Gas raus, Pellets rein – lohnt sich das Heizen mit Holz?

Seit Beginn der Gaskrise gibt es einen regelrechten "Run" auf alternative Heizsysteme. Pelletkessel sind heiß begehrt. Sie werden vom Staat gefördert, denn Holzpellets gelten als klimafreundlich. Doch mit dem reißenden Absatz sind auch die Preise für den Brennstoff rasant gestiegen.

Im ersten Halbjahr 2022 sind rund 32.000 Pelletheizungen verkauft worden – zwölf Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2021, wie das Deutsche Pelletinstitut (DEPI) mitteilt. "Auch der Absatz von Pelletkaminöfen liegt deutlich über dem Vorjahr", so Sprecherin Anna Katharina Sievers. Der Preis für die Pellets steige rasant "in noch nie dagewesene Höhen" und liege im August um 194 Prozent über dem Vorjahreswert. Waren Pelletzentralheizungen bislang eher als Ersatz für eine Ölheizung installiert worden, so sei seit dem Krieg in der Ukraine auch die Nachfrage von Gaskunden nach Pelletkaminöfen gestiegen.

Pellets und Kaminholz: Preise fast verdoppelt

Holzöfen und Brennholz sind bundesweit Mangelware geworden. Ofenbauer und Installateure können sich vor Aufträgen besorgter Kunden kaum retten. "Mit Ausbruch des Krieges ist die Nachfrage explodiert", sagte ein Sprecher des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Auslöser sind die sprunghaft gestiegenen Gas- und Heizölpreise und die Sorge, dass die Heizung im Winter kalt bleiben könnte.

Von der allgemeinen Teuerung bei Brennstoffen ist auch Holz nicht verschont geblieben. Das gilt für Kaminholz ebenso wie Holzpellets. Deren Durchschnittspreis hat sich nach DEPI-Daten seit Januar 2021 fast verdoppelt – von 238,05 Euro auf 431,56 Euro pro Tonne im Juni 2022. Die Kosten pro Kilowattstunde sind aber laut Pelletinstitut immer noch erheblich niedriger als für Öl- oder Gasheizungen.

Holzkaminöfen: Im Visier des Umweltbundesamts

Holzeinzelfeuerungen wie zum Beispiel Kaminöfen sind laut Umweltbundesamt eine große Quelle für Feinstaubbelastung. "Sie übersteigen die Emissionen aus Auspuff oder Abrieb im Verkehrssektor", sagte Präsident Dirk Messner im Februar dieses Jahres – er rät dazu, kein Holz mehr zu verheizen.

Nach Angaben des Portals CO2online gab es in Deutschland (Stand Februar 2022) rund elf Millionen Holzöfen und zirka 800.000 Heizkessel für feste Brennstoffe, die pro Jahr rund 20 Kilotonnen Feinstaub emittieren. Dabei entstehe bei der Verbrennung von Holz bis zu 2.500-mal mehr Feinstaub als bei einer Gasheizung.

"Laut Europäischer Umweltagentur gilt die Luftverschmutzung in den 27 EU-Mitgliedstaaten weiterhin als erhebliche gesundheitliche Belastung, die zu zahlreichen vorzeitigen Todesfällen und Krankheiten führt. Feinstaub stellt dabei die größte Bedrohung dar", erklärte Messner. Die von der Weltgesundheitsorganisation WHO im September 2021 neu vorgeschlagenen Werte würden hierzulande fast alle überschritten.

Die UBA sprach sich laut einem Bericht in der Berliner Tageszeitung "taz" gegen neue Investitionen in Holzheizungen aus: Langfristig sei bei der Holznutzung in privaten Haushalten mindestens eine Halbierung erforderlich, wird Messner zitiert.

Pelletheizung: Im Bestand gefördert

Das Verbrennen von Holz gilt im Prinzip als klimaneutral, weil dabei nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie der Baum im Laufe seines Lebens aufgenommen hat, vorausgesetzt, die Bäume wachsen in entsprechender Zahl nach. Pellets zählen deshalb zu den erneuerbaren Energien.

Im Gegensatz zum Kaminofen oder einem Kaminofen mit Scheitholz als Zusatzheizung werden Pelletkessel vom Staat gefördert. Die Installation in einem Bestandsgebäude bezuschusst das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) seit der Novelle der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) Ende Juli 2022 mit bis zu 12.000 Euro. Bis zu 40 Prozent der Kosten werden laut CO2online übernommen.

Seit Anfang 2022 gilt zudem eine neue Regelung für den Bau von Schornsteinen auf Privathäusern. Wer neu baut oder Schornsteine an bestehenden Gebäuden erneuert, muss einen Kamin ziehen lassen, der den Dachfirst mindestens um 40 Zentimeter überragt. Diese Änderung von Paragraf 19 der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung (1.BImSchV) gilt für alle Heizungskessel und Feuerstätten, die mit festen Brennstoffen – wie Pellets und Scheitholz – betrieben werden.


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