17.12.2012 | Top-Thema 14. Brandenburger-Hof-Gespräch

„Genossenschaften bieten ein optimales Verhältnis zwischen Wohnsicherheit und Flexibilität“

Kapitel
Maren Kern, Vorstandsmitglied Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V. (BBU)
Bild: (C)2012 {Torsten George}, all rights reserved

Statement Maren Kern, Vorstandsmitglied Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V. (BBU)

Unser Thema heute heißt Tradition und Zukunft. Mit Blick auf die Genossenschaften würde ich sagen: Zukunft aus Tradition. Um die Zukunft zu sichern, muss die Tradition aber fortentwickelt werden.

Genossenschaften sind ein absolutes Erfolgsmodell, und das seit über 150 Jahren. Sie zeichnen sich durch wirtschaftliche Solidität und eine sehr niedrige Insolvenzquote aus, wozu natürlich auch die strenge Prüfung beiträgt. Darüber hinaus kennzeichnet Genossenschaften aber auch etwas, was man eingebauten Wohlfühlfaktor und eingebauten Mitmachfaktor nennen könnte. Denn warum sind Genossenschaften so erfolgreich? Verschiedene Faktoren tragen dazu bei: Einheit von Eigentümer und Bewohner, Transparenz, Mitbestimmung, frühzeitiges Aufgreifen von Trends und enge, je nach Größe der Genossenschaft fast familiäre Bindung. Deshalb sind sie so stark, bieten sie einen dritten Weg zwischen Wohneigentum und Miete. Genossenschaften bieten ein optimales Verhältnis zwischen Wohnsicherheit und Flexibilität.

Das führt alles dazu, dass sich Menschen in Genossenschaften wohl fühlen. Diese Stärken zeigen sich auch in den neuen Bundesländern. Im Umbruch nach der Wiedervereinigung haben die ostdeutschen Wohnungsgenossenschaften sehr viel geleistet und zahlreiche Aufgaben gestemmt – auch mit Unterstützung von Genossenschaften aus dem Westteil der Stadt und den alten Bundesländern. Aus der Zeit stammen die sehr freundschaftlichen Beziehungen zwischen vielen Genossenschaften in West und Ost.

Und heute werden 90 % der Neubauinvestitionen unserer Mitgliedsunternehmen in Berlin durch die Wohnungsgenossenschaften getätigt. Unsere Genossenschaften in Berlin-Brandenburg sind am Markt auch ausgesprochen erfolgreich: Der Leerstand und die Fluktuation sind unterdurchschnittlich, der Modernisierungsstand ist überdurchschnittlich und die Mieten sind besonders günstig. Sie bauen hier etwas auf, das an die nächste Generation weitergegeben werden kann. Fünf der zehn größten Wohnungsgenossenschaften Deutschlands haben ihren Sitz in den ostdeutschen Bundesländern, davon zwei in Berlin-Brandenburg. Insgesamt haben die Genossenschaften mit etwa zwölf Prozent hier auch einen hohen Anteil am Mietwohnungsbestand.

Genossenschaften sind eine besonders zukunftsfähige Wohnform, die auf viele Herausforderungen unserer Zeit Antworten hat. Demografischer Wandel, die energetische Frage, neue Formen des Zusammenlebens: Immer geht es um Gemeinschaft, und Genossenschaften bieten hierfür einen institutionalisierten Rahmen.

Es gilt, diese Stärken und Besonderheiten der Genossenschaften als Grundlage für die Fortschreibung ihrer Erfolgsgeschichte zu nutzen und sie so immer wieder zu erneuern. Das geht dann, wenn man in den Formen der Gemeinschaft mit der Zeit geht: Das heißt für mich, sich auch in der Kommunikation zu erneuern und die vielen neuen Möglichkeiten aktiv zu nutzen, die sich gerade auf diesem Gebiet ergeben. Social Media bietet viele Ansatzpunkte, um den genossenschaftlichen Gemeinschaftsgedanken beispielsweise auch für Jugendliche attraktiv zu machen. Hier sind einige Genossenschaften schon sehr fortschrittlich – sie könnten hierbei eine wichtige Vorbildfunktion übernehmen.

Schlagworte zum Thema:  Genossenschaft

Aktuell

Meistgelesen