Typengenehmigung: Hessen lockert Bauordnung

Der Wohnungsbau mit vorgefertigten Serienteilen im Baukastenprinzip wird in Hessen ab sofort einfacher sein. Der Landtag hat am 28. Mai mit großer Mehrheit zugestimmt, dass die sogenannte Typengenehmigung in die Musterbauordnung (MBO) aufgenommen wird.

Durch die Änderung der Bauordnung werden Genehmigungsverfahren von Wohnungen in Zukunft erleichtert und beschleunigt. "Mit der Typengenehmigung darf ein einmal genehmigter Haustyp an verschiedenen Orten gebaut werden, ohne dass das komplette Baugenehmigungsverfahren nochmal durchlaufen werden muss – egal ob in Frankfurt, Wetzlar oder Kassel", erklärte Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest). Das führe in der Praxis zum schnelleren Bau dringend benötigter Wohnungen in Hessen.

Beschlossen hat der Landtag in Wiesbaden am Donnerstag auch, dass Mobilfunkmasten künftig bis zu einer Höhe von 15 Metern keine Baugenehmigung mehr brauchen. Bislang lag die Beschränkung bei zehn Metern. Weiterhin werden die Abstandsregeln bei der Aufstellung von Masten gelockert, um die Digitalisierung in Hessen voranzutreiben. "Es sind zwei kleine, aber für die Entwicklung unseres Landes sehr wichtige Änderungen der Hessischen Bauordnung", sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) im Hessischen Landtag.

Serielles und modulares Bauen von Wohnungen

Im Februar 2019 war auf Beschluss der Bauministerkonferenz § 72a in die Musterbauordnung (MBO) eingefügt worden, in dem es heißt: "[D]ie Typengenehmigung [kann] auch für Gebäude erteilt werden [...], die in unterschiedlicher Ausführung, aber nach einem bestimmten System und aus bestimmten Bauteilen an mehreren Stellen errichtet werden sollen." Einen entsprechenden Gesetzesentwurf zur Änderung der Hessischen Bauordnung (HBO) hatten CDU und Grüne im Landtag am 11. Dezember eingebracht. Im Juni 2019 hatte bereits Rheinland-Pfalz die Typenbaugenehmigung in die Landesbauordnung aufgenommen, im Oktober folgte Schleswig-Holstein.

Hessen benötigt nach Angaben der Regierung möglichst schnell mehr bezahlbaren Wohnraum. Die bereits vorhandenen Möglichkeiten der Genehmigungsfreistellung und des vereinfachten Baugenehmigungsverfahrens werden alleine als nicht ausreichend bewertet, um die Schaffung von Wohnraum zu beschleunigen.

GdW-Rahmenvereinbarung: kwb hat in Idstein (Hessen) eine Vorreiterrolle

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW hatte 2018 mit dem Bundesbauministerium, der Deutschen Bauindustrie und der Bundesarchitektenkammer eine Rahmenvereinbarung für serielles und modulares Bauen zum seriellen und modularen Bauen ins Leben gerufen.

Im April 2019 begann auf Grundlage dieser Rahmenvereinbarung die Kommunale Wohnungsbau GmbH Rheingau-Taunus (kwb) in Idstein (Hessen) im Zuge der Nachverdichtung mit dem Bau von neun Wohneinheiten. Die Projekte sind Teil einer größer angelegten Wohnraumoffensive in der Region, bei der die kwb insgesamt fast 200 neue Sozialwohnungen baute. Die kwb war das bis dato erste Unternehmen, das die Rahmenvereinbarung umsetzte.

Der private Wohnungskonzern Vonovia hat unter anderem in Dresden bereits kostengünstige und dennoch qualitativ hochwertige Wohngebäude in Modulbauweise realisiert, mit Satteldächern und außergewöhnlichen Grundrissen, die dem Klischee widersprechen. Auf dem Gelände waren zuvor mehrere Ex-DDR-Plattenbauten rückgebaut worden.


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dpa
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