenschaften gerade dadurch, dass sie Nachhaltigkeit leben, bei solchen Prozessen unbedingt mit einbezogen werden müssten.

Reden müssen wir auch darüber, wie es sich ermöglichen lässt, dass Genossenschaften überhaupt bauen können. Das gelingt nicht, wenn man Grundstücke im Höchstpreisverfahren vergibt, wie es in bestimmten Städten der Fall ist, sondern nur bei einer Grundstücksvergabe, bei der auch über Inhalte gesprochen wird. In einem solchen Wettbewerb haben Genossenschaften hervorragende Chancen, als Sieger durch die Zielmarke zu gehen. Wichtig ist aber auch, dass sich die Genossenschaften selber auf den Weg gemacht und ihre Selbstdarstellung in die Hand genommen haben. Ich spreche die Marketinginitiative an, die ich für ein gutes Instrument halte, um deutlich zu machen, welchen Wert eine Genossenschaft über die bloße Zurverfügungstellung von Wohnraum hinaus hat. Dennoch stehen wir vor strukturellen Herausforderungen. Wir haben viele kleine Genossenschaften; ungefähr 900 Genossenschaften in Deutschland haben weniger als 500 Wohneinheiten. Hier ist es sicherlich klug, zu überlegen, wie man auf der einen Seite die Neugründung von Genossenschaften erleichtern kann und auf der anderen Seite diejenigen, die bereits am Markt tätig sind, dabei unterstützen kann, zukunftsfähig zu sein.

Ich wünsche mir, dass die vielen Aktionen, die im Internationalen Jahr der Genossenschaften stattgefunden haben, nicht eine Eintagsfliege bleiben. Das gilt insbesondere für die Kooperation der Wohnungsbaugenossenschaften mit anderen Genossenschaftsformen. Wir haben jedenfalls beschlossen, künftig mit dem Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V. (DGRV) enger zusammenzuarbeiten. So werden wir in Zukunft immer gemeinsam einen Neujahrsempfang ausrichten, wie wir das erstmalig anlässlich des Internationalen Genossenschaftsjahres gemacht haben. Und wir werden uns auch politisch stärker verbünden, wenn es darum geht, den Genossenschaftsgedanken in die Zukunft zu tragen.

Schlagworte zum Thema:  Genossenschaft

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