Zu wenig Neubau: Baugenehmigungen für Wohnungen rückläufig

In den ersten vier Monaten 2019 wurden weniger Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Grünes Licht gaben die Behörden für den Neubau von rund 105.800 Wohnungen. Das ist zu wenig. Die Gründe dafür sind vielfältig,

Insgesamt gingen die Baugenehmigungen in Deutschland den Statistikern zufolge von Januar bis April um 1,3 Prozent zurück im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich ist mit 5,2 Prozent die Zahl der Genehmigungen für Zweifamilienhäuser gesunken (6.546 Bauvorhaben), bei Mehrfamilienhäusern waren es 0,5 Prozent (53.388 Bauvorhaben).

"Die Zahlen sprechen einmal mehr eine deutliche Sprache: Die Baupolitik in Deutschland ist größtenteils eingeschlafen", Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss

Mattner ist der Ansicht, dass politische Instrumente wie Mietpreisdeckel und Modernisierungsstopp noch weitere Tribute fordern werden.

Der ZIA-Chef sieht die Lösung in einem Stopp der Grunderwerbsteuer-Ralley, der Einführung der digitalen Bauakte und der Erhöhung der linearen AfA, wie sie der Verband immer wieder vorgeschlagen habe, unter anderem im Positionspapier "28 Vorschläge des ZIA zur Beschleunigung bei Stadtentwicklung, Planung und Bau".

"Bis das alles zieht, hilft nur ein besseres Wohngeld statt Regulierung", ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner

Um die große Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen zu decken, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft in Deutschland jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen entstehen.

Gestiegen ist nur die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser

Im vergangenen Jahr wurde der Neubau von knapp 302.800 Wohnungen in reinen Wohngebäuden genehmigt. Inklusive Nichtwohngebäuden gab es im Jahr 2018 gut 347.000 Genehmigungen. Gebremst wird Neubau auch dadurch, dass Bauflächen in Ballungsräumen knapp sind und die Preise deutlich angezogen haben.

Gestiegen ist nur die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser mit plus 2,2 Prozent auf 29.013 Bauvorhaben. In den neu zu bauenden Wohngebäuden ging die Zahl der Baugenehmigungen aber insgesamt um rund 1,4 Prozent zurück: Genehmigt wurden von Januar bis April 92.000 Wohnungen, 1.300 weniger als in den ersten vier Monaten 2018.

IVD: Leerstandspotenzial im ländlichen Raum nutzen

Die enttäuschende Entwicklung der Baugenehmigungszahlen mache deutlich, dass man sich bei der Lösung der Wohnungskrise nicht nur auf den Wohnungsneubau verlassen könne, ergänzte Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD. Parallel dazu sollte man den bereits vorhandenen Wohnraum besser nutzen. Denn Wohnraummangel sei ein Problem der Großstädte und Metropolen.

"Es gibt derzeit außerhalb der Wachstumsregionen laut Hochrechnungen mehr als 300.000 marktaktive Leerstände mit steigender Tendenz", IVD-Präsident Jürgen Michael Schick

Die Lösung muss Schick zufolge darin gesucht werden, die Infrastruktur und die Lebensbedingungen in den ländlichen Regionen und Klein- und Mittelstädten attraktiver zu machen, um den Wegzug in die Ballungsräume zu drosseln und Druck von den angespannten Wohnungsmärkten zu nehmen.

Engpass auch bei Sozialwohnungen

Auch die Zahl der Sozialwohnungen ist zuletzt deutlich gesunken: So gab es zum Jahresende 2017 knapp 49.000 weniger Sozialwohnungen als noch ein Jahr zuvor, wie das Bundesinnenministerium an den Bundestag meldete. Und im vergangenen Jahr wurden bundesweit nur 27.040 geförderte Sozialwohnungen neu gebaut.

Ein Grund dafür ist, dass Wohnungen nach einer bestimmten Zeit aus der staatlichen Sozialbindung heraus fallen und dann "normal" am Markt vermietet werden können. Werden nicht im gleichen Umfang neue Sozialwohnungen gebaut, sinkt die Zahl.

"Die Lage beim sozialen Wohnungsbau ist dramatisch. [...] Die soziale Zwischennutzung auf Kosten der Mieter und zum Wohl von Investoren muss ein Ende haben", Chris Kühn, Wohnungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag

Laut Kühn will die Bundesregierung die Mittel für Sozialwohnungen im kommenden Jahr um ein Drittel kürzen. Er fordert deshalb einen Kurswechsel nach dem Motto "ein Mal gefördert, für immer gebunden".


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Schlagworte zum Thema:  Baugenehmigung, Neubau, Wohnungsbau