Virtual Reality ermöglicht Projektentwicklern und Asset Managern virtuelle Rundgänge durch geplante Gebäude und Sanierungsobjekte – lange bevor diese fertiggestellt sind. Die Individualisierung von Kundenwünschen stellt damit kein Problem mehr dar. Enrico Kürtös zu den Anwendungsmöglichkeiten.

Die individuellen Anforderungen von Nutzern nehmen zu. Welche Möglichkeiten bietet Virtual Reality bei der Erfüllung spezifischer Kundenwünsche und welche Grenzen gilt es zu beachten?

Kürtös: Nehmen wir als Beispiel den Kauf von Wohneigentum. Die meisten Menschen können sich in ihrem Leben nur einmal eine Eigentumswohnung leisten. Der ganze Kaufprozess ist für sie entsprechend hochemotional und mit vielen Unsicherheiten verbunden. Nicht nur was die Kosten für bestimmte Flächengrößen und -ausbauten, sondern auch was die Art der Einrichtung angeht. Wenn potenzielle Käufer ihr neues Zuhause schon lange vor dem Bau live am Bildschirm oder auf der Leinwand erleben können, bekommen sie dafür ein ganz anderes Gefühl. Das gilt für Kaufinteressenten im Wohnbereich genauso wie für Mieter im Bürosegment.

In der virtuellen Welt können Projektentwickler oder Makler ihnen beispielsweise verschiedene Ausstattungsideen und Materialien sehr detailgetreu vorführen. Lichteinfall, Wandfarbe, Holzmaserung – all diese Details werden erlebbar. Und die Käufer oder Mieter können über spezielle Nutzeroberflächen wirklich kinderleicht zwischen verschiedenen Materialien oder Raumaufteilungen hin und her wechseln. Es ist das gleiche Prinzip wie bei einem Auto-Konfigurator. Grenzen gibt es dabei so gut wie keine, jedes Detail ist virtuell abbildbar. Entsprechend sind die virtuellen Welten auch an unterschiedlichste Käufergruppen anpassbar. Um eine möglichst hohe Detailtiefe zu generieren, scannen wir selbst kleinste reale Objekte wie Schlüssel oder Bananen ein und programmieren auf dieser Basis digitale Bilder, die sehr realistisch wirken.

Wie sieht das Management von Sonderwünschen im digitalen Zeitalter aus?

Die Vielfalt ist grenzenlos. Theoretisch ist jede Wasserhahnform mit jedem Material kombinierbar. Detailfülle und -tiefe lassen sich in Echtzeit modifizieren. Einer der wichtigsten Aspekte ist zudem, dass die komplette Vermarktung inklusive Sonderwunschmanagement durch die Digitalisierung medienbruchfrei abläuft. Das ist ein ganz entscheidender Faktor, um den Prozess schlanker und effektiver zu gestalten. Davon profitieren der Bauherr und der Projektentwickler, vor allem aber auch der Endkunde.

Immer mehr Menschen treffen Kaufentscheidungen im Internet – und planen dort auch zunehmend. Der Entwickler muss sie genau dort abholen. Über einen Online-Konfigurator können Kaufinteressenten beispielsweise bequem vom Sofa aus Details ihrer künftigen Wohnung virtuell den eigenen Vorstellungen anpassen und sich diese dann über verschiedene Panorama-Ansichten anschauen. Ihre Entscheidung für Nussbaum- oder Eichenparkett können sie dem Entwickler über den Konfigurator dann ganz einfach online übermitteln.

Wie wirken sich Sonderwünsche von Nutzern auf die Drittverwendungsfähigkeit von Gebäuden aus?

Natürlich können Sonderwünsche sehr speziell sein. Einen Projektentwickler kosten sie in der Regel extra Zeit und Geld. Durch den Einsatz eines Online-Konfigurators kann er allerdings schon im Vorfeld selbst bestimmen, welche Wahlmöglichkeiten er Interessenten gibt. So kann er beispielsweise genau festlegen, aus welchen fünf Waschbecken ein möglicher Wohnungskäufer auswählen oder wie viele verschiedene Fußböden dieser testen kann. Dadurch lässt sich ein gewisser Standardisierungsgrad sichern.

 

Zur Person:

Enrico Kürtös ist CEO der Inreal Technologies GmbH, die 2011 in Karlsruhe gegründet wurde. Das Unternehmen entwickelt Virtual-Reality-Komplettlösungen mit virtuell begehbaren und konfigurierbaren Immobilien, die das Management von Sonderwünschen deutlich effizienter gestalten.

Auf der Expo Real stellt das Unternehmen seine Produkte in Halle C2, Stand 120 vor.

 

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