Umstritten, polarisierend, höchstprofessionell. Der Super-Selbst-Vermarkter Rainer Zitelmann hat die PR-Szene in der Immobilienwirtschaft geprägt wie kein anderer. Inzwischen hat er sein Unternehmen verkauft. Dirk Labusch, Chefredakteur der "Immobilienwirtschaft", hat ihn porträtiert. Das Porträt wurde vorab in der Doppelausgabe Dezember 2017/Januar 2018 des Fachmagazins abgedruckt.

Ich habe ihn schon vor 15 Jahren einmal porträtiert. Trotz spannender, oft zitierter Vita – er war unter anderem wissenschaftlicher Assistent an der Freien Universität Berlin, Autor einer viel beachteten Hitlerbiografie, Cheflektor im Ullstein-Propyläen-Verlag, Leiter des Immobilienressorts bei der „Welt“ –, besonders positiv kam er seinerzeit nicht rüber. Damals schrieb ich, Rainer Zitelmann sei nicht unbedingt der Mensch, mit dem man gerne ein Bier trinke. Sagte das jemand über mich, würde mir das schon etwas ausmachen.

Zitelmann scheint das Gemochtwerden nicht so wichtig zu sein. Er goutierte mein Porträt, denn – das verstand ich 15 Jahre später – er pflegt sein Ecken-und-Kanten-Image. Das „Doktor Doktor“ auf den Titeln seiner Bücher gehört dazu. Und seine Rebellion als 17/18-Jähriger, die er genauso wenig verschweigt wie seinen Haschischkonsum oder seine frühere Alkoholismus-Phase. Deren Überwindung zeigt seine Willenskraft.

Nonkonformismus ist Teil seiner Marke. Sein Selbstvermarktungs-Programm.

Darum gründete Zitelmann als schwerreicher Investor eine Modellagentur. Darum beschäftigt er sich intensiv mit Bodybuilding. Zitelmann sagt: "Wenn alle meine Meinung hätten, hätte ich sie sicher nicht mehr." Aha. Eigentlich durchsichtig. Programm Anti-Mainstream. Aber es ist mehr, er hat gute Gründe dafür. Und – der Typ (er ist wirklich einer) ist nicht dumm. Überdurchschnittlicher IQ. Schulte schon als 14-Jähriger Studenten an der Hochschule in Dieburg.

Sein Leben ist Akquise. Autoren, Projektentwickler, Kunden, Frauen. Er siegt oft, kann aber auch mit Niederlagen umgehen. Denn verliert er etwas, akquiriert er wieder.

Einziger Schönheitsfehler: Er propagiert seine Bescheidenheit

Mit elf Jahren startete Zitelmann sein erstes Zeitungsprojekt. Es folgten Schülerzeitschriften, die von Anfang an professionell hergestellt waren, da er von linken Buchhändlern unterstützt wurde. Seine Eltern förderten ihn. Seine Freunde waren meist älter als er, schauten oft zu ihm auf. Er gründete mit 13 eine Rote Zelle an seiner Schule, konnte sich lange auslassen über die Schriften von Mao.

Der Schwenk von links nach rechts kam eher allmählich. Er las Freud und Wilhelm Reich. Später beschäftigte er sich mit den Faschismustheorien der Linken. Die überzeugten ihn nicht. Zu den Rechten – heute bezeichnet er sich als Nationalliberalen – kam er unter anderem deshalb, weil die Linken ihre Multikulti-Attitüde gegen die einfachen Leute richteten, sagt er.

Als ich Rainer Zitelmann gegenüber sitze, ist die Atmosphäre entspannt. Er wirkt sympathisch, bescheiden. Einziger Schönheitsfehler: Er propagiert seine Bescheidenheit. Macht das fest an einer Phase im Leben, in der er einmal mehr beschloss, alles Bisherige über den Haufen zu werfen und reich zu werden. Er wollte verkaufen. Das liebte er. Doch das konnte er nicht.

So ging er als promovierter Historiker in die Lehre bei der Volksfürsorge und ließ sich von einem Mitarbeiter mit Realschulabschluss zeigen, wie man das am besten tut. Zeichen von Bescheidenheit? Eigentlich nicht. Spricht eher für eine gewisse Offenheit, fehlende Berührungsängste und seine Fähigkeit zu erkennen, dass sein bester Lehrer durchaus einer ohne Hochschulabschluss sein kann.

Lebenslanges Lernen anstatt Work-Life-Balance

Menschen, von denen er etwas lernen, von denen er profitieren kann, respektiert er. Auf Doktortitel kommt es da nicht an. Seine Eltern leben es vor, dieses lebenslange Lernen. Und sein Vorbild: Arnold Schwarzenegger. Ein Mann, der alles aufsaugt, der verschiedene Leben in einem vereint. Auf der Gegenseite steht seine Ungeduld gegenüber denjenigen, die das Weiterlernen nicht so schätzen, die Work-Life-Balance wollen. Diese Attitüde, solche Menschen versteht er nicht. Er hat eine fast schon autistische Ehrlichkeit.

