Unsere Auswahl: Talentschmieden der Immobilienwirtschaft

In Zeiten von Digitalisierung & Co. hängt die eigene Beschäftigungsfähigkeit mittlerweile stark davon ab, wie man sich auf die neuen Anforderungen einstellt. (Weiter-)Bildungsangebote und Finanzierungstipps im Überblick.

In der Immobilienbranche scheint es – anders als in vielen anderen Wirtschaftszweigen – nicht unüblich, nach dem Bachelor oder nach einer Ausbildung erstmal ein paar Jahre Berufserfahrung zu tanken. Und erst dann in die nächste Weiterbildungsrunde zu starten, zum Beispiel mit einem Master, im Idealfall unterstützt vom Arbeitgeber.

Die aktuellen Bildungsangebote tragen dieser flexiblen Laufbahngestaltung Rechnung. Weiterbildungswillige können bei Studium und Fortbildung unter zahlreichen Formaten wählen: Voll- oder Teilzeit, Fernstudium, Präsenzveranstaltung oder eine Mischung aus beidem. Mittlerweile ist im akademischen Bereich vieles möglich, auch für Berufstätige, stellt etwa Prof. Dr. Armin Just, Prorektor für Studium und Lehre am Europäischen Bildungszentrum der Wohnungswirtschaft und Immobilienwirtschaft (EBZ), fest: „Unsere Masterprogramme sind berufsbegleitend konzipiert und akkreditiert. Das heißt unsere Studierenden sind in der Regel berufstätig und viele bringen – auch wenn es keine Zulassungsvoraussetzung ist – entsprechende Berufserfahrung nach dem Bachelor mit.“ Viele Studienangebote der anderen großen Immobilienschmieden wie der ADI, der EBS, der IREBS und der ISM sind ebenso angelegt, dass sie sich parallel zum Job stemmen lassen. Entsprechende Lerndisziplin mal vorausgesetzt.

Die Arbeitswelt verändert sich so rasend schnell, dass niemand mehr ohne ständiges Lernen auskommen wird

Wie wichtig es mittlerweile für Arbeitnehmer ist, in Sachen Weiterbildung auch wirklich am Ball zu bleiben, streicht die Organisations- und Personalberatung Korn Ferry aktuell in ihrer „Top Talent Trends“-Analyse nochmal heraus: „Wer…nicht bereit ist, zu lernen und sich zu entwickeln, der wird spätestens ab 2020 Probleme in Deutschland bekommen“ heißt es dort. Tatsächlich sei das Thema Lebenslanges Lernen endlich ein Stück vorangekommen, erklärt Klaus Leuchtmann, Vorstandsvorsitzender des EBZ: „Die hohe Veränderungsgeschwindigkeit in der Immobilienwirtschaft sorgt dafür. Wer heute nicht ständig dazulernt, wird viel schneller abgehängt als in der Vergangenheit. Und das Tempo wird noch weiter zunehmen.“

Befragt nach den aktuell gefragtesten (Soft)Skills auf der Weiterbildungsagenda sieht Leuchtmann Know-how im Bereich Projektmanagement ganz vorne, gefolgt von Datenkompetenz: „Der Umgang mit Daten, das Wissen um die Möglichkeiten von Daten, spielt im Unternehmensalltag eine immer größere Rolle. Dazu gehören auch Datenschutz und Datensicherheit. Die Fähigkeit und Bereitschaft, sich schnell und strukturiert in völlig neue Themengebiete einzuarbeiten, wird immer wichtiger.“

Ein weiteres brandaktuelles Bildungsthema: Führung. „Die Gesellschaft hat sich verändert, die Organisationsstrukturen haben sich verändert, die Komplexität und die Veränderungsgeschwindigkeit haben zugenommen“, erklärt EBZ-Vorstand Leuchtmann. „Da funktionieren alte Führungskonzepte einer traditionellen Linienorganisation nicht mehr.“

Selbstverständlich fehlen auch die zurzeit allgegenwärtigen Themen Digitalisierung und Transformation der Branche in den aktuellen Immobilienweiterbildungen nicht – sei es als ein Aspekt in einem übergreifenden Masterstudium oder als spezielles Angebot, wie zum Beispiel im Intensivstudium „Digital Real Estate Management“ der IREBS. Für den Herbst hat die TH Aschaffenburg einen entsprechenden Bachelorstudiengang „Digitales Immobilienmanagement“ angekündigt. – Bis zum 1. März können sich lehraffine Immobilienpraktiker noch auf die entsprechende W2-Professur bewerben.


