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Sjöstedt legt Amt als Karstadt-Geschäftsführerin nieder

Karstadt-Stammhaus in Wismar
Bild: Carsten Raum, Wismar ⁄

Eva-Lotta Sjöstedt legt ihr Amt als Geschäftsführerin der Karstadt Warenhaus GmbH mit Wirkung zum 7. Juli nieder. Finanzvorstand Officer Miguel Müllenbach und Personalvorstand Kai-Uwe Weitz werden die Geschäfte vorerst weiterführen.

Sjöstedt hatte die Geschäftsführung des Warenhaus-Konzerns erst vergangenen Herbst übernommen. Ihr Ziel sei es gewesen, das Unternehmen entwickeln zu dürfen, wie sie in einer Pressemitteilung sagte. Von Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen konnte dpa trotz wiederholter Bemühungen zunächst keine Stellungnahme zu den Vorgängen erhalten.

Der Eigentümer der Karstadt Warenhaus GmbH, die Berggruen Holdings, habe ihr damals die volle Unterstützung für ihre Strategie und ihre Investitionspläne für die 83 Warenhäuser zugesagt. Die Voraussetzungen dafür seien nun nicht mehr gegeben.

Handelsexperte: Plant Berggruen den Ausstieg?

Sjöstedts plötzlicher Rückzug nach weniger als fünf Monaten nach Amtsantritt weckt neue Zweifel an den Überlebenschancen des Handelsriesen. Sie war als Hoffnungsträgerin angetreten, die den 17.000 Karstadt-Beschäftigten eine Zukunftsperspektive verschaffen sollte.

Für den Handelsfachmann Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sind die Äußerungen der Managerin für ihren Rückzug ein Alarmsignal: "Berggruen hat Sjöstedt offensichtlich viel versprochen, aber wenig gehalten. Das wirft die Frage auf, mit welcher Ernsthaftigkeit er als Investor noch hinter Karstadt steht."

Der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein rechnet nicht damit, dass der Konzern die entstandene Lücke schnell wieder schließen kann. Er vermutet, dass Berggruen schon seit längerer Zeit ein Ausstiegsszenario verfolge. Er investiere nicht in das Unternehmen. "Bei den Warenhäusern ist inzwischen ein Investitionsstau von ein bis zwei Milliarden Euro entstanden", urteilt Heinemann.

Chronologie: Die Krisengeschichte des Konzerns

  • 1.9.2009: Insolvenzverfahren eröffnet.
  • 7.6.2010: Die Berggruen Holding bekommt den Zuschlag zur Übernahme.
  • 30.9.2010: Insolvenzverfahren aufgehoben. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.
  • 23.10.2010: Andrew Jennings wird Karstadt-Chef.
  • 16.7.2012: Karstadt will 2.000 Stellen streichen.
  • 13.4.2013: Zweijährige "Tarifpause" für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.
  • 16.9.2013: 75,1 Prozent der Karstadt-Sporthäuser und Premium-Group gehen an Signa. Im Gegenzug soll Signa 300 Millionen Euro in die Modernisierung von Karstadt investieren.
  • 14.11.2013: Tarifparteien einigen sich "auf wesentliche Bausteine eines gemeinsamen Zukunftssicherungstarifvertrages".
  • 24.2.2014: Eva-Lotta Sjöstedt wird neue Karstadt-Chefin.
  • 7.7.2014: Sjöstedt geht.

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