"Jeder merkt sofort, ob ich ihn mag. Das ist ein großer Vorteil und zugleich ein großer Nachteil."

Gegenüber Taxifahrern, die ihn nicht ordentlich behandeln, wird er sehr unfreundlich. Wenn man ihn im Flugzeug auf einen anderen Platz setzt, kann er auch schon mal ausrasten. Und zornig werden wie ein bockiges Kind.

„Mein Kinderzimmer war damals schon ein Büro“

Wie war er so als Kind? Darüber muss er nachdenken. Aufgrund dieser Frage lernt er über sich selbst. Glück für mich (Menschen, von denen er etwas lernen, von denen er profitieren kann, respektiert er). Und kommt zum Schluss, er habe sich seither kaum verändert. Natürlich, seine politischen Ansichten. Aber richtig kindlich sei er nie gewesen. „Mein Kinderzimmer war damals schon ein Büro“, sagt er.

Kinder faszinieren ihn, sie zeigen unverblümt ihre Emotionen und sind lernwillig. Bei Erwachsenen beobachtet er oft einen Erstarrungsprozess. Auch wenn er sich an Kindliches in seiner Kinderzeit kaum erinnert: Heute (Wissen aufsaugen, Karottensaft mögen, unregelmäßiger Schlaf) fühle er sich manchmal wie eines. Die Frage, ob er sich vorstellen könne, selber Kinder zu haben, lässt er offen. Früher hat er das ausgeschlossen. Heute nicht mehr kategorisch.

Frauen: Er hatte viele, oft die Schönsten

Ein elementares Thema in seinem Leben sind die Frauen. In seiner Autobiografie hat er sie weggelassen. Er hatte viele, oft die Schönsten, sagt er. Das zu betonen könnte aber vielleicht nicht so gut ankommen. Zitelmann verbringt seit 40 Jahren fast jedes Wochenende in der Diskothek. Hier hat er sie meist kennengelernt, unter anderem seine zweite Ehefrau, eine Russin, die ihn nach wenigen Wochen Ehe wieder verließ. Und bei Zitelmann eine große Lebenskrise auslöste.

Doch statt sich hängen zu lassen, strukturierte er, wie er erzählt, sein Leben neu und fasste nach einem Gespräch mit seinem Bekannten Peter Gauweiler den Entschluss, reich zu werden. Das sei kein Selbstzweck, sondern wer reich sei, sei auch frei. Zitelmann schaffte das. Er akquirierte Immobilien, die er verkaufte, oft anders als es die Marktgesetze vorzugeben schienen. Er hatte damit Erfolg. Gründete seine PR Agentur, die Dr. Zitelmann Positionierungs-Beratung (heute PB3C), und hielt sie 16 Jahre. Er verkaufte sie und hat nun Zeit, das zu tun, was ihm im Leben am meisten Spaß macht: lesen und schreiben. Und lernen.

Das Bad in der Menge mag er nicht

Er hat sich für sein neues Buch mit vielen Ländern beschäftigt, und er bekommt leuchtende Augen, wenn er davon erzählt. Lernen zu können ist für ihn das Höchste. Kehrseite der Medaille: das Verlangen, jede Sekunde sinnvoll zu nutzen und all das abzugeben, was ihm keinen Spaß macht. Flüge selber buchen – davor hat er Horror. Die eben erwähnte Entspannung ist keine wirkliche – seine Zeit ist getaktet.

Und doch befindet Zitelmann sich im Moment, sagt er, in einer Phase ohne richtiges Ziel. Er beschäftige sich mit seinen Immobilienveranstaltungen, Beratungen und so weiter, fühle sich aber offen für neue Impulse. Vorträge vor Hunderten von Leuten – Zitelmann genießt die Aufmerksamkeit. Man komme sich vor wie ein Popstar. Das Bad in der Menge jedoch mag er nicht. Deswegen versucht er inzwischen, die Expo Real zu vermeiden. Hände schüttelt er nicht gerne.

Auch von mir will er viel wissen. Er ist nach wie vor Journalist, selber neugierig. Nachdem er mir seine Krisen im Leben ausgemalt hat, befragt er mich über die meinen. Ich rede zehn Minuten. Er saugt auf. Verkehrte Welt.

Der Menschen-Nicht-Kenner

Zitelmann polarisiert. Kaum jemand steht ihm gleichgültig gegenüber. Viele lehnen ihn rigoros ab. Andere schätzen ihn, nicht nur wegen seines Wissens, sondern auch, weil er ihnen in bestimmten Phasen geholfen hat: So sind einige seiner ehemaligen Mitarbeiter durch ihn zu Unternehmern geworden.

Er verschweigt nicht, dass er in puncto Menschenführung, Menschenkenntnis oft gescheitert ist. Am Ende einer Beziehung zeige sich, sagt er, der Charakter eines Menschen. Immerhin scheint er zumindest einige gute Enden gehabt zu haben.

Wir verabschieden uns, geben uns nicht die Hand. Er steigt ins Taxi. Und ich denke: Armer Taxifahrer!

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