Qualifizierte Makler und Verwalter sichern den Ruf der Branche – die Weiterbildungsmöglichkeiten sind vielfältig Bild: Gabriele Bobka

Die Bundesregierung will mit einem neuen Gesetz die Dienstleistungen von Immobilienmaklern und WEG-Verwaltern verbessern. Die Wirtschaft äußert sich kritisch zum Entwurf, die Branche fordert Ergänzungen und der Gesetzgeber steht unter Zeitdruck: Sollte das Gesetz nicht vor der Bundestagswahl am 24. September verabschiedet werden, ist es fraglich, ob es erneut aufgegriffen wird. Fraglich ist auch, inwieweit Kurzausbildungen vom Markt akzeptiert werden.

Bisher gilt als Voraussetzung für Immobilienmakler nur die erforderliche Zuverlässigkeit und das Vorliegen geordneter Vermögensverhältnisse. Das Verwalten von Wohneigentum unterliegt jedoch keiner Erlaubnispflicht für die Ausübung des Berufs.

Der Gesetzentwurf besteht aus zwei Teilen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Kraft treten sollen: einer Änderung der Gewerbeordnung und einer Ermächtigung zum Erlass einer Rechtsverordnung, die dann die konkreten Inhalte des Sachkundenachweises und die Anerkennung gleichwertiger Abschlüsse regelt.

Sollte der Entwurf nicht bis zur Bundestagswahl verabschiedet werden, ist es fraglich, ob er noch einmal aufgegriffen wird Bild: Deutscher Bundestag / Thomas Trutschel/photothek.net

Verbände sehen Ergänzungsbedarf

„Für Verbraucher schafft die Berufszulassungsregelung eine neue Form der Transparenz, die darin enthaltenen Mindeststandards sind ein guter Anhaltspunkt für die Qualität der Dienstleistung“, sagt Stephan Rabe, Geschäftsführer des Zentralen Immobilien Ausschusses ZIA. Wichtig sei, dass die Mindeststandards des Sach- und Fachkundenachweises nicht dem kleinsten gemeinsamen Nenner entsprechen, sondern dem tatsächlichen Anforderungsprofil der auszuübenden Tätigkeit.

"Die Zulassungsregelung sollte sich daher an den Inhalten des Berufsabschlusses des Immobilienkaufmanns orientieren, der sich in der Praxis bewährt hat", sagt Rabe.

Zudem würden verbindliche Leitlinien und klare Richtlinien für die Anerkennung von unterschiedlichen Zertifikaten benötigt. „Trotz der unbestrittenen Erforderlichkeit einer Berufszulassungsregelung für Verwalter und Makler müssen Bürokratie und Überregulierung vermieden werden“, heißt es seitens des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW).

Die Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) setzt auf die Selbstregulierung ihrer Mitglieder. „Die RICS hat auf der Mipim neue Vorgaben für die strengere Ahndung von Interessenkonflikten mit der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese gelten weltweit und müssen ab 1.1.2018 von allen RICS 'regulated firms‘ und Mitgliedern befolgt werden", sagt Martin Eberhardt, Vorstandsvorsitzender der RICS Deutschland. In Großbritannien hat die RICS zudem eine Selbstverpflichtung für den Gewerbeimmobilieninvestmentmarkt veröffentlicht, der die kontroverse Praxis der Doppelbeauftragung verbietet. "Dies wünschen wir uns auch vom Gesetzgeber in Deutschland“, so Eberhardt weiter.

„Der Verkauf, die Vermittlung und Verwaltung von Immobilien gehören in die Hände von Profis“, sagt Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD.

Der Verband plädiert zudem für eine Berufshaftpflichtversicherung für Makler, die Erlaubnispflicht für Mietverwalter und die Beibehaltung des Bestandsschutzes. Neben den Industrie- und Handelskammern sollten auch Dritte die Möglichkeit erhalten, eine Sachkundeprüfung abzunehmen.

