Auf dem Tag der Immobilienwirtschaft sind auch 2017 die "Köpfe der Immobilienwirtschaft" ausgezeichnet worden. Bild: YouTube

Mit 1.800 gemeldeten Teilnehmern, 200 mehr als im Vorjahr, verbuchte der Tag der Immobilienwirtschaft 2017 des ZIA, der am 21. Juni in Berlin stattfand, einen neuen Rekord. Die Teilnahme der wichtigsten deutschen Politiker zeigte: Es ist Wahlkampf im Land. Und: Die Wohnungswirtschaft hat an Bedeutung gewonnen. Außerdem wurden auch in diesem Jahr die "Köpfe der Immobilienwirtschaft" ausgezeichnet. Im Fokus: die Immobilienbranche und das Thema Innovation.

Und im Gegensatz zum Deutschen Immobilientag des IVD: Die Politiker kamen alle. Nicht nur Stimmungskanone Christian Lindner, sondern auch Bauministerin Barbara Hendricks, Finanzminister Wolfgang Schäuble und sogar die Kanzlerin, Angela Merkel.

Dabei zeigte sich Schäuble in seinen Twitter-Nachrichten zum Immobilientag weiter offen für eine EnEV-Abschreibung und die Kanzlerin äußerte Verständnis für die Branche, als sie betonte, eine weitere Verschärfung der Energieeinsparverordnung EnEV zunächst nicht realisieren zu wollen.

Was die Grunderwerbsteuer betrifft, sprach sich der Bundesfinanzminister für eine Verschärfung bei den Share Deals aus, eine Sache, die er schon lange versucht voranzutreiben. Und – es ist ja Wahlkampfzeit – Schäuble sprach sich außerdem für eine neue Stufe der Wohneigentumsförderung aus, nämlich für Familien.

Podiumsdiskussionen, vor und nach den Reden der prominenten Politiker, an denen unter anderem Kommunalvertreter teilnahmen, zeigten, dass sich der ZIA nicht im luftleeren Raum befindet. Klar wurde: An den Herausforderungen, die dem Föderalismus geschuldet sind, kommt man nicht vorbei, wenn man die bundesweiten Immobilienprobleme lösen will.

Stiefkind Wirtschaftsimmobilien

Ob das bei den Politikern ankommt? Ein Thema waren auch Wirtschaftsimmobilien – sie kommen in der allgemeinen Aufmerksamkeit zu kurz. Nicht nur auf der Pressekonferenz versuchte deshalb ZIA-Präsident Andreas Mattner die Immobiliensicht der Zuhörer zu erweitern. Denn: Es sind nicht nur Startups, die sich das Thema "Innovation“ auf ihre Fahnen schreiben. Es sind auch die etablierten Unternehmen, die sich dem Thema intensiv stellen, wohlwissend, dass die Konkurrenz nicht schläft.

Hervorragend besucht und in der Mitte des Interesses angekommen war in diesem Jahr die Innovationsschmiede, ein Forum, in dem Trendthemen wie energetische Sanierung in sämtlichen Facetten ebenso diskutiert werden wie Building Information Modeling (BIM) und die intelligente Stadt von morgen. Beim Thema BIM appellierten die Diskussionspartner an alle in irgendeiner Form am Bau beteiligten Teilnehmer, die Parameter vollständig zu verändern. BIM lohne sich: Den Aufwand in die Planung zu stecken, vermindere die Baukosten erheblich.

Moderator Eike Becker sagte eine Änderung in den silohaften Einzelsträngen der Immobilienausbildungsgänge voraus. Ein wichtiger Punkt der Innovationsschmiede war die Präsentation des vom ZIA initiierten Innovationsberichts, in dessen Aufnahme sich Unternehmen sämtlicher Größenordnungen bewerben konnten. In einer fast schon visionären Stellungnahme malte Jörn Erik Mantz von Innogy ein Bild der Zukunft, in dem für das Thema Energiesparen kein Raum mehr sei: Vielmehr sei Energie im Überfluss vorhanden. Und in der PropTech-Lounge stellten sich Startup-Unternehmen vor.

