Serielles Bauen: Die Typengenehmigung in Hessen kommt

Anfang des Jahres wurde die Typengenehmigung in die Musterbauordnung (MBO) aufgenommen. Sie regelt das serielle und modulare Bauen von Wohnungen. Nach Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein integriert nun Hessen die Genehmigungspraxis in die Landesbauordnung. Ein Gesetzentwurf liegt vor.

Im Februar 2019 wurde auf Beschluss der Bauministerkonferenz § 72a in die MBO eingefügt, worin es heißt, dass "die Typengenehmigung auch für Gebäude erteilt werden kann, die in unterschiedlicher Ausführung, aber nach einem bestimmten System und aus bestimmten Bauteilen an mehreren Stellen errichtet werden sollen".

Die Wohnungswirtschaft hatte damals an alle 16 Bundesländer appelliert, die neue Richtlinie zügig in die Landesbauordnungen (LBO) zu übernehmen. Im Juni hat Rheinland-Pfalz die Typenbaugenehmigung in die Landesbauordnung aufgenommen, im Oktober folgte Schleswig-Holstein. CDU und Grüne brachten am 11. Dezember einen entsprechenden Gesetzesentwurf zur Änderung der Hessischen Bauordnung (HBO) ein.

Typengenehmigung in Hessen: Regierung will Bauen mit Fertigteilen erleichtern

Die Förderung von seriellem und modularem Bauen werde helfen, den Wohnungsbau zu beschleunigen, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Mit der Aufnahme von Typengenehmigungen in die HBO würden Genehmigungsverfahren vereinfacht. Das Vorhaben traf bei den Oppositionsparteien nur teilweise auf Zustimmung.

Hessen benötigt nach Angaben der Regierung möglichst schnell mehr bezahlbaren Wohnraum. Die bereits vorhandenen Möglichkeiten der Genehmigungsfreistellung und des vereinfachten Baugenehmigungsverfahrens werden alleine als nicht ausreichend bewertet, um die Schaffung von Wohnraum zu beschleunigen. Mit der Einführung der Typengenehmigung könnten Baugenehmigungsverfahren verkürzt und Kosten eingespart werden. Das gelte für vorgefertigte Häuser oder Baueinheiten 'von der Stange' und decke viele Vorgaben ab, die dann bei der Genehmigung eines konkreten Vorhabens nicht mehr geprüft werden müssten, sagte Al-Wazir.

"Modulares Bauen ist ein Beitrag, mehr Wohneinheiten schneller fertigzustellen. Dafür machen wir den Weg frei." Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne)

Der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest) begrüßte die Gesetzesinitiative, die Typengenehmigung in die Hessische Bauordnung aufzunehmen. "Hiermit wird eine langjährige Forderung unseres Verbandes aufgenommen", sagt Dr. Axel Tausendpfund, Verbandsdirektor des VdW Südwest, und ein Beitrag zur Schaffung von mehr bezahlbaren Wohnungen geleistet.

GdW-Rahmenvereinbarung: kwb übernimmt in Idstein (Hessen) eine Vorreiterrolle

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW hatte 2018 mit dem Bundesbauministerium, der Deutschen Bauindustrie und der Bundesarchitektenkammer eine Rahmenvereinbarung für serielles und modulares Bauen zum seriellen und modularen Bauen ins Leben gerufen.

Im April 2019 begann auf Grundlage dieser Rahmenvereinbarung die Kommunale Wohnungsbau GmbH Rheingau-Taunus (kwb) in Idstein (Hessen) im Zuge der Nachverdichtung mit dem Bau von neun Wohneinheiten. Die Projekte sind Teil einer größer angelegten Wohnraumoffensive in der Region, bei der die kwb insgesamt fast 200 neue Sozialwohnungen schafft. Die kwb war das bis dato erste Unternehmen, das die Rahmenvereinbarung umsetzte.

"Es entsteht zeitgemäßer Wohnraum, der sich in Optik und Nutzung nicht von Mehrfamilienhäusern herkömmlicher, ebenfalls massiver Bauweise unterscheidet. Wenn überhaupt ist er moderner und häufig sogar optisch ansprechender. Eben Haute Couture vom Band", sagte GdW-Chef Axel Gedaschko.

Serielles und modulares Bauen als Schlüssel für bezahlbaren Wohnungsbau?

In Deutschland werden jährlich etwa 400.000 Wohnungen benötigt, um den Bedarf zu befriedigen. Typenbauten wären eine Möglichkeit, zügig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Bundespolitik hat die Dringlichkeit erkannt: "Dem Bund ist es wichtig, das serielle und modulare Bauen zu fördern", sagte unlängst Anne Katrin Bohle (parteilos), Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Und auch die Berliner FDP setzt sich für die Typengenehmigung als Mittel gegen Wohnungsknappheit und steigende Mieten in Berlin ein. "Mit Hilfe von Typengenehmigungen können Wohnungsbauvorhaben deutlich beschleunigt werden", sagte FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja nachdem das Genehmigungsverfahren bereits in die MBO aufgenommen worden war.


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