Der Deutsche Mieterbund (DMB) fordert darüber hinaus die Abschaffung der „Alten-Hasen-Regelung“. Die Dauer einer beruflichen Tätigkeit allein besage nichts über die Sachkunde. Weiteren Ergänzungsbedarf sieht der DDIV. Er fordert die Ausdehnung des Sachkundenachweises auf Mitarbeiter, die mit der WEG- und Mietverwaltung betraut sind, die Einführung einer Weiterbildungspflicht und die Ausdehnung der Bestandsschutzregelung von sechs auf mindestens zehn Jahre.

Zustimmung bei den Unternehmen

„Wieso sollte die Berufszulassung für einen Versicherungsmakler, der eine Haftpflichtversicherung für 60 Euro vermittelt, notwendig sein, für einen Wohnungseigentumsverwalter, der ein Vermögen von mehreren zehntausend Euro verwaltet, jedoch nicht?“, stellt Sascha Seeber, Geschäftsführer des Esslinger Unternehmens Buchta Hausverwaltungen, fest. Für einen Verbraucher sei die Qualifizierung eines Verwalters schwierig zu erkennen. „Meist entscheidet die Höhe der Verwaltervergütung“, so Seeber.

Ein qualifizierter Verwalter könne der Gemeinschaft jedoch sinnvolle Möglichkeiten zum Werterhalt der Immobilie aufzeigen. Der Sachkundenachweis sei notwendig und unverzichtbar. "Makler und Verwalter gehen mit großen Vermögenswerten von Menschen um, ohne dass bisher ein Nachweis der Sachkunde dafür erforderlich ist“, sagt Dirk Schemmer, Immobilienwirt (DIA) und Diplom-Sachverständiger (DIA), der in Freiburg ein Immobilien- und Sachverständigenbüro betreibt.

"Eine falsche oder schlechte Beratung kann ausreichen, um einen Kunden zu ruinieren", so Schemmer.

Ein Sachkundenachweis, der mindestens auf dem Niveau des Immobilienkaufmanns basiere, sichere einen besseren Verbraucherschutz und verbessere den Ruf der Branche. „Sieht die Zulassungsregelung jedoch nur eine Schmalspurausbildung über zwei bis drei Wochenenden vor, bleibt das Gesetz ein zahnloser Papiertiger“, sagt Schemmer.

Ein Sachkundenachweis mindestens auf dem Niveau des Immobilienkaufmanns sichert bereits den Verbraucherschutz Bild: Corbis

„Als professioneller Immobiliendienstleister beschäftigen wir ausschließlich weit überdurchschnittlich qualifizierte Mitarbeiter mit immobilienwirtschaftlichem Schwerpunkt. Wir gehen daher davon aus, auch in Zukunft die geforderten Qualifikationen nachweisen zu können“, heißt es beim Immobilienberater JLL. Das Unternehmen zeigt sich überzeugt davon, dass Hochschulabschlüsse mit immobilienwirtschaftlichem Schwerpunkt mindestens einem IHK-Abschluss gleichzusetzen sind, und hofft, dass diese Studiengänge durch die maßgeblichen Regelungen als Nachweis der Sachkunde anerkannt werden.

„Das Inkrafttreten der Neuregelung wird das zuweilen schlechte Bild der Branche langfristig ins positive Licht rücken“, sagt Sven Odia, Vorstandschef von Engel & Völkers.

Der Sachkundenachweis in Deutschland sei ein absolutes Muss. Das Unternehmen setze sich bereits durch eine Kooperation mit der IHK Hannover für den zertifizierten Abschluss „Immobilienberater IHK“ ein und biete in der hauseigenen Akademie umfangreiche Aus- und Weiterbildung an.

„Der Sachkundenachweis steht im Kontext unserer jahrzehntelangen Arbeit aus gezielten Brancheninnovationen und akademischen Aus- und Fortbildungsoffensiven unter anderem als Gründungsstifter der Immobilienlehrstühle an der European Business School (ebs) und der Universität Regensburg (IREBS).

"Wer anspruchsvolle Qualifizierung, Compliance und Transparenz scheut, hat schon heute keine Zukunft“, lautet das Fazit von Wulff Aengevelt, geschäftsführender Gesellschafter von Aengevelt Immobilien.

Die Schwerpunkte haben sich in Richtung akademischer Qualifizierung verschoben. Bild: Corbis

Keine Light Version in der Ausbildung

Das Niveau, das zum Nachweis der Sachkunde erforderlich ist, steht aktuell noch nicht fest. Der Weg zum Immobilienkaufmann IHK führt in der Regel über eine dreijährige duale Ausbildung. Die Ausbildung zum Fachkaufmann für die Verwaltung von Wohnungseigentum (IHK) dauert in der Regel ein Jahr und setzt eine abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung und Berufspraxis in der WEG-Verwaltung voraus.

Daneben gibt es, insbesondere im Bereich der Immobilienmakler, eine große Bandbreite von Aus- und Weiterbildungsangeboten, deren Inhalte und Niveau sich – trotz gleich oder ähnlich formulierter Abschlusstitel – deutlich unterscheiden. Für den Gesetzgeber gilt es daher, in der Rechtsverordnung ein klares Curriculum zu formulieren.

Mit einer Light-Ausbildung dürfte das Ziel eines besseren Verbraucherschutzes kaum zu erreichen sein.

Professionalisierung durch Bildung

„WEG-Verwalter und gewerblicher Immobilienmakler bilden eine Schnittstelle zwischen Mietern, Eigentümern, Behörden und Dienstleistern. Ihrer Tätigkeit kommt eine hohe wirtschaftliche und soziale Verantwortung zu. Aus Sicht der BBA ist es daher nur konsequent, das Berufsbild mit Hilfe eines Sachkundeausweises zu professionalisieren.

Um den kontinuierlich steigenden Ansprüchen der Professionalisierung gerecht zu werden, hat die BBA bereits vor Jahren mit jeweils einem Angebot zum ,WEG-Spezialisten‘ und zum ,Qualifizierten Immobilienmakler‘ reagiert. "Unser Anspruch ist es, beide Lehrgänge nach der Verabschiedung des Gesetzes im neuen Gewand anzubieten“, sagt Hans-Michael Brey, geschäftsführender Vorstand der BBA-Akademie der Immobilienwirtschaft.

„Immobilienmakler benötigen Kenntnisse in den Segmenten Volks- und Betriebswirtschaft, Recht, Management und ein Grundverständnis von Immobilienbewertung. WEG-Verwalter benötigen ähnliche Kenntnisse und sollten Grundkenntnisse im Property Management und Facility Management mitbringen“, erläutert Professor Tobias Just, wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer der IREBS Immobilienakademie. Viele dieser Inhalte gehörten seit Jahrzehnten zum Rüstzeug im Kontaktstudium zum Immobilienökonom.

„Mit der geplanten Einführung eines Sachkundenachweises geht der Gesetzgeber in die richtige Richtung“, erläutert Professor Hanspeter Gondring, geschäftsführender Gesellschafter der ADI Akademie der Immobilienwirtschaft. Grundsätzlich stelle sich aber die Frage, ob der Qualifizierungsstand der Branche insgesamt ausreichend ist und tradierte Ausbildungswege wie der Immobilienkaufmann oder Immobilienfachwirt und berufsbegleitende nicht-akademische Abschlüsse wie der des Immobilienökonomen noch eine Zukunft haben.

„Diese Frage kann ich mit einem eindeutigen Ja beantworten", so Gondring weiter. Neueste Erhebungen wie die des DIHK bestätigten eine wachsende Unzufriedenheit deutscher Unternehmen mit dem akademischen Nachwuchs. "Vor diesem  Hintergrund erleben solide Studiengänge sowie die Ausbildung zum Immobilienkaufmann oder zum Immobilienökonomen eine wahre Renaissance.“

Nachtrag: Am 23.6.2017 hat der Bundestag das Gesetz verabschiedet., der Bundesrat hat am 22.9.2017 endgültig zugestimmt. Welche Neuerungen das Gesetz letztendlich bringt, lesen Sie in der News Berufszulassung