Stadtquartier statt Knast: JVA "Santa Fu" in Hamburg

Bei dem Versuch, aus zwei der historischen Gebäude der Justizvollzugsanstalt "Santa Fu" in Fuhlsbüttel etwas Neues zu machen, war zuletzt die kommunale Saga mit ihren Wohnbauplänen gescheitert. Jetzt wagt Hamburg einen neuen Vorstoß. Zumindest auf den Freiflächen könnten Wohnungen entstehen.

Justizsenator Dr. Till Steffen (Grüne) hat dieser Tage eine neue Vereinbarung über die künftige Nutzung einer Teilfläche der Justizvollzugsanstalt (JVA) Fuhlsbüttel, besser bekannt als "Santa Fu", unterschrieben: Nicht mehr für den Vollzug benötigte Flächen sollen aufgegeben und von der städtischen Baugesellschaft Sprinkenhof als "Quartier Santa Fu" entwickelt werden. Mit von der Partie ist der Bezirk Hamburg-Nord, der sich durch den gemeinsam unterzeichneten "Letter-of-Intent" eine neue Perspektive für das Zusammenleben mitten im Stadtteil Fuhlsbüttel verspricht.

Herausforderung Denkmalschutz

Das Projektgebiet "Quartier Santa Fu" ist rund vier Hektar groß. Die 40.000 Quadratmeter machen etwa ein Viertel der gesamten Fläche der JVA Fuhlsbüttel aus. Auf dem Gelände befinden sich unter anderem zwei größtenteils leerstehende Gefängnisbauten aus dem 19. Jahrhundert (die Häuser I und III) sowie sechs Dienstwohnungs- und zwei Dienstgebäude.

Eines der großen Probleme bei der Konversion ist der Denkmalschutz, ein anderes die historische Bedeutung des Ortes. Während der NS-Zeit waren hier unter anderem politische Gefangene untergebracht sowie ein Außenlager des Konzentrationslagers (KZ) Neuengamme eingerichtet. Dazu kommt, dass die Dienstwohnungen zum Teil noch bewohnt sind. Nach Angaben der Hamburger Justizbehörde handelt es sich um 13 Gebäude mit insgesamt 47 Wohnungen, von denen noch 13 bewohnt sind.

Quartier Santa Fu JVA Fuhlsbüttel Vereinbarung
Hamburgs Justizsenator Till Steffen zeigt, was vom Gefängnisgelände der JVA Fuhlsbüttel für das neue "Quartier Santa Fu" abgetreten werden soll

Der erste Schritt: Machbarkeitsstudie der Sprinkenhof GmbH

"An einem historisch bedeutsamen, denkmalgeschützten Ort vor ihrer Haustür kann ein lebendiges Quartier entstehen, das eine buchstäblich begehbare Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schlägt", visionierte Justizsenator Steffen. Martin Görge, Geschäftsführer der Sprinkenhof GmbH erklärte, dass er sich freue, "hier planerisch tätig zu werden und die denkmalgeschützten Objekte einer nachhaltigen zukunftsfähigen Nutzung zuzuführen".

Die nun geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass die Sprinkenhof GmbH in einem ersten Schritt eine qualifizierte Machbarkeitsstudie in Auftrag geben soll. Ergebnisse sollen der Gesellschaft zufolge im kommenden Jahr vorgelegt werden. In einem zweiten Schritt soll dann ein Gesamtkonzept erarbeitet werden, auf dessen Grundlage die Hamburgische Bürgerschaft über die Umsetzung der Konversionspläne entscheiden wird.

Darum ist die Saga mit den Plänen für den Bau von 200 Wohnungen gescheitert

Das Hamburger Abendblatt berichtet, Vorfestlegungen auf die künftige Nutzung des Areals gebe es nicht. Görge sagte der Zeitung, er könne sich jedoch vorstellen, dass unter anderem ein Hotel oder ein Hostel in dem ehemaligen Gefängnis Platz finden wird. Wohnungsbau sei zum derzeitigen Stand lediglich auf den Freiflächen denkbar, wird Cordula Ernsing, Abteilungsleiterin Übergeordnete Planung im Bezirk Hamburg-Nord, zitiert. Ein Sprecher von Sprinkenhof sagte auf Nachfrage, dass tatsächlich geprüft werde, ob Wohnungsbau im Zuge der Nachverdichtung möglich ist.

Hintergrund für die Annahme sind die gescheiterten Bemühungen der kommunalen Hamburger Wohnungsgesellschaft Saga, die im Juni 2018 mit dem Stadtentwicklungsprojekt "Santa Fu" beauftragt worden war, in den leerstehenden Gefängnisgebäuden Wohnungen zu errichten. Die denkmalgeschützten Häuser sind in einem baulich sehr schlechten Zustand, dürfen aber nicht abgerissen werden, einschließlich der Dienstwohnungen. Saga sei deshalb nach jahrelanger Prüfung vom ursprünglichen Konzeptentwurf abgesprungen, bis zu 200 Wohnungen auf dem Gelände zu bauen, wie die Hamburger Morgenpost schreibt.

"Die Sprinkenhof hat Erfahrung mit der Nutzung denkmalgeschützter Gebäude, das Haus 1 wird sicher nicht leer bleiben", sagte Justizsenator Steffen der Zeitung. Das kreuzförmige Hafthaus I wird seit 2010 nicht mehr als Gefängnis genutzt.


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dpa
Schlagworte zum Thema:  Stadtentwicklung, Konversion