31.01.2012 | Unternehmen

UGL-DTZ: „Ein Schritt in Richtung Weltmarktführerschaft“

Für den australischen FM-Anbieter UGL kam der Verkauf von DTZ wie gerufen: Durch die Übernahme des britischen Maklerunternehmens soll die Expansion in Europa und in Asien vorangetrieben werden. Die Furcht vor dem „neuen Riesen“ hält sich bisher in Grenzen.

Zum Jahresende war für die Mitarbeiter von DTZ die Zitterpartie zu Ende: Anfang Dezember zeichnete sich ab, dass das renommierte britische Immobilienmakler- und Beratungsunternehmen von der australischen UGL-Gruppe übernommen würde; inzwischen ist der Deal perfekt. Zuvor hatte DTZ Insolvenz anmelden müssen.

Die Aktien der DTZ Holdings plc. wurden vom Börsenhandel ausgesetzt; anschließend verkaufte Insolvenzverwalter Ernst & Young die operativen Einheiten des DTZ-Konzerns an die UGL-Tochter United Group Europe. Durch diese Lösung – britische Medien sprechen von einem „prepack administration deal“ – gelang es, das laufende Geschäft und die Arbeitsplätze des finanziell stark angeschlagenen Unternehmens zu retten. Die Aktionäre dagegen gingen leer aus.

DTZ: „Meilenstein in der Immobilienindustrie“

Wie UGL mitteilen ließ, soll die Übernahme von DTZ die Expansion in Europa und in Asien voranbringen. Nicht zuletzt sei der DTZ-Deal ein „weiterer Schritt in Richtung Weltmarktführerschaft bei internationalen Immobiliendienstleistungen“. Der bisher vor allem auf Facility- und Property-Management fokussierte Konzern will mit dem Service von DTZ sein Dienstleistungsangebot verbreitern.

Bei DTZ betrachtet man die Transaktion als „Meilenstein in der Immobilienindustrie“. Im Verbund seien DTZ und UGL nun eines der weltweit größten Immobiliendienstleistungsunternehmen, heißt es unter Verweis auf die 27.000 Festangestellten und inklusive Vertragspartner 43.000 Mitarbeiter in insgesamt 240 Büros in 45 Ländern. DTZ stelle eine hervorragende Ergänzung des Dienstleistungsangebots von UGL dar: „Die Verbindung von UGL Services und DTZ wird es uns ermöglichen, (...) umfassende Beratungs-und Dienstleistungen in allen wichtigen Regionen wie etwa dem UK, Europa, Naher Osten, dem asiatisch-pazifischen Raum und auf dem amerikanischen Kontinent anzubieten.“

Marktbeobachter: Weg frei zu DTZ-Großkunden

Als weiteres Motiv der Australier für die Übernahme von DTZ vermuteten Marktbeobachter die sich dadurch öffnenden Türen zu den Großkunden des Maklerunternehmens in Märkten, auf denen UGL bislang noch nicht oder nur gering vertreten sei. Nicht zu unrecht, wie die Nachfrage bei DTZ in London ergab.

Den Zuschlag für die Australier, obwohl das chinesische Unternehmen Tianjin Innovative Financial Investment Company (TIFI) ein deutlich höheres Gebot für DTZ abgegeben hatte (s.u.), erklärt das Management wie folgt: „Der Vorstand von DTZ hat sich nach sorgfältiger Prüfung aller vorliegenden strategischer Optionen für das UGL-Angebot entschieden, um den Fortbestand aller Geschäftsfelder und Sicherheit für die Mitarbeiter zu gewährleisten."

DTZ: Wettbewerber werden Stärke zu spüren bekommen

Darüber hinaus sieht man aufgrund der starken FM-Sparte von UGL Synergien für die weltweit operierenden DTZ-Kunden und das Property Management-Geschäft des Unternehmens. Das Geschäft von DTZ und von UGL Services ergänzten sich sehr gut; es gebe nur wenige Überschneidungen im Hinblick auf geographische Präsenz oder auf die angebotenen Dienstleistungen. „Die Stärke der vereinten Unternehmen werden die weltweiten Wettbewerber zu spüren bekommen“, gibt man sich bei DTZ sicher.

Medien aus dem UK, dem Heimatmarkt von DTZ, kommentierten die Nachricht über die Rettung von DTZ weit weniger überschwänglich. Von einem „inglorious day“ war dort am Tag der Übernahme zu lesen, einem wenig ruhmreichen Tag für das traditionsreiche Unternehmen, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1784 in Birmingham zurückreichen, das sich im Jahr 1987 als erstes Maklerunternehmen an der Londoner Börse listen ließ und das anschließend als First Mover der Branche nach China ging.

Konkurrenz hält sich mit Stellungnahmen zurück

Von der Konkurrenz am Markt möchte dagegen offiziell kaum jemand zu der Übernahme Stellung nehmen. Unisono verweisen die meisten Immobilienberater oder Facility- oder Property Management-Anbieter auf die „Politik unseres Hauses, uns nicht zu Wettbewerbern zu äußern“. Hinter vorgehaltener Hand fallen die Kommentare indes deutlich aus. „Wir machen uns keine Sorgen“, heißt es bei einem der international führenden Häuser der Immobilienberaterszene (um Spekulationen vorzubeugen: Es handelt sich nicht um Informationen aus deutschen Niederlassungen, A.d.R.).

