Wohnturm Skytower – eine Entwicklung von Buwog in Wien: Der österreichische Wohnungskonzern soll bald zu Vonovia gehören Bild: Buwog

Vonovia will den österreichischen Rivalen Buwog übernehmen. Die Unternehmen hätten eine Grundsatzvereinbarung über einen Zusammenschluss unterzeichnet, teilte der MDax-Konzern in Bochum mit. Das Österreich-Geschäft soll von einer Buwog-Organisation innerhalb des Vonovia-Konzerns und das Development-Geschäft als eigenständiger Bereich geführt werden. Vonovia-Chef Rolf Buch stellte im Zuge des Deals den Bau von mehr neuen Wohnungen in Aussicht.

Vonovia soll den Buwog-Eignern 29,05 Euro je Aktie in bar angeboten haben. Das wäre ein Aufschlag von 18,1 Prozent auf den Schlusskurs an der Wiener Börse vom Freitag. Die geplante Offerte bewertet Buwog mit rund 5,2 Milliarden Euro. Das offizielle Angebot will Vonovia im Februar 2018 vorlegen.

Vorstand und Aufsichtsrat der Buwog unterstützen das Übernahmeangebot. Der Vonovia würden 50 Prozent plus eine Aktie reichen. Von den Kartellbehörden erwartet Buch keine Einwände, so dass die Übernahme Mitte März 2018 komplett gemacht werden könnte. Vonovia wolle die Übernahme mit Fremdkapital wie Anleihen finanzieren. Eine Kapitalerhöhung sei nicht notwendig, sagte Buch.

Analysten reagieren unterschiedlich

Analyst Kai Klose von der Berenberg Bank meint, dass sich mit dem Deal die Lücke zwischen Vonovia und ähnlich großen Wettbewerbern noch vergrößern könnte. Der Experte Thomas Rothäusler vom Analysehaus Jefferies wiederum hätte in der Finanzierung einen höheren Eigenkapitalanteil bevorzugt. Und Baader-Analystin Christine Reitsamer hält das Angebot lediglich für „vernünftig“. Morgan Stanley sieht die Übernahme positiv, weil das Wohnungsbaugeschäft davon profitieren könnte.

Die Aktien der Buwog AG waren am Montag kurzzeitig vom Handel ausgesetzt worden. In Wien schlossen die Papiere um 17,09 Prozent höher bei 28,81 Euro. Parallel stiegen die Vonovia-Aktien (Xetra-Handel) um 1,28 Prozent auf 41,88 Euro.

„Mit dem Zusammenschluss wäre Österreich ein nachhaltiger Teil unseres Wohnungsportfolios", so Buch weiter. Zudem werde das Geschäftsmodell mit dem Development-Geschäft der Buwog verstärkt. Im Sommer hatten die Bochumer bereits angekündigt, mehr in den Neubau investieren zu wollen. Der Zukauf soll einen neuen Schub bei der Immobilienentwicklung auslösen: Statt 2.000 Wohneinheiten pro Jahr werde der Konzern künftig etwa 4.000 neue Wohnungen errichten, sagte Buch jetzt. Er verspricht sich von der Fusion Kostenvorteile in Höhe von rund 30 Millionen Euro pro Jahr.

Buwog-Manager sollen nach Fusion Führungsaufgaben erhalten

Vonovia verwaltet bisher rund 350.000 Wohnungen. Von Buwog würden noch einmal 49.000 Wohneinheiten dazu kommen. Rund die Hälfte der Wohnungen befindet sich in Deutschland, etwa in Berlin und Hamburg. Vonovia hat in diesem Jahr bereits den österreichischen Immobilienkonzern Conwert mit 24.500 Wohnungen übernommen.

Buwog-Chef Daniel Riedl soll nach der Fusion im Vonovia-Vorstand für Österreich und Immobilienentwicklung verantwortlich sein, der Chef des Buwog-Tagesgeschäfts, Herwig Teufelsdorfer, soll weiter den Betrieb in Österreich verantworten und Buwog-Aufsichtsratschef Vitus Eckert soll für den Vonovia-Aufsichtsrat kandidieren. Finanzchef Andreas Segal soll das Unternehmen hingegen im zweiten Halbjahr 2018 verlassen.

Von Wien aus sollen im Falle des Zusammenschlusses künftig die gesamten Immobilien des Konzerns in Österreich verwaltet werden. Der Name Buwog soll dort erhalten bleiben. Derzeit steht Österreichs ehemaliger Finanzminister Karl-Heinz Grasser wegen Untreue- und Korruptionsvorwürfen in Zusammenhang mit der Buwog-Privatisierung von 2006 vor Gericht.

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Schlagworte zum Thema:  Immobilienunternehmen, Übernahme

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