Immobilienköpfe 2017 gekürt

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Dietmar Amels wurde in der Kategorie "Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern" geehrt für die Digitalisierung und Optimierung des Prozesses der Leerstandsbehebung: Bevor eine Wohnung weitervermietet werden kann, müssen meist Reparaturen durchgeführt werden. Leerstehende Wohnungen bedeuten Mietausfälle und somit weniger Erlös. Dietmar Amels war federführend damit befasst, dieses Problem zu lösen. Mit dem Berliner Startup Doozer hat die LEG auf sein Betreiben hin einen Partner gefunden, um den Prozess der Leerstandsbehebung zu digitalisieren. Die LEG kann dadurch fertig gebündelte Leistungspakete für Handwerkerdienstleistungen direkt beauftragen. Dadurch wurden Renovierungs- und Sanierungsprozesse verschlankt. Die Hauswarte können ihre Termine zeitlich reduzieren, sodass auch die Mieter bei der Wohnungsabnahme weniger Zeit einplanen müssen. Die Effekte der Innovation: Alle Prozesse sind so transparent, dass sie optimal ausgewertet werden können; Potenziale und Optimierungsmöglichkeiten werden frühzeitig erkannt; der Aufwand aller am Prozess Beteiligten wird reduziert und das Unternehmen kann schneller vermarktungsfähige Wohnungen bereitstellen. Zum Video

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In der Kategorie "Unternehmen zwischen 50 und 500 Mitarbeitern" erhielt Reinhard Kutscher den Preis für die Vereinfachung von Abläufen zwischen Sachverständigen und Mitarbeitern: Die Neuerung der Software "ImmoWert", deren Implementierung von Kutscher verantwortet wird, besteht darin, dass alle Daten, die für die externen Gutachter zur Immobilienbewertung notwendig sind, in einem System gebündelt werden und einen digitalen Workflow in Gang setzen. Externe Gutachter erhalten so alle bewertungsrelevanten Immobiliendaten optimal aufbereitet in einem Tool. Auch vereinfacht die Neuerung unternehmensintern das notwendige Plausibilisieren der Gutachterbewertung. Außerdem beschleunigt sich der Prozess für das Reporting und die Preisberechnung, die auf denselben Datenpool im System zugreifen. Die Plausibilitätsprüfung erfolgt digital in der ImmoWert-Cloud. Durch den digitalen Prozess reduziert sich der Arbeitsaufwand um rund 60 Prozent. Von dieser Einsparung durch die Effizienz der Abläufe profitieren mittelbar auch die Anleger. Das Tool wird inzwischen auch für Ankaufsbewertungen und Versicherungsbewertungen genutzt. Zum Video

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Geehrt für eine kleine Revolution des Schlüsselmanagements (KIWI) wurden in der Kategorie "Unternehmen bis zu 50 Mitarbeitern" Dr. Claudia Nagel und Dr. Christian Bogatu. Schlüssel sind hochgradig unsicher, kopierbar, unpraktisch und ineffizient. Für die Wohnungswirtschaft bedeutet die Nutzung des Schlüssels zudem einen großen Aufwand des Schlüsselmanagements. Die von Nagel und Bogatu entwickelte Lösung hilft, solche Probleme zu lösen und außerdem ein Mehr an Komfort und Sicherheit in der digitalisierten Welt zu bieten. Das System ist offen. Hausverwaltung und Hauseigentümer können das Schlüsselmanagement über das Portal steuern. Zutrittsberechtigungen können in Echtzeit vergeben und entzogen werden. Mit KIWI können sowohl elektrifizierte als auch nicht-elektrifizierte Türen ausgestattet und vernetzt werden. Bezahlt wird von allen Nutzern: Wohnungsunternehmen, Dienstleistern und den Bewohnern. KIWI hat bereits große Partner gewonnen (unter anderem ALBA, die Deutsche Post, die Allianz und Innogy) und ist deutschlandweit bereits in mehr als 4.000 Häusern eingebaut. Zum Video

Schlagworte zum Thema:  Immobilienwirtschaft, Termine, Wahlkampf

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