ZIA-TDI: Politprominenz buhlt um Gunst der Immobilienwirtschaft

Auf dem Tag der Immobilienwirtschaft 2021 des ZIA tummelte sich die Politprominenz. Mit Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) gaben sich gleich zwei Kanzlerkandidaten die Ehre und präsentierten ihre Ideen für mehr Wohnungsbau. Es ist Wahlkampf im Land.

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) registrierte mehr als 3.500 Teilnehmer beim virtuellen Tag der Immobilienwirtschaft (TDI) am 24.6.2021 live aus dem "ZIA-Hauptstadtstudio". Mit Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) gaben sich gleich zwei Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2021 die Ehre. Die FDP schickte den Parteivorsitzenden Christian Lindner in die Arena, und die Grünen ließen sich von Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt vertreten.

"Das zeigt die volkswirtschaftliche Gesamtbedeutung der Immobilienwirtschaft", sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner. Auch Wirtschaftsexperten wie JLL-World-CEO Christian Ulbrich und Microsoft-Deutschlandchefin Dr. Marianne Janik waren geladen.

Scholz wirbt für "neuen Aufbruch" beim Wohnungsbau

SPD-Kanzlerkandidat Scholz kündigte in seiner Videobotschaft an, das "Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen" weiterentwickeln zu wollen. Er sprach von einem "neuen Aufbruch" und von 400.000 Wohnungen, die pro Jahr gebaut werden müssten.

Auch das von den Sozialdemokraten geforderte Mietenmoratorium für angespannte Wohnungsmärkte warf der Spitzenpolitiker wieder in den Ring. Die wichtigste Antwort auf den Wohnungsmangel laute zwar Bauen, betonte Scholz, "und zwar richtig viel privat und öffentlich" – doch bis es genügend Wohnungen gebe, bräuchten Mieter eine Atempause.

Dazu erklärte ZIA-Präsident Mattner: "Wir brauchen Neubau in allen Preisklassen. Ein breites Bündnis aller am Mietmarkt beteiligten Stakeholder ist ein erfolgsversprechendes Mittel, um bedarfsgerecht neuen Wohnraum zu schaffen."

Laschet will den Bauantrag beschleunigen

Kanzlerkandidat Laschet will den Wohnungsbau mit einer Zwei-Monats-Frist für Behörden beschleunigen. "Ein Bauantrag für Wohnimmobilien soll regulär nach unserer Vorstellung zwei Monate nach Vorlage aller Unterlagen abschließend bearbeitet sein. Und wenn das nicht erfolgt, dann soll er als genehmigt gelten", sagte der CDU-Politiker beim Tag der Immobilienwirtschaft. "Damit haben wir die Chance, eine neue Dynamik beim Wohnen zu entfalten."

Laschet warnte vor zu vielen Vorgaben. Ein Mietendeckel etwa bewirke am Ende das Gegenteil mit einem schrumpfenden Wohnungsangebot. "Nur wenn das Wohnungsangebot steigt, können Mieten stabil bleiben", sagte Laschet. "Der beste Mieterschutz ist und bleibt ausreichender Wohnraum."

Die Genehmigungsfriktion und weniger Bauvorschriften seien gute Ansätze, kommentierte der ZIA-Chef den Vorschlag. Er sei auch dankbar, dass nicht alle Parteien "nur mit vermeintlich einfachen Lösungen wie regulieren, deckeln und enteignen in den Wahlkampf ziehen wollen".

Klimaschutz-Sofortprogramm auf dem TDI 2021

Zum Beschluss des Klimaschutz-Sofortprogramms im Bundeskabinett am 23. Juni mit einer Finanzspritze für die energetische Gebäudesanierung erklärte Mattner auf dem TDI 2021: Das Geld werde dringend gebraucht, um weder Mieter noch Vermieter zu überfordern. Er lobte zudem, dass die 50:50-Aufteilung bei den CO2-Preis-Zusatzkosten "erstmal vom Tisch" sei.

Kritisch äußerte sich der ZIA zur geplanten Erhöhung der Neubaustandards. Diese Maßnahmen würden für weiter steigende Mieten sorgen.

Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckardt brachte einen Bau- oder Sanierungspakt von sieben Milliarden Euro ins Spiel. Dieses Geld solle in klimafreundliche Gebäudesanierungen fließen. Außerdem gelte es, den "Investitionsstau" bei der Infrastruktur aufzulösen. FDP-Parteichef Lindner forderte attraktivere Rahmenbedingungen für die Modernisierung von Gebäuden, zum Beispiel zur leichteren steuerlichen Abschreibung. Treiber der Wohnkosten sei nicht eine vermeintliche "Liga der Miethaie", sondern steigende staatliche Standards. Nötig sei ein "Baukosten-Tüv".

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, beklagte mit Blick auf das verschärfte Klimaschutzgesetz, das vom Parlament am 24. Juni verabschiedet worden ist: "Mit denen, die's machen müssen, hat ja keiner geredet."


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dpa