Wo es hingeht, ist ungewiss: Die HBC und ihre Warenhaustochter Kaufhof stecken in der Krise – ein Verkauf scheint aber vorerst keine Option Bild: Metro AG

Die österreichische Immobilienholding und Karstadt-Eignerin Signa ist mit ihrem Übernahmeangebot für Kaufhof gescheitert. Eigentümer der deutschen Warenhauskette ist der kanadische Konzern Hudson's Bay Company (HBC). Der Aufsichtsrat habe einstimmig abgelehnt, teilte HBC mit. Zuvor hatte Kaufhof-Chef Roland Neuwald das Angebot des Signa-Chefs René Benko als wenig hilfreich zur Lösung der Probleme der Warenhauskette bezeichnet.

Das Angebot liege beträchtlich unter dem eigentlichen Wert des deutschen Geschäftes und damit verbundener Immobilien, heißt es in der Mitteilung von HBC, außerdem habe man Zweifel an der Finanzierung. HBC-Interimschef Richard Baker bezeichnete Kaufhof erneut als ein Kernstück der Unternehmensstrategie der Kanadier.

Die Signa-Holding soll rund drei Milliarden Euro für das deutsche Warenhausgeschäft von Kaufhof und andere Immobilien geboten haben. Der Löwenanteil des Kaufpreises dürfte dabei nicht auf die Warenhauskette, sondern auf die Immobilien in teuren Innenstadtlagen entfallen. HBC hatte Kaufhof im Jahr 2015 für 2,8 Milliarden Euro von der Metro gekauft. Schon damals unterlag Signa im Bieterrennen.

Zuletzt hatte Signa im November 2017 groß in Deutschland eingekauft und insgesamt 1,5 Milliarden Euro liegen lassen für fünf Top-Immobilien, darunter das Berliner Luxushochhaus "Upper West" und das Frankfurter Einkaufszentrum "Upper Zeil".

Kaufhof will Stellen streichen

HBC steckt schon länger in der Krise. Im Herbst hatten sich die Kanadier von ihrem Chef Jerry Storch getrennt. Seinen Posten übernimmt ab dem 19. Februar Helena Foulkes, die von der Drogeriemarktkette CVS zu HBC wechselt.

Unterdessen gab die ebenfalls krisengeschüttelte Warenhauskette bekannt, bis 2020 etwa 400 der rund 1.600 Arbeitsplätze in der Kölner Konzernzentrale streichen zu wollen. Neuwald sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", ein Personalabbau sei unumgänglich. Das Unternehmen brauche eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur. Derzeit seien die Kosten noch viel höher als bei den Wettbewerbern.

Neuwald warnte im Gespräch mit "Bild": Sollte Verdi beim Tarifvertrag für die 21.000 Beschäftigten nicht zu Einschnitten bei Lohn, Urlaubs- und Weihnachtsgeld bereit sein, seien weitere Jobs in Gefahr.

Erleichterung beim Städtebund

Dass der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof gescheitert ist, hat beim Deutschen Städte- und Gemeindebund für Erleichterung gesorgt.

Karstadt-Eigentümer René Benko hätte nach der Übernahme des Konkurrenten Kaufhof vermutlich etliche Warenhäuser geschlossen, ist Städtebauexperte Norbert Portz überzeugt. Das hätte massive Auswirkungen auf die betroffenen Zentren gehabt. "Die Warenhäuser sind die Flaggschiffe unserer Innenstädte mit einer Ausstrahlung weit über den Handel hinaus", so Portz,. Das Wegbrechen dieser Häuser könne gerade in strukturschwachen Gemeinden das Veröden forcieren.

Schlagworte zum Thema:  Handelsimmobilien, Übernahme, Einzelhandel

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