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US-Wahl: Immobilien-Tycoon Donald Trump wird Präsident und sorgt für Unsicherheit am Markt

Donald Trump steht für Wirtschaftsmacht: Ob seine Politik die Märkte in den USA oder Europa beflügeln wird, beibt abzuwarten
Bild: O. Fischer ⁄

Der Immobilienmogul und Republikaner Donald Trump hat die Präsidentschaftswahl in den USA für sich entschieden. Das werde zumindest kurzfristig für Unsicherheit an den Finanz- und Immobilienmärkten führen, wie Experten sagen. Einige Analysten sehen Parallelen zum britischen Brexit-Referendum im Juni. Gewissheiten und sichere Voraussagen gibt es keine mehr, sagte etwa Claus Thomas, Deutschlandchef von LaSalle.

In den Vereinigten Staaten von Amerika beginne ab Januar 2017 eine neue Zeitrechnung, kommentiert Thomas die US-Wahl. Mit welchen Konsequenzen, das bleibe abzuwarten. "Frühestens nach den berühmten ersten hundert Tagen des neuen Präsidenten werden wir wissen, wohin die Reise wirklich geht", so Thomas – politisch und wirtschaftlich.

Die Folgen für die globale Wirtschaft könnten dieses Mal schlimmer sein, befürchten einige Volkswirte.

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sagte etwa Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Er denkt, dass für die Märkte Trumps Sieg ein weit größeres Problem als der Brexit berge. Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank, geht davon aus, dass mittelfristig die Wachstumsdynamik an den Märkten nachlassen wird. Bleibe Trump bei seiner harten außenwirtschaftlichen Linie, verspreche dies nichts Gutes, ergänzte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank.

Auch auf der Immobilienmesse Mipim im März dieses Jahres in Cannes waren mögliche Folgen eines Wahlsiegs von Trump bereits auf der Agenda. Die Anleger an Europas Börsen haben den ersten Schock über den Wahlausgang in den USA inzwischen jedenfalls erst einmal weggesteckt: Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50, war zwar zunächst um rund drei Prozent abgesackt, hatte sich jedoch im Laufe des Vormittags wieder erholt und gab zuletzt nur noch um 1,09 Prozent auf 2990,33 Punkte nach. Auch der deutsche Aktienindex Dax war unter dem Schock nach Handelsstart um knapp drei Prozent eingebrochen.

Auswirkungen des Trump-Siegs am amerikanischen Immobilienmarkt

Der Sieg von Trump sorgt natürlich vor allem für Unsicherheit am amerikanischen Markt, doch Michael Gately, Head of Real Estate Research bei Barings Real Estate Advisers, glaubt nicht, dass das solide Fundament und die Transparenz am Immobilienmarkt diesen für gravierende Einbrüche anfällig machen. Ob asiatische Investoren wie bis dato die USA bevorzugen werden? Kurzfristig könnten Investoren Übersee meiden, glaubt Gately, langfristig käme es darauf an, wie viel von Trumps Agenda tatsächlich umgesetzt werde.

Auch Gately sieht sich einem Szenario gegenüber, das der Brexit-Abstimmung von Juni ähnelt. "Wenn der erste Schock nachlässt, wird man weitersehen", sagt er. Die Aareal Bank gab kürzlich noch bekannt, das Neugeschäft in den USA weiter ausbauen zu wollen, da der deutsche Markt zu riskant sei.

Finanzberater Frommholz sieht langfristig Wachstumschancen

Vieles, was Trump im Wahlkampf gesagt hat, werde so nicht kommen, ist sich Frank Frommholz, Finanzberater und Initiator des unabhängigen Expertennetzwerks Finanzkun.de, sicher, aber

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Diese Veränderungen könnten zunächst negativ ausfallen – letztendlich sieht Frommholz aber durch "die hohe Anpassungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft" eine große Chance. Kurzfristige, durch Emotionen gebildete Marktentwicklungen seien für eine langfristige Strategie unwichtig.

Auf Europa komme einiges zu, sagt auch Lüder Gerken, Chef des Centrums für Europäische Politik. Trump wolle amerikanische Interessen in der Welt deutlich härter durchsetzen als sein Vorgänger Barack Obama. Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, warnt vor einem Rückschlag hierzulande.

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so Fuest. Deutschland habe ein besonderes Interesse am Freihandel. Tobias Basse, Experte bei der Landesbank NordLB, hält es für möglich, dass der US-Kongress die protektionistischen Ideen Trumps weitgehend blockieren wird.

Dass der wirtschaftliche Dämpfer durch Trump zunächst auf sich warten lassen wird, meinen einige Ökonomen. Auch in dieser Hinsicht könnte ein Brexit-Deja-Vu bevorstehen. Hatten Ökonomen im Vorfeld des Votums vor einem starken Einbruch der britischen Wirtschaft gewarnt, zeigte sich davon bislang nichts. Zwar ist das Pfund auf den schwächsten Stand seit über 30 Jahren eingebrochen, doch die britische Wirtschaft zeigte sich bislang robust. Dennoch hat London seitdem stark an Attraktivität für Immobilieninvestoren verloren.

Was sagt die deutsche Politik zu den Folgen der US-Wahl?

SPD-Chef Sigmar Gabriel nutzte den Wahlausgang offenbar, um Wahlkampf für die Bundestagswahl 2017 zu machen. Er plädierte für einen Kurswechsel: In Deutschland müsse Schluss sein mit Angela Merkels (CDU) Forderung nach einer "marktkonformen Demokratie", so der Vizekanzler. Stattdessen seien steigende Einkommen und "faire Renten für alle"  gefragt.

Schlagworte zum Thema:  USA, Wahl, Politik, Immobilien, Immobilienmarkt, Brexit, Wirtschaft

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