ZIA-Umfrage: Wohnungsbau nur mit Investoren

55,9 Prozent der Deutschen vertrauen auf Investoren, wenn es um die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum geht. Das der Staat schneller und effizienter bauen kann, meinen 54,7 Prozent, wie eine ZIA-Umfrage zeigt, die zum Tag der Immobilienwirtschaft am 27. Juni in Berlin vorgestellt wurde.

Das Instrument der Enteignung wird in der Civey-Umfrage im Auftrag des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss anlässlich des Tages der Immobilienwirtschaft 2019 von mehr als zwei Drittel der Deutschen abgelehnt. Fast jeder zweite Befragte ist zudem der Ansicht, dass ein Mietendeckel eher schädlich als nützlich ist, mit der Begründung, dass eine solche Maßnahme zu weniger Investitionen in den Wohnungsneubau führen wird.

"Damit stellt sich ein Großteil der Bevölkerung gegen die teils investorenfeindliche Politik, die durch Ideen wie den Mietendeckel oder die Enteignungsdebatte angefeuert werden." ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner

Die öffentliche Hand könne die aktuell angespannten Märkte nicht allein lösen, betonte Mattner. Private Investoren spielen laut ZIA-Präsident und offenbar auch einem Gros der Bevölkerung zufolge für die Stadtentwicklung eine entscheidende Rolle und sind demnach ein wichtiges Fundament für die Stadt der Zukunft.

PK ZIA zum TDI 2019 - Staat effizienter bauen
Ohne die privaten Wohnungsunternehmen geht es offenbar nicht

Darüber hinaus glaubt mehr als die Hälfte (54,7 Prozent) der Bundesbürger nicht, dass der Staat effizienter und schneller Wohnungen bauen kann als private Wohnungsunternehmen.

"Es gibt zahlreiche Beispiele, wo öffentliche und private Wohnungsunternehmen partnerschaftlich zusammenarbeiten und gemeinsam erfolgreich Projekte in vielen Standorten Deutschlands entwickeln." ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner

Nach Auffassung von Mattner muss es um die Frage gehen: "Wie können wir gemeinsam – Privatwirtschaft und öffentliche Hand – schneller und kostengünstiger bauen?" Er fordert unterschiedliche Maßnahmen für eine Bauoffensive, dazu müssten auch die Erhöhung der linearen AfA und die Senkung der Grunderwerbsteuer gehören. Die Einführung einer digitalen Bauakte, die Vereinfachung des Baurechts durch die Einführung einer Muster-Hochhausrichtlinie nach dem Vorbild Österreichs oder die einheitliche Bundesbauordnung seien weitere Beispiele.

PK ZIA zum TDI 2019 - Mietendeckel
Mietendeckel und Enteignung sehen die meisten der Befragten als Bremse für mehr Wohnungsbau

Mietendeckel und Enteignung

Dass ein Mietendeckel nichts gegen zu wenig bezahlbaren Wohnraum wird ausrichten können, gaben 45,7 Prozent der Befragten an. Sie befürchten, dass dieses Instrument Investitionen in den Wohnungsneubau einschränken könnte.

"Der Mietendeckel ist ein Beleg für Politikversagen in Berlin und schadet letztlich den jetzigen Mietern und zukünftigen Bewohnern einer Stadt am meisten." ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner

Nicht nur der Neubau, auch dringend erforderliche Modernisierungen würden verhindert. Auch verstoße ein Mietendeckel gegen die Berufsfreiheit gewerblicher Vermieter und gegen die grundgesetzlich gewährleistete Vertragsfreiheit beider Mietvertragsparteien. Der Berliner Deckel mit einer Absenkung der Miete führt dem ZIA zufolge automatisch zur Entschädigung. Das Instrument der Enteignung lehnen 63 Prozent der Deutschen ab.

Klimaschutzpolitik und Maßnahmen der Bundesregierung

Der ZIA fordert außerdem, dass die Themen zur Erreichung der Klimaschutzziele wieder auf die politische Tagesordnung kommen.

"Nach der Absetzung der Gebäudekommission, der Verschiebung der CO2-Bepreisung und des vorgelegten Klimaschutzgesetzes müssen wir feststellen, die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung reichen nicht." ZIA-Vizepräsident Thomas Zinnöcker, Vorsitzender der ZIA Task Force Energie

Es fehle vor allem an der ganzheitlichen Betrachtung der Immobilienbranche. Eine Konzentration auf Wärmeschutz im Neubau greife zu kurz, so Zinnöcker weiter.

Wichtig sei etwa das Verbraucherverhalten für den effizienten Umgang mit Energie. Mit mehr als 60 Prozent ist die Mehrheit der Umfrageteilnehmer überzeugt davon, dass Energiesparen zu Hause ein starker Hebel sein könnte, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Aber nur 47,2 Prozent kontrollieren regelmäßige ihre Heizung, um Energiekosten zu sparen.

"Das Einsparpotenzial im Gebäude ist enorm. Digitalisierung kann ganz erheblich zur Erreichung der Klimaziele beitragen." ZIA-Vizepräsident Thomas Zinnöcker, Vorsitzender der ZIA Task Force Energie

"Höhere Abgaben für Schadstoffemissionen" befürworten 31,8 Prozent der Befragten, "steuerliche Vorteile bei geringen Emissionen" 25,2 Prozent. Klimaschutzaktivitäten müssten konsequent auf die Größe CO2 ausgerichtet werden, so Zinnöcker, gleichzeitig müsse aber ein mögliches CO2-Bepreisungsmodell die besonderen Rahmenbedingungen im Gebäudesektor berücksichtigen – vor allem das Investor-Nutzer-Dilemma, die langfristigen Investitionszyklen und den sozialen Ausgleich. Auch ein kostenloser Heizungscheck oder eine Informationsoffensive zu den digitalen Möglichkeiten zur Energieeinsparung könnten helfen, die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen.


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