Einer der Höhepunkte der jährlichen Leitmesse der internationalen Immobilienwirtschaft vom 14. bis 17. März in Cannes wird die Verleihung der Mipim Awards sein: Nominiert hat die elfköpfige Jury von 214 Bewerbungen aus 46 Ländern jeweils vier Finalisten in elf Kategorien, darunter zwei deutsche Projektentwicklungen, die für globale Qualitätsstandards stehen.

Ob unter den 44 Projekten aus 22 Ländern auch "Investors Lieblinge" zu finden sind, ist eine andere Frage. Zwar wird die Wirtschaftlichkeit bei der Bewertung geprüft, aber in den Kurzbeschreibungen nicht kommuniziert.

Einige Nominierungen wie das "Museum of Tomorrow" in Rio de Janeiro (Brasilien), die Bibliothek "Beyazit Library" in Istanbul (Türkei), das Kraftwerk "Värtan Bioenergy CHP-plant" in Stockholm (Schweden), Krankenhäuser und sogar ein städtischer Park (Városliget in Budapest/Ungrn) dürften dem Immobilienmarkt nicht unmittelbar zur Verfügung stehen. Aber sie könnten das soziale und ökonomische Umfeld verbessern.

Diesen Anspruch sah der diesjährige Vorsitzende der Jury John Forrester, CEO EMEA (Europe, Middle East, Africa) bei Cushman & Wakefield, bei vielen Einreichungen aus allen Weltgegenden von Islamabad bis Sao Paulo verwirklicht.

Zwei deutsche Finalisten

Bewerbungen konnte jeder gegen eine Gebühr von 875 Euro einreichen zuzüglich der verbindlichen Anmeldung als Messebesucher und Vorbereitung von Objektpräsentationen. Wenn ein Projektträger diesen Aufwand betreibt, muss die Hoffnung, unter die letzten vier zu kommen, schon groß sein.

  1. Diese Überzeugung hatte Siemens, wie sich herausstellte, zu Recht angesichts der herausragenden technischen und räumlichen Qualitäten des Neubaus für die Konzernzentrale in München. Siemens ist aber nicht als bestes Bürogebäude nominiert, sondern als „best innovativ green building“. Das sind laut der Ausschreibungskriterien solche, die den Lebenszyklus des Gebäudes positiv beeinflussen. Entworfen vom dänischen Architekturbüro Hennig Larsen setzte der Bauherr hier Maßstäbe in bau- und energietechnischer Hinsicht, aber auch für ein “smart building”, das sich über die Daten aus 30.000 Erhebungspunkten im Gebäude selbst steuert. Zertifikate nach DGNB Platinum und LEED Platinum waren Pflicht. In der Objektbeschreibung zum Award sind nicht erwähnt die Einbindung des historischen Palais Ludwig Ferdinand in den Neubau und die neue öffentliche “Siemens-Passage” von der Innenstadt zum Museumsviertel. Die Verflechtung mit dem Stadtraum und der Respekt vor dem historischen Bestand spielen hier wie bei einer ganzen Reihe anderer Nominierungen selbst außerhalb der Kategorien der “refurbished buildings” und “urban regeneration” eine zunehmend wichtige Rolle.
  2. Das zweite deutsche Projekt unter den Finalisten ist das Wohnquartier „Li01“ (Liebigstraße 1 in Berlin-Friedrichshain) in der Kategorie der Wohngebäude. Auf einer ehemaligen Brachfläche innerhalb bestehender Blockrandbebauung abseits der Frankfurter Allee wurden sechs freistehende Punkthäuser errichtet, die aufgrund geschickt angeordneter Grundrisse nach einem Entwurf von "Zanderrotharchitekten" (Berlin) dennoch genug Licht und Luft um sich haben. Erwähnenswert sind die Vielfalt von flexibel teilbaren Wohnungstypen und eine Bauherrengemeinschaft als Bauträger, kostensparend organisiert über die Berliner Plattform "Smarthoming". Mit sechs bis sieben Geschossen passen sich die Häuser dem Umgebungsniveau an. 

Wohnquartier „Li01“ Liebigstraße 1 in Berlin-Friedrichshain

Ähnliches gilt für die Konkurrenzprojekte in der Kategorie:

  • Im Gegensatz zu Nominierungen früherer Jahre mit alles überragenden Hochhäusern ist selbst „Vertical Itaim Building“ in Sao Paulo mit nur zwölf Etagen fast ein Zwerg.
  • Oder die Wohnblocks von „The Sky above Asnière-sur-Seine“ in Paris mit reflektierenden Keramikfassaden als Beitrag zur Quartierserneuerung zwischen Seine und einem Regionalbahnhof, ausgeführt von Eiffage Immobilier und Coffim SA.
  • Das Projekt „Residence Sacre Coeur 2“ in der Prager Altstadt wurde über dem Strahov Straßentunnel errichtet, auf einem Gelände also, das eigentlich für eine Bebauung gar nicht vorgesehen war.

Neben dem Berliner Projekt sind diese Projektentwicklungen gelungene Beispiele für einfallsreiche Nachverdichtungen, um mehr Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig den Standort aufzuwerten.

Städtebau und Architektur

Städtebauliche Kriterien, die über den Einzelbau hinausweisen, sowie eine Verzahnung von innen und außen für mehr Lebensqualität ziehen sich wie ein roter Faden durch die Nominierungen des Jahres 2017.

Selbst die Doppelnominierung des Biomassewerks „Värtan Bioenergy CHP-plant“ in Stockholm in den Kategorien der besten "Green Buildings" und der besten "Industrie- und Logistikanlagen" steht für die Aspekte des Urbanen. Nicht nur rückt damit Stockholm dem Ziel einen Schritt näher, bis zum Jahr 2040 unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden, sondern es erhielt auch ein neuer Wohnbezirk auf einem altem Industriegelände einen architektonischen Kristallisationspunkt.

In neun Kategorien werden die Preise für bereits realisierte Projekte vergeben, ergänzt durch zwei für „Best Futura Projects“. Außerdem vergibt die britische Zeitschrift Architectural Review jeweils zur Mipim elf „Future Projects Awards“, darin 2017 neu aufgenommen die Sparte „Civic and Community“ für öffentliche Gebäude. Einer der Preisträger des Vorjahres war das Düsseldorfer Büro Eller + Eller für die neue Zentrale der BASF in Ludwigshafen.

Obgleich keine klassischen Architekturpreise, gewinnt Architektur auch bei den Mipim Awards an Bedeutung, weil die architektonische Ausformung für immer anspruchsvollere Projekte wichtiger wird. Die Liste der beteiligten Architekten für das "Skolkovo Innovation Center" in Moskau, nominiert unter den besten urbanen Erneuerungen, liest sich jedenfalls wie ein Who is Who der Szene: von Stefano Boeri aus Italien über Kazuyo Sejima aus Japan bis zur 2016 verstorbenen Zaha Hadid.

Skolkovo Innovation Center

Deutsche Sieger 2015 und 2016

Einziges deutsches Siegerprojekt 2016 war das Düsseldorfer "Papillon" in der Kategorie "Sanierte Gebäude". Im Jahr zuvor wurde in Cannes mit dem Mipim-Award 2015 das Düsseldorfer "Dreischeibenhaus" in der Kategorie "Best Refurbishment" ausgezeichnet.

 

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