Das Urteil im Prozess um den Bauskandal im Zusammenhang mit dem World Conference Center Bonn (WCCB) ist gefallen. Das Landgericht hat die Schadenersatzklage der Stadt Bonn gegen den Investor Man-Ki Kim abgewiesen. Der Prozess hatte mehr als vier Jahre gedauert.

Nach Auffassung der Richter hätte die Stadtverwaltung vor der Auftragserteilung wissen können, dass der Investor möglicherweise nicht über eine ausreichende Bonität für das erforderliche Eigenkapital von 40 Millionen Euro verfügen würde.

Die Sparkasse hatte vor der Erteilung der Grundsatzzusage für die Finanzierung von der Stadt verlangt, das Kreditausfallrisiko zu übernehmen. Daraus habe die Verwaltung ersehen können, dass die Sparkasse nicht von der finanziellen Leistungsfähigkeit des Investors überzeugt gewesen sei, befand das Gericht.

Ende 2005 hatte der Stadtrat beschlossen, die Firma des Südkoreaners mit dem Großprojekt zu beauftragen. Nach Ansicht des Gerichts steht nicht fest, dass der Beschluss zustande kam, weil der Investor die Ratsmitglieder getäuscht hatte. Der Investor hatte den Eindruck erweckt, dass der Großkonzern Hyundai hinter seiner Firma stehe. Vielmehr lasse sich heute nicht mehr mit Sicherheit nachvollziehen, "wie, wann und wodurch die Vorstellungsbildung bei den Ratsmitgliedern geprägt" war.

Nach der Insolvenz des Investors folgte ein jahrelanger Baustopp, die ursprünglich auf 140 Millionen Euro geschätzten Kosten für den Bau des Kongresszentrums explodierten. Die von der Stadt Bonn als Generalplaner für die Fertigstellung des World CC Bonn beauftragte Arbeitsgemeinschaft Heinle Wischer Gesellschaft für Generalplanung und die Inros Lackner mussten für die Realisierung des Konferenzzentrums neue Planungsunterlagen erstellen. Erst 2015 wurde das WCCB schließlich eröffnet.

Den Investor verurteilte das Bonner Landgericht 2013 wegen Betrugs zu einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren. Gegen zwei Projektleiter der Stadt wurde das Verfahren 2015 eingestellt.

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