Eine tabellarische Übersicht zu Aus- und Weiterbildung in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft finden Sie hier zum Download.


Finanzspritzen für die Weiterbildung:

Wenn sich der Arbeitgeber beteiligen will, kann er …

> die Kosten der Schulung ganz oder teilweise übernehmen und/oder den Mitarbeiter dafür freistellen. Die Leistungen sind steuerfrei, seit Jahresbeginn sogar dann, wenn die Fortbildung nicht direkt arbeitsplatzbezogen ist, sondern nur der Beschäftigungsfähigkeit des Arbeitnehmers dient, etwa Sprach- oder Computerkurse. Um Vorsteuer abziehen zu können, muss die Rechnung auf das Unternehmen laufen. Auch für den Arbeitnehmer bleibt der Zuschuss in der Regel steuer- und abgabenfrei.

> im Tausch gegen Kostenübernahme und Freistellung Bleibevereinbarungen und Rückzahlungsklauseln abschließen. Aber verhältnismäßig müssen sie sein. Durch die Rechtsprechung hat sich grob als Richtschnur durchgesetzt: Ein Monat Weiterbildung (in Summe der freigestellten Lernstunden) – bis sechs Monate Bindung, zwei Monate Weiterbildung – bis zwölf Monate Bindung, bis sechs Monate Weiterbildung – bis zwei Jahre Bindung, bis zwölf Monate Weiterbildung – bis drei Jahre Bindung.

> Fördermittel nach dem Qualifizierungschancengesetz beantragen. Zuschüsse auf die Fortbildungskosten (je nach Unternehmensgröße 15 bis 100 Prozent) sowie die Entgeltfortzahlung (25 bis 75 Prozent). Infos: www.bmas.de (> Service > Gesetze))


Wenn der Mitarbeiter selbst zahlt, kann er …

> die Kosten der Weiterbildung, Unterbringung, Lernmittel, Fahrtkosten etc. als Sonderausgaben (bei Erststudium/-ausbildung, begrenzt auf 6.000 Euro/Jahr) oder Werbungskosten (bei Zweitstudium/-ausbildung, in unbegrenzter Höhe, Verlustvorträge für Folgejahre möglich) von der Steuer absetzen. Tipp: Zu erwartende Ausgaben vorab auf der Steuerkarte eintragen lassen. Spart monatliche Abzüge.

> als Selbstständiger die Kosten voll aus Betriebsausgaben absetzen und auch Vorsteuer geltend machen.

> sich um Stipendien bewerben. Öffentliche wie private Stiftungen vergeben Gelder zwar oft an (jüngere) Studenten und seltener an Berufserfahrene/Berufstätige. Datenbanken führen aber auch Stipendien für sehr spezielle Zielgruppen, so dass die Suche lohnen kann. Infos: www.stipendienlotse.de, www.mystipendium.de

> (elternunabhängiges) BAföG oder Aufstiegs-BAföG beantragen. Infos: www.bafög.de, www.aufstiegs-bafoeg.de

> sich bei der „Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung“ (SBB) um ein Aufstiegs- oder ein Weiterbildungsstipendium des Bundesbildungsministeriums bewerben. Infos: www.sbb-stipendien.de


Das könnte Sie auch interessieren:

E-Learning war erst der Anfang

Kontinuierliches Lernen löst klassische Trainings ab

Schlagworte zum Thema:  Fachkräftemangel, Weiterbildung, Studium, Ausbildung