"XXL-Vermieter": Große Wohnungskonzerne weiter auf Einkaufstour

Vonovia ist auf dem Weg, größter Wohnungsvermieter Europas zu werden. Die Fusion mit der "Deutsche Wohnen" ist quasi eingetütet. Auch die Adler Group wächst seit Jahren durch Mega-Wohnungsdeals, muss jetzt aber Schulden abbauen. Davon will Rivale LEG profitieren. Was tut sich am Markt?

Die Adler Group will mehr als 15.000 Wohnungen an den Immobilienkonzern LEG verkaufen, wie beide Unternehmen am 11. Oktober mitteilten. Der Deal basiert laut Adler auf einer Immobilienbewertung in Höhe von knapp 1,5 Milliarden Euro, was über dem zum Halbjahr 2021 ausgewiesenen Buchwert liege. Man wolle nur noch einen Anteil von zehn Prozent an dem Immobilienportfolio halten, hieß es.

Die LEG würde mit dem Deal die Marktposition in Nord- und Nordwestdeutschland weiter ausbauen. Rund 90 Prozent der Adler-Wohneinheiten liegen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen. Das Unternehmen hat zudem gerade ein Paket mit 2.350 Wohnungen von der Kieler Immobilienverwaltung (KIV) erworben.

Die Adler Group selbst hatte jüngst eine mögliche Neuausrichtung bekanntgegeben und den Verkauf von großen Teilen des eigenen Geschäfts in Aussicht gestellt. Mehrere institutionelle Interessenten hätten Angebote für Teile des Mietportfolios des Immobilienkonzerns abgegeben, hieß es.

Vonovia sichert sich Option für Anteilskauf an Adler

Der Adler-Konzern erwartet einen Netto-Mittelzufluss aus diesem Deal von rund 800 Millionen Euro. Damit will das Management den Abbau des milliardenschweren Schuldenbergs beschleunigen. Der Verkauf des Wohnungspakets habe keinen Einfluss auf die kürzlich angehobenen Ziele für das laufende Jahr: Adler erwartet Nettomieterträge von 340 bis 345 Millionen Euro.

Auch Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen Vonovia – kurz vor der Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen – hat angekündigt, einen Einstieg bei Adler prüfen zu wollen. Der Immobilienriese hat sich in einer Vereinbarung mit Adler-Großaktionär Aggregate Holdings das Recht gesichert, einen Anteil von 13,3 Prozent zu kaufen. Vonovia bekam eineinhalb Jahre Zeit zugesagt, um das Immobilienportfolio von Adler zu prüfen und dann zu entscheiden, ob die Wohnungen übernommen werden sollen.

Die Immobilienbranche habe kein Interesse an einer instabilen Adler Group, hatte Vonovia Anfang Oktober mitgeteilt. Zusammen mit involvierten Banken habe man einen Kredit im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich an Aggregate zu marktüblichen Konditionen gewährt. Kreisen zufolge würde der Konzern nur etwas mehr als die Hälfte dessen bezahlen, was er vor knapp einem Jahr bereit gewesen war, für den Adler-Anteil den Tisch zu legen. Damals sei der Luxemburger Immobilieninvestor von rund 28 Euro je Aktie nicht angetan gewesen – nun sind 14 Euro je Aktie im Gespräch.

Die Adler Group ist aus dem Zusammenschluss von Ado Properties, Adler Real Estate und des Berliner Projektentwicklers Consus Real Estate entstanden. Ado Properties hatte 2019 Adler Real Estate übernommen und dann Consus geschluckt. Großaktionär Aggregate war die treibende Kraft hinter der Fusion von Adler und Consus. Das neue Unternehmen wurde dann in Adler Group umbenannt und sitzt in Berlin.

Deutsche Wohnen: Vonovia ist schon Mehrheitsgesellschafterin

Mittlerweile hat Vonovia die Beteiligung am Konkurrenten Deutsche Wohnen weiter ausgebaut. Nach Ende der regulären Annahmefrist des Angebots an die Deutsche-Wohnen-Aktionäre in Höhe von 53 Euro je Aktie, hält die Vonovia nun 60,30 Prozent der Stimmrechte, teilte das Unternehmen mit. Zudem hat Vonovia die Annahmefrist noch einmal bis zum 21. Oktober verlängert. Nummer eins Vonovia ist gerade dabei, im dritten Anlauf die Nummer zwei unter den deutschen Vermietern zu übernehmen.

Zweimal war Vonovia bereits gescheitert, weil nicht genügend Deutsche Wohnen-Aktien angeboten worden sind. Um diesmal Erfolg zu haben, hatte Vonovia-Chef Rolf Buch Bedingungen in dem Übernahmeangebot fallen gelassen, unter anderem die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent der Aktien. Diese Grenze hat Vonovia Ende September erreicht.


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dpa