05.10.2015 | Top-Thema Wirtschaftsförderer: Die Unternehmens-Kümmerer

Die Unternehmens-Kümmerer

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

Wirtschaftsförderungen stehen hart im Wettbewerb um Arbeitsplätze und Neuansiedlungen. Ihre größten Herausforderungen sind derzeit Internationalisierung und Flächenkompetenz.

Im sich ständig verschärfenden Wettbewerb um Arbeitsplätze und Investitionen steht die kommunale Wirtschaftsförderung vor Herausforderungen wie der Globalisierung, dem Fachkräftemangel oder den regulierenden Vorgaben durch die Europäische Union. Auf hohem Ross sitzend abzuwarten, weil gute Lage, Zuzug und Wirtschaftswachstum locken, kann sich heute keine Kommune mehr leisten. Vielmehr sind hoher praktischer Nutzwert und die Betreuung aus einer Hand durch den Wirtschaftsförderer gefragt.


Je größer, desto internationaler

Der Kunde aus der freien Wirtschaft möchte einen „Kümmerer“ und kein Ämtermarathon bei der Suche nach guten Gewerbeflächen, guter Infrastruktur und Freizeitwert. Das Anforderungsprofil gilt für die kleine Fördergesellschaft mit nur einer Handvoll Mitarbeitern in Klein- und Mittelstädten ebenso wie für große Gesellschaften in angesagten Metropolstädten. Je größer, desto internationaler, je kleiner, desto generalistischer könnte eine Formel lauten. Da es häufig sehr persönliche Angelegenheiten sind, entsteht ein sehr unmittelbares professionelles Verhältnis, das im besten Falle über viele Jahre gepflegt wird. Etliche Generalisten, die zuvor in kleineren Gesellschaften das Metier von der Pike auf gelernt haben, gehören heute etwa zum Ansiedlungsteam der Wirtschaftsförderung WFB Bremen. „Das Vorhalten entsprechender bedarfsgerechter Flächen und Infrastrukturen klappt umso besser, je mehr aus einem Guss und somit äußerst passgenau auf die Wünsche der Ansiedlungswilligen reagiert werden kann“, sagt Andreas Heyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bremer Wirtschaftsförderer. Dafür biete die WFB Bremen im Stadtstaat Bremen mit seinen Besonderheiten laut Heyer ideale Bedingungen. Am 1. Juni 2009 hat die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH ihre Tätigkeit in ihrer jetzigen Form aufgenommen und die bisherigen bremischen Gesellschaften Bremer Investitions-Gesellschaft mbH (BIG), HVG Hanseatische Veranstaltungs-GmbH, Bremen Marketing GmbH und MGH Messe- und Ausstellungsgesellschaft Hansa GmbH unter einem Dach zusammengeführt. Mehr Kundenorientierung und Kostensparen durch Schöpfen von Synergien ist seitdem das Motto.


Banken im Förderverbund

Häufig sind Banken im Förderverbund landeseigener Gesellschaften integriert, im Land Bremen etwa ist das die BAB Bremer Aufbaubank, Finanzdienstleister der beiden Wirtschaftsförderungsgesellschaften BIS in Bremerhaven und WFB in Bremen. 35 direkt geförderten Existenzgründern hat die BAB im vergangenen Jahr geholfen. Geschäftsführer Jörn-Michael Gauss ist angesichts der Niedrigzinsphase mit günstigen Gelegenheiten durchaus zufrieden. 2014 konnten nach BAB-Angaben knapp 13.500 Arbeitsplätze in Bremen und Bremerhaven abgesichert und 300 neue Stellen durch Kredite geschaffen werden. Gefragt ist immer das Schnellboot und nicht der träge Großtanker, zügige Hilfen auf dem Weg zur Neuansiedlung mit vielen Detailfragen, von der Feuerwehr und Brandschutzthemen bis zum Umweltamt. Aufgrund überbordender bürokratischer Hürden in der Vergabe von EU-Fördermitteln sind in den Wirtschaftsförderungen eigene Stellen zur Mittelanforderung geschaffen worden, andererseits würde auch von den Firmenlenkern selbst einiges an Papierformularen abgefordert, die aus Zeitgründen doch öfter mal ausblieben. 

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Schlagworte zum Thema:  Wirtschaftsförderung, Expo Real

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