23.07.2013 | Berlin

Nach Mietabzug bleibt armen Familien weniger als Hartz IV

Maly: "Bauen, bauen, bauen ist die Devise"
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Deutsche Städtetag fordert mehr bezahlbare Neubauten. Grund sind die hohen Mietbelastungen, die laut einer aktuellen Bertelsmann-Studie einkommensschwache Familien in vielen größeren Städten unter Hartz-IV-Niveau rutschen lassen.

Vor allem für Haushalte mit geringen Einkommen müssten mehr Wohnungen errichtet werden. "Bauen, bauen, bauen" sei die richtige Devise, sagte Städtetags-Präsident Ulrich Maly der "Berliner Morgenpost" (Dienstag). Maly forderte eine Erhöhung des Wohngelds und Maßnahmen im Mietrecht, um Mieter vor ungerechtfertigten Mietpreisanstiegen zu schützen.

Nach Mietabzug bleibt armen Familien weniger als Hartz IV

In 60 der 100 größten Städte haben einkommensschwache Mieter nach Abzug der Miete im Schnitt weniger Geld zur Verfügung als den Hartz-IV-Regelsatz von 1.169 Euro im Monat, wie die Bertelsmann Stiftung nach einer Untersuchung am Montag mitteilte. In Rostock und Schwerin geben arme Familien 28 beziehungsweise 31 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus. Ihnen bleiben 15 Prozent weniger als der Hartz-IV-Satz im Geldbeutel.

In Rostock stehen einer einkommensschwachen Familie nach Bezahlen der Miete im Schnitt noch 996 und in Schwerin 991 Euro monatlich zur Verfügung. Berechnet wurde dies für eine vierköpfige Familie mit weniger als 60 Prozent des regionalen Durchschnittseinkommens, wie es hieß. Die Armutsgrenze für Familien liegt in Rostock bei insgesamt 1.384 Euro und in Schwerin bei 1.431 Euro Monatseinkommen.

Bundesweit stellt sich der Wohnungsmarkt sehr unterschiedlich dar

Zum Vergleich: In Jena (Thüringen) bleiben solchen Familien laut Studie nach Überweisung der Miete rechnerisch nur 666 Euro im Monat. Ihr verfügbares Einkommen liege 43 Prozent unter dem Niveau der Grundsicherung. Andererseits kommt eine Familie in Heilbronn (Baden-Württemberg) - bei einem mehr entspannten Wohnungsmarkt und relativ hohen Durchschnittseinkommen - auf 1.941 Euro, das liege 66 Prozent über Hartz-IV-Niveau.

Für arme Familien kommen laut der Studie in Potsdam (Brandenburg) und Jena nur ein Prozent des Angebots infrage, im Schnitt der 100 einwohnerstärksten Städte Deutschlands sind es 27 Prozent. In Rostock und Schwerin liegt der Anteil der geeigneten Wohnungen bei zehn bis elf Prozent.

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