Smart City: Die Hoffnung ruht auf der nächsten Generation

In puncto Smart City zählen deutsche Städte nicht unbedingt zu den Vorreitern – ein Thema, das auch auf der Expo Real diskutiert wird. Es könnte sich ändern, sagt JLL-Expertin Hela Hinrichs. Es wachse eine Generation heran, die mit Daten viel selbstverständlicher umgehe als derzeitige Entscheider. 

Noch ist die „City 4.0“ hierzulande quasi ein Fremdwort. Unter dem Schlagwort verstehen internationale Experten eine Stadt beziehungsweise einen Ballungsraum, der Technologie und digitale Infrastruktur nutzt, um die Lebensqualität im weiteren Sinn zu verbessern: In Bezug auf Dienstleistungen, auf die Integration älterer Bewohner oder etwa Lärm und saubere Luft.

Auch Aspekte wie eine transparente Regierung und Verwaltung spielen eine Rolle – als Teil eines Gesamtkonzeptes unter demokratischer Steuerung. Für die Immobilienwirtschaft konkret bedeutet dies nicht nur neue Aufgaben und Rollenzuschreibungen, sondern auch die Notwendigkeit, sich verschiebende Raummuster und -organisationen mit zu gestalten.

"Bezüglich ihrer Innovationskraft schneiden deutsche Städte bisher global betrachtet nicht unbedingt gut ab." Hela Hinrichs, JLL Senior Director EMEA Research & Strategy

Hinrichs verweist darauf, dass Berlin zwar aufgrund seiner lebhaften Startup-Szene als bester Technologiestandort in Kontinental-Europa hervorsticht, es generell jedoch hierzulande häufig noch an Grundlagen wie einer flächendeckenden Verfügbarkeit von schnellem Internet und einem ebensolchen Mobilfunkstandard fehle.

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Oder wie es Hinrichs ausdrückt: „In anderen Ländern denkt und handelt man in anderen Dimensionen.“

Nur Berlin und München weltweit Top

Die smarte „City 4.0“ meint den vierten Zustand nach industrieller Revolution, dem Einzug der Elektrizität in Städte und der Verbreitung des Autos. In Deutschland haben es nach Ansicht von JLL Berlin und München in die Riege der Top 20 Zukunftsmetropolen weltweit geschafft; Berlin gilt wegen seiner Innovationskraft als hervorragender Technologiestandort mit entsprechender Attraktivität bei jungen Talenten, München punktet mit seinem Nahverkehr und der Anziehungskraft als Investitionsstandort. Berlin zähle außerdem als weltweite Spitzendestination für die Proptech-Szene, so die Analysten.

Bei den Städten mit umfassenden intelligenten Systemen sieht JLL gleichwohl eher Singapur, Barcelona oder etwa Helsinki in der Top-Liga, an die deutsche Metropolen nicht heranreichen. Wie es um die Kommunikation zwischen Wirtschaft, Bürgern und Verwaltung bestellt ist, wissen Vertreter der Immobilien- und Wohnungswirtschaft allzu leidvoll, wenn es um Baugenehmigungen, Typen-Standardisierungen oder den alltäglichen Informationsaustausch geht: Langwierig genießt hier Tradition. Die zögerliche Bereitschaft in der Bevölkerung, mit Daten offensiv umzugehen, tut ihr übriges.

Hinrichs glaubt, dass sich dieser Zustand ändert. „Es ist wirklich besser, in einer Smart City zu leben“, ist sie überzeugt. Die Analystin setzt dabei große Hoffnungen in die nun heranwachsende Generation. Einerseits gingen die jungen Menschen viel selbstverständlicher mit Daten und digitalen Möglichkeiten von Kommunikation bis Konsum um. „Da wächst eine Generation heran, die eher die Vorteile sieht – während das Bewusstsein, was die Furcht vor Überwachung betrifft, deutlich geringer ausgeprägt ist.“ Andererseits werde sie dem ohnehin präsenten Thema Nachhaltigkeit zusätzlichen Schwung verleihen.

Mit der Intelligenz ändern sich Raumanforderungen

Gerade mit Blick auf letzteren Aspekt dürfte sich auch die Immobilienwirtschaft bewegen, glaubt Hinrichs. „Die Branche zählt nicht zu den Treibern, aber sie hat erkannt, dass sich etwas ändern muss.“ Nachhaltigkeit bedeute dabei auch, dass Flächen flexibler und damit effizienter genutzt würden – was andere Mischnutzungen nach sich ziehen dürfte, nennt Hinrichs ein Beispiel. Für die Wohnungswirtschaft werde sich der fortschreitende Klimawandel etwa im Bedarf an neuen Kühlungs-Systemen für Wohnungen und den Folgen für das Energiemanagement eines Gebäudes äußern.

Damit ändern sich Dimensionen: Weg vom Einzelobjekt, hin zum Quartiersgedanken mit weiter reichenden Versorgungssystemen, Infrastruktur und eben auch einem transparenten Datenmanagement – was dem Leitprinzip einer „City 4.0“ dann schon ziemlich nahe kommt.

Veranstaltungstipps zum Thema:

Smart Cities, Hubs und Strategien - Die Herausforderungen der digitalen Zukunft

8. Oktober 2019

12:30 - 13:30 Uhr

Halle C1, Stand 440

Moderator: Patricia Küll, LebensWandlerin

Teilnehmer: Axel Tausendpfund, VdW Südwest, Claudia Nagel, High Rise Ventures GmbH, Herbert Hunkel, Stadt Neu-Isenburg, Monika Mossel, Frameless GmbH, Levent Valente, Sphira GmbH, Thomas Hain, Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt


What is City 4.0? What opportunities and risks does it bring

8. Oktober 2019

14:00 - 14:50 Uhr

Halle A2, Stand 540

Moderator: Greg Clark, Global Advisor, Future Cities, Nicola Yates , Future Cities Catapult

Teilnehmer: Rit Aggarwala, Sidewalk Labs, Jan Schönig , Siemens AG, Neil Brigden, London & Partners, John Jorritsma, City of Eindhoven


What does City 4.0 mean for investors and real estate?

8. Oktober 2019

16:00 - 16:50 Uhr

Halle A2, Stand 540

Moderator: Greg Clark, Global Advisor, Future Cities, Nicola Yates , Future Cities Catapult

Teilnehmer: Jeremy Kelly, JLL, Katarzyna Gruszecka-Spychala, Gdynia City Hall, Anna Gissler, Invest Stockholm, Mark Bousfield, Liverpool City Region Combined Authority

Schlagworte zum Thema:  Expo Real