„Schließlich war das kein Merger of Equals“, betont ein Mitarbeiter einer der grossen internationalen Unternehmensberatungen mit Real Estate-Sparte unter Verweis darauf, dass DTZ ohne die Übernahme durch die Australier pleite gewesen wäre.

Keine Vorteile durch „Superflachrennen“

UGL-DTZ sei jetzt zwar ein „Riese“, allerdings vor allem nach der „Headcount“-Methode, bei der bekanntlich jeder Hausmeister und jede Putzkolonne mitgezählt würde. Für das Kerngeschäft von UGL – das Facility- und Property Management – könne die Übernahme Vorteile bringen: „Schließlich können selbst sehr geringe Margen in der Summe ganz beträchtliche Beträge ausmachen.“

Das eigene Geschäft sieht man bei den grossen internationalen Maklern wenig gefährdet – schließlich handele es sich eher um ein „Seitengeschäft“; noch dazu in einer extrem kompetitiven Sparte: “Weltweit läuft hier ein Superflachrennen – und dass eine Teilnahme daran Wettbewerbsvorteile im klassischen Beratungsgeschäft bringt, hat bislang noch keiner bewiesen.“

Auf der sicheren Seite fühlt man sich bei der Konkurrenz nicht zuletzt aufgrund eines unterstellten Know-how-Verlusts bei DTZ: „Viele erfahrene Manager haben das Haus bereits im vergangenen Jahr verlassen – und nach dem Abgang des CEOs und CFOs war der Konzern zuletzt quasi führungslos.“

FM-Konkurrenz: "Bisher noch kein Kunde abgesprungen"

Auch bei den befragten deutschen oder international tätigen Facility- und Propertymanagement-Anbietern sorgen die „New kids in town“ bislang für wenig Aufregung. „Bisher ist uns noch kein Kunde abgesprungen“, sagt der Chef einer der grösseren in Europa agierenden Anbieter, der sich und sein Haus öffentlich nicht zitiert wissen will. Ob das auch so bleiben wird, ist fraglich; schließlich ist seit der Übernahme noch nicht viel Zeit vergangen.

„Neue Markteintritte erhöhen den bestehenden Wettbewerbsdruck weiter“, räumt Ingo Hartlief ein. Dennoch sieht der Vorsitzende der Geschäftsführung der Corpus Sireo Asset Management GmbH, Heusenstamm, die Lage eher gelassen: „Neue Player – insbesondere ausländische – sorgen auch für frischen Wind im Markt. Von neuen Ideen und Herangehensweisen profitiert die gesamte Branche.“

Zudem hätte der Preiskampf auch positive Seiten, meint Hartlief: „Der Wettbewerbsdruck zwingt die Asset Manager, ihre Strukturen aufzuräumen, in IT zu investieren und ihre Preise anzupassen. Das führt zu einer weiteren Professionalisierung der Dienstleister.“

TIFI-Gebot hätte Aktionären 50 Millionen GBP mehr gebracht

UGL kam bei DTZ für umgerechnet 90 Millionen Euro zum Zuge. Obwohl es einen Bieter gab, dessen Offerte höher lag.

Wie der britische „Telegraph“ berichtet, hat die Tianjin Innovative Financial Investment Company (TIFI) 18 Pence pro DTZ-Aktie geboten. Das staatseigene Unternehmen baue einen riesigen Gewerbepark in der nordchinesischen Stadt Tianjin und benötige Partner, um die geplanten bis zu zehn Millionen Quadratmeter neuer Bürofläche an den internationalen Märkten zu platzieren.

Den DTZ-Aktionären hätte das TIFI-Gebot rund 50 Millionen GBP mehr gebracht; die Gläubiger hätten 40 Millionen mehr bekommen als beim UGL-Deal. Zudem hätte TIFI rund zehn Millionen GBP „Arbeits-Kapital“ und einen Kreditrahmen von 30 Millionen bereitgestellt, um DTZ neu zu positionieren. Ernst & Young zufolge war die TIFI-Offerte „ungedeckt“: Den Deal zu beenden, hätte acht Wochen gedauert, was angesichts der angespannten Lage von DTZ als zu riskant eingeschätzt wurde.

Bitterer Nachgeschmack

Bei TIFI heißt es mit Verweis auf Bankguthaben von 1,4 Milliarden Yuan (144,5 Millionen GBP), es habe genügend Kapital für den zeitnahen Abschluss des Geschäfts gegeben.

Nur sei es aufgrund der Währungskontrollvorschriften nicht möglich gewesen, das Renminbi-Kapital rasch einem ausländischen Konto gutzuschreiben. Angeboten wurde immerhin, die Kaufsumme einer RBS-Tochter in China zu überweisen. Die Ablehnung des Angebots habe in China einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, berichtete der „Telegraph“ – zumal die Regierung derzeit Chinesische Unternehmen dränge, im UK zu investieren.

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