"Raumteiler"-Gründerin Mirjam Mieschendahl Bild: Bernadette Reiter

Mit der Plattform "Raumteiler" erprobt das Wiener Startup Morgenjungs GmbH für den Gewerbebereich, was bei Büro und Wohnen längst Standard ist: Das Teilen von Arbeitsräumen. Die Nachfrage nach flexiblen und kleinteiligen Nutzungen etwa von Hallen und Werkstätten steigt.

Vor allem nach einer Gründung sei es attraktiv, eine Fläche mit anderen Unternehmen gemeinsam zu nutzen und somit die Mietrisiken zu verringern, hat Silvia Spendier von der Wirtschaftskammer Wien beobachtet. Als Ansprechpartnerin für den Service "Freie Lokale" verfolgt sie die wechselnden Trends in der Gewerbeimmobilienbranche Österreichs seit Jahren. Derzeit seien Einheiten von weniger als 150 Quadratmetern stark gefragt doch in einer Metropole wie Wien schwer zu finden.

Um so positiver beurteilt Spendier Plattformen wie die der Morgenjungs GmbH, die sich mit dem Angebot "Raumteiler" auf die Vermittlung von kleineren (Teil-)Gewerbeflächen spezialisiert hat, die häufig befristet Mieter suchen. Hinter dem vor rund einem halben Jahr an den Start gegangenen Unternehmen stehen die Medieninformatikerin Mirjam Mieschendahl und ihr Geschäftspartner Michael Walchhütter.

"Raumteiler"-Gründerin Mirjam Mieschendahl und Mitgründer Michael Walchhütter (rechts). Bild: B. Barnuz

Auf die Idee seien sie durch Dutzende Interviews mit Gewerbetreibenden in verschiedenen Wiener Stadtvierteln gekommen, sagt Mieschendahl. "Viele würden gern eine Gewerbefläche bespielen, können es sich aber allein nicht leisten – gerade in der Gründungsphase arbeitet man sonst ausschließlich für die Miete", sagt die 45-Jährige. Gleichzeitig handle es sich bei Ein-Personen-Unternehmen längst nicht nur um Büroarbeiter, sondern eben auch um Menschen, die Praxisräume, Werkstätten oder Ateliers brauchen. Bauträger wiederum seien es gewöhnt, größere Flächen zu bauen. Doch wer nutzt schon gleich 200 Quadratmeter? 

Kooperationen mit Bauträgern

Auf der Plattform, die in das Stadtteil-Portal imgraetzl.at integriert ist, treffen sich Raumsuchende und Raumhabende; für sie ist das Angebot kostenlos. 350 solcher Einträge haben die Initiatoren seitdem gezählt.

Die Plattform ist eine Art WG-Partnersuche für Gewerbeflächen Bild: Haufe Online Redaktion/Screenshot

Mieschendahl und ihr Partner arbeiten darüber hinaus mit Bauträgern zusammen, die sich zwecks Vermietung und Vermarktung ihrer Gewerbeflächen an das Startup wenden. Die Unternehmer vermitteln nicht nur, sondern beraten auch etwa bei Mietpreisvorstellungen. "Wenn der Preis über einen bestimmten Faktor steigt, erreicht man die Zielgruppe nicht mehr", erklärt Mieschendahl. Gleichzeitig müsse ein Preis so gefasst sein, dass sich die Vermietung für den Eigentümer lohne und auch häufiger wechselnde Mietverhältnisse widerspiegele.

Im Sommer sollen zwei Projekte mit örtlichen Bauträgern starten, bei denen mit Hilfe des „Raumteilers“ verschiedene Nutzer eine größere Gewerbefläche beziehen. Angedacht ist eine Mischung in zweierlei Hinsicht: Zum einen mit verschiedenen Unternehmensarten, zum anderen mit Menschen, die ihre Tätigkeit in Teilzeit ausüben und sich beispielsweise eine Praxis mit anderen teilen möchten.

Bei den Angeboten handelt es sich sowohl um Neubau als auch um die Nachnutzung frei werdender Videotheken, Bankfilialen und Büros von Versicherungsvertretern – Objekte, deren Zahl steigt in Zeiten, in denen sich viele Dienstleistungen in die virtuelle Welt verlagern. Ein guter baulicher Zustand sei dabei die Voraussetzung, um für Gründer oder für bereits bestehende Unternehmen mit Expansionswunsch attraktiv zu sein, sagt Wirtschaftskammer-Expertin Spendier. Ob sich Nachfrage und Angebot dann treffen, hänge gerade im Gewerbebereich vom Einzelfall ab, von Lage, Geschäftsidee oder den Menschen dahinter. Insofern könne das Raumteiler-Portal helfen, passgenaue Lösungen für die Zielgruppe der kleinen Gewerbetreibenden zu finden.

Trend dürfte sich verstärken

In Deutschland bieten zwar mehrere Startups auch Co-Working über reine Büronutzung hinaus an, eine rein auf den Bereich fokussierte Plattform gibt es jedoch nach derzeitigem Recherchestand nicht – womöglich noch nicht: Denn Trends aus dem Wohn- und Bürobereich würden sich ausweiten, ist Jakob Schulz überzeugt, der für Blackprintpartners den PropTech-Markt beobachtet.

"Auch Gewerbeflächen müssen flexibler werden", sagt er. Die Herausforderung in dem Segment sei jedoch das Abstimmen ziemlich unterschiedlicher Bedürfnisse – anders als etwa im Büroimmobilienmarkt. Auch stellten bauliche Fragen bei der Mehrfachnutzung einer Halle eine größere Hürde dar. 

Die Wiener "Raumteiler" wollen mit einer Tagung am 15. Juni für ihr Konzept werben – mit Workshops und einem Fachprogramm, das die Szene zwischen kooperativen Nutzungskonzepten und flexiblen Gewerbeflächen abdeckt. Beratungen zu rechtlichen und baulichen Fragen ergänzen das Angebot. Zudem sind Mieschendahl und ihr Partner Teil eines Forschungsprojekts der Technischen Universität Wien, bei dem es um Mischnutzungsmöglichkeiten in einem Stadtviertel geht – und zwar, bevor es gebaut wird.

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Schlagworte zum Thema:  Startup, Gewerbeimmobilien

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