Bei der Hamburger Baugenossenschaft dhu läuft es rund – Baulandknappheit und steigenden Preisen zum Trotz. Das mag auch daran liegen, dass sie Aufgabe und Ziel eher ganzheitlich betrachtet und bei Vorhaben über das eigene Grundstück hinaus schaut.

Frank Seeger ist guter Dinge. "Im Moment läuft es super", sagt der Vorstand der Hamburger Baugenossenschaft dhu. "So kann es weitergehen."

Derzeit baut das mehr als 90 Jahre alte Unternehmen an etwa 300 Wohneinheiten, nahezu alle sind öffentlich gefördert. Gerade haben Seeger und sein Team ein Konzeptverfahren für eine Baulandvergabe im gefragten Stadtteil Barmbek gewonnen, ein Architekturwettbewerb zur Gestaltung des Ensembles läuft. Im Bestand modernisiert man behutsam, achtet bei den etwa 300 Mieterwechseln pro Jahr darauf, dass die soziale und altersmäßige Mischung stimmt – und "die Bewohner sind zufrieden", hält Seeger fest.

Miteinander fördern: Nachbarschaftstreffs und Tagespflege

Damit hat der Vorstand mit wenigen Worten das Fundament seiner guten Laune enthüllt: Wo das Wohlbefinden und Miteinander von Mitgliedern (und damit Mietern) der geltende Maßstab sind, fällt einer Genossenschaft per Gründungsauftrag das Abstecken von Zielen leichter als einer Gesellschaft, die Aktionären oder einem Fonds verpflichtet ist.

Auch er bemerke, dass das Bauland in bestimmten Lagen knapper und teurer werde, sagt Seeger beispielsweise. Auf Grundstücke und Ausschreibungen, die im Anblick der Kosten irrational erscheinen, verzichte man eben. Stattdessen wirbt der Genossenschaftsvorstand für die seiner Meinung nach zu wenig beachtete Großsiedlung Mümmelmannsberg im Stadtteil Billstedt im Osten Hamburgs, wo man hochwertig, bezahlbar und inzwischen auch in recht durchmischter Nachbarschaft leben könne.

"Da wohnen tolle Menschen", sagt Seeger. Unter die älteren Einheimischen hätten sich jüngere Rückkehrer gemischt, die bisweilen in Mümmelmannsberg aufgewachsen sind und keine Vorbehalte gegenüber dem Viertel hegen. Um dieses Miteinander zu fördern, hat die Genossenschaft im Frühjahr ein Quartiershaus eröffnet, das Angebote eines Nachbarschaftstreffs mit Tagespflege-Plätzen kombiniert.

Kooperationsvertrag für geförderte Wohnungen

Auch in ihren weiteren, quer über Hamburg verteilten Beständen achtet die dhu auf eine gemischte Bewohnerschaft – so hat sie es vertraglich mit der Freien und Hansestadt Hamburg vereinbart. Der seit sechs Jahren währende Kooperationsvertrag sieht vor, dass ein gewisser, jährlich neu errechneter Prozentsatz an geförderten Wohnungen an Menschen ohne Berechtigungsschein vergeben wird. Im Gegenzug ziehen in andere, frei zu vergebende Wohnungen bedürftige Menschen.

"Das führt dazu, dass geförderte Bauvorhaben nicht stigmatisiert werden", Frank Seeger, Vorstand der dhu

Bei den Neubauprojekten, die die Genossenschaft derzeit auf Bestands- oder städtischen Grundstücken verwirklicht, setzt sie auf eine frühzeitige Vernetzung im Quartier. "Wir schauen links und rechts von uns und fragen, was wir gemeinsam auf die Beine stellen können", so Seeger. Im Moment tüftele man an einer objektübergreifenden Mobilitätslösung mit gemeinsamen Carsharing-Angeboten. Natürlich sei ein solches Vorgehen aufwendig, bekennt der Vorstand, zudem seien die Ergebnisse kaum greifbar zu messen. "Man merkt es dann eben vor allem an den zufriedenen Mitgliedern."

Konzeptverfahren: konkreter Preis statt Punktesystem?

Mit viel Mühe verbunden war auch das erwähnte Konzeptverfahren. Vier Monate saßen die Planer in der Genossenschaft mit Experten aus Bau und Planung zusammen, um ein Miteinander von Wohnen und Arbeiten zu entwerfen, das sich in Grundrissen im Haus sowie im Ensemble gleichermaßen widerspiegelt. Erschwerend sei hinzugekommen, dass Hamburg solche Vergaben über ein Punktesystem organisiert – knapp ein Drittel der Punkte bestimme der Preis, und man wisse nicht, wie viel Mitbewerber ansetzen.

Besser fände er, wenn das Land einen konkreten Preis vorgeben würde und das beste Angebot zu diesen Bedingungen einfordert.

Digitalstrategie wird vorangetrieben

Bis die ersten Genossenschaftsmitglieder laut Planung Ende 2022 einziehen, dürften sich derweil weitere Projekte etabliert haben, die die dhu derzeit auf- und ausbaut. Eine eigens gegründete Tochtergesellschaft soll als Teil der Digitalstrategie beispielsweise eigenständig Abrechnungen durchführen.

Mit entsprechenden Endgeräten und den Möglichkeiten einer Erweiterten Realität werde es so vielleicht in absehbarer Zeit möglich, Wohnungsbegehungen und Mietvertragsabschlüsse ortsunabhängig zu organisieren, entwirft Seeger seine Vision. "Dann kommen unsere Mitarbeiter zu den Interessenten in die Wohnung und so etwas wie Öffnungszeiten in unserer Geschäftsstelle werden komplett überflüssig."

Lesen Sie auch die anderen Teile der Serie:

Teil 1: Digitalisieren für den Mehrwert: Die Wohnungsgenossenschaft Neue Lübecker

Teil 2: Alles andere als konservativ: Die katholische Joseph-Stiftung

Teil 3: Nassauische Heimstätte/Wohnstadt: Geburtshelfer für Startups

Teil 4: Berliner Degewo: Ein Haus für die Zukunft

Teil 5: Kommunale Wohnungsgesellschaft Erfurt: Innovation in Serie

Teil 6: Spar- und Bauverein Dortmund: Nachhaltigkeit als Fundament und Rahmen

Teil 7: Hilfswerk-Siedlung GmbH: Im Einklang mit der Schöpfung