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Expo Real 2016: Die Suche nach Alternativen

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Drei Tage zeigte sich die Branche Anfang Oktober auf der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München. Neben dem Brexit drehten sich die Diskussionen vor allem um die anhaltende Niedrigzinsphase, die angespannten Wohnungsmärkte in Ballungszentren, die neuen Strategien der Stadtentwicklung und die Herausforderungen der Digitalisierung. Dass die Bedeutung der Expo Real wächst, zeigte die Zahl der Aussteller: Mit 1.764 waren es 3,3 Prozent mehr als 2015.

Natürlich sorge der Brexit potenziell für Verschiebungen, die das Umfeld für Investitionen komplexer machen, sagte Mahdi Mokrane, Head of European Research & Strategy, LaSalle Investment Management Great Britain. Es sei jedoch viel zu früh, um sagen zu können, was passieren werde.

Bisher keinen Einfluss des Brexits auf den deutschen Gewerbeimmobilienmarkt registrierte Andreas Völker, Geschäftsführer von BNPPRE. Deutschland gelte insbesondere bei ausländischen Investoren einmal mehr als sicherer Hafen mit positiver konjunktureller Entwicklung und guten Fundamentaldaten. Das sehen auch andere Studienautoren so.

Zum Video: Nachbericht "Expo Real 2016"

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Preisrallye auf dem Investmentmarkt setzt sich fort

Auf dem Investmentmarkt setzt sich die Preisrallye fort. Die Niedrigzinsphase, die nach Einschätzung vieler Experten wohl doch deutlich über das Jahr 2017 hinausreichen wird, und die hohe Marktliquidität erhöhen den Anlagedruck.

Bei Bieterverfahren sind Vervielfältiger bis zum 25-Fachen der Jahresmiete keine Seltenheit mehr, berichtete etwa Claudia Hoyer, COO der TAG Immobilien AG, beim Expertentalk von Engel & Völkers Investment Consulting. Das Beratungshaus BNPPRE ermittelte für die ersten drei Quartale einen Rückgang des Transaktionsvolumens um 29,7 Prozent auf rund 40 Milliarden Euro. Das Nadelöhr: „Das Angebot an guten Produkten ist zu gering, insbesondere im großvolumigen Bereich“, konstatierte Andreas Völker, Geschäftsführer von BNPPRE.

Zahlreiche Gesprächsrunden auf der Messe drehten sich daher um mögliche Alternativen für Investoren. Dabei bewegen sich die Strategien je nach Renditeerwartung und Nutzungsart zwischen einem Ausweichen in B- und C-Standorte und der Diversifikation in Nischenprodukte wie Pflegeheime, Studentenwohnungen oder Hotels. Die zunehmende Attraktivität dieser Spezialimmobilien spiegelte sich auch in eigenständigen Messeauftritten.



Ein weiteres großes Thema: die Digitalisierung

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Das stellte EU-Kommissar Günther Oettinger in einer Diskussionsrunde der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immobilienwirtschaft (BID) fest. Über die Planung hinaus müsse die Digitalisierung innerhalb der kompletten Wertschöpfungskette von Immobilien verankert werden.

„Die Immobilienwirtschaft sucht noch nach Lösungen, die in anderen Branchen bereits üblich sind“, bestätigte Erik Marienfeldt, Geschäftsführer der HIH Real Estate. In erster Linie gehe es darum, mit der Digitalisierung Mehrwerte im Unternehmen zu schaffen. „Um digitale Prozesse zu optimieren, bedarf es einheitlicher Standards bei der Erfassung, der Auswertung und dem Austausch von Daten“, sagte Jochen Schenk, Vorstand der Real I.S. AG. Ohne diese ließen sich Informations- und Zeitverluste an den Schnittstellen zwischen den einzelnen Beteiligten nicht vermeiden. Vor allem etablierte Unternehmen hinken hier noch hinterher.

Unter dem Motto „Auf dem Weg zur Modellregion für intelligent vernetzte Infrastrukturen“ spielte das Thema auch bei der Metropolregion Rhein-Neckar eine Rolle. Sie dient als Erprobungsraum für neue technologische Konzepte, in dem Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Politik zusammenarbeiten. Mit der Digitalisierung der Immobilienbranche und den Chancen, die diese bietet, befasste sich auch ein Symposium der Fachzeitschrift "Immobilienwirtschaft" auf der Expo Real 2016.

Auch Trend zur Urbanisierung braucht neue Konzepte

Der Trend zur Urbanisierung und die hohen Zuwanderungszahlen führen in vielen Ballungszentren zur Auflage neuer Konzepte und Strategien der Stadtentwicklung. Die Städte setzen dabei vor allem auf Nachverdichtung, vertikales Wachstum, Konversion und das Branding weniger nachgefragter Stadtteile. Das Maklerhaus Aengevelt etwa hat sich ausführlich mit dem Thema der nachhaltigen Unterbringung von Zuwanderern unter dem Motto „Preiswertes Bauen für mietgünstiges Wohnen“ beschäftigt.

Frankfurt stellte auf der Expo Real die Rekonstruktion und Neugestaltung des Dom-Römer-Areals vor, mit dem die Stadt bis 2018 ihre alte Mitte mit neuer Identität wieder errichtet und das Wohnen in die Altstadt zurückholen will. Daneben gilt Frankfurt mit der markanten Hochhausskyline als Vorreiter für das vertikale Wachstum. Alleine auf dem Deutsche-Bank-Areal entstehen vier neue Hochhäuser. Diesen Bereich will auch Hamburg künftig stärker in den Fokus nehmen. So sind an der östlichsten Spitze im Quartier Elbbrücken in der HafenCity bis zu drei Hochhäuser geplant.

Die Attraktivität Nürnbergs als Investitions- und Wohnstandort führt dort wie auch in anderen Zentren zu einer zunehmenden Nutzungskonkurrenz zwischen Gewerbe, Wohnen sowie Grün- und Freiräumen. „Das erfordert einen bewussten Umgang mit den vorhandenen Flächenpotenzialen. Mit dem Handlungsprogramm ,Wohnen 2025‘ und der Entwicklung eines ,Masterplans Gewerbeflächen‘ sichern wir die Zukunft Nürnbergs als Standort zum Wohnen und Arbeiten“, sagte Nürnbergs Wirtschaftsreferent Michael Fraas.

Hochburg für die Konversion ehemals militärisch genutzter Flächen ist Mannheim: Die Stadt stellte auf der Expo Real ihre Konzepte für die rund 500 Hektar Flächen vor, die in den kommenden Jahren für eine Umnutzung bereitstehen.

Weitere Video-Interviews:

Zum Video: Michael Schmid, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Services GmbH

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Michael Schmid, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Services GmbH, im Interview unter anderem über grüne Dienstleistungen im Facility Management: "Wir fokussieren uns auf grüne Linien in der Gebäudereinigung, der Technik und im Energiebereich. Ökologie spielt für die DB eine zunehmend große Rolle."


Zum Video: Alexandre Grellier, CEO der Drooms GmbH

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Alexandre Grellier, CEO der Drooms GmbH, im Interview unter anderem über Sicherheitsaspekte beim transaktionsbegleitenden Einsatz von Datenräumen: "Die Daten in unserem neuen Datenraum Drooms NXG sind komplett verschlüsselt. Selbst wenn jemand unseren Dienst hacken sollte, käme er nicht an Klardaten."

Schlagworte zum Thema:  Expo Real, Messe, Immobilienmesse

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