Urteil: Sieben Jahre Haft für Ex-Eventus-Geschäftsführer

Er soll Anleger um Millionen geprellt haben: Nach 43 Prozesstagen wurde der Ex-Chef der Wohnungsbaugenossenschaft Eventus vom Landgericht Stuttgart wegen Betrugs und Untreue zu sieben Jahren Haft verurteilt. Gegen den Wohnungsverband VBW läuft ein aufsichtsrechtliches Verfahren.

Nach Ansicht des Gerichts ist es erwiesen, das der ehemalige Genossenschaftschef über Jahre hinweg Mitglieder in falsch dargestellte oder gar frei erfundene Immobilienprojekte mehrere Millionen Euro einzahlen ließ. Dem heute 35-Jährigen sei klar gewesen, dass dahinter kein funktionierendes Geschäftsmodell gestanden habe, entschied das Stuttgarter Landgericht am Mittwoch (Az. 6 KLs 160 Js 38533/18).

Das Verfahren drehte sich nur um einen Zeitraum von zwei Jahren und eine Summe von fünf Millionen Euro. Hinzu kamen rund 600.000 Euro, die der Angeklagte mit einer erfundenen Anleihe eingesammelt hatte. Insgesamt hat die Stuttgarter Eventus eG seit ihrer Gründung im Jahr 2012 dem Gericht zufolge rund 9,4 Millionen Euro von Anlegern eingesammelt und zu großen Teilen aufgebraucht.

Eventus hatte im Herbst 2017 Insolvenz angemeldet. Nach der Eventus-Pleite gab das Ministerium ein Gutachten in Auftrag.

Richter: "Glasklares Schneeballsystem"

Der Vorsitzende der Wirtschaftsstrafkammer sprach von einem glasklaren Schneeballsystem, das der Angeklagte so lange wie möglich am Leben zu halten versucht habe.

Das Gericht ordnete auch die Einziehung von mehr als 1,2 Millionen Euro vom Angeklagten sowie von einer Eventus-Tochtergesellschaft an. Zudem wurde der ehemalige Eventus-Geschäftsführer dazu verurteilt, diversen Klägern, die ihre Ansprüche in dem Verfahren mit geltend gemacht hatten, insgesamt mehr als zwei Millionen Euro zu zahlen.

"Der Angeklagte ist ein Lügner und Täuscher, wie ihn auch eine Wirtschaftsstrafkammer selten erlebt." Vorsitzender Richter in der Urteilsbegründung

Anstelle einer Genossenschaft sei Eventus eine Ein-Mann-Gesellschaft gewesen, gelenkt vom Angeklagten. Kontrolle oder Aufsicht hätten praktisch nicht stattgefunden. Protokolle von Sitzungen seien gefälscht und Überweisungen verschleiert worden, so das Gericht. Eventus habe weder ein Vermögen aufgebaut noch Gewinne erzielt, mit denen die versprochenen Renditen hätten gezahlt werden können. Die angebliche Genossenschaft sei einzig ein "Selbstbedienungsladen des Angeklagten" gewesen. 

Herbe Kritik am Wohnungs- und Immobilienverband VBW

Das zweifelhafte Geschäftsmodell und die nicht vorhandene interne Kontrolle hätten die Prüfer erkennen müssen, kritisierte das Gericht außerdem die Rolle des Verbandes baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen (VBW), der für die Prüfung der Eventus-Geschäfte zuständig war.

"Die Eventus hätte niemals an den Start gehen dürfen." Vorsitzender Richter in der Urteilsbegründung

Gegen den Verband läuft ein aufsichtsrechtliches Verfahren, das laut Wirtschaftsministerium im April abgeschlossen werden könnte. Ein Gutachten sei bereits zu dem Ergebnis gekommen, dass der VBW seinen Pflichten im Fall Eventus nicht in vollem Umfang nachgekommen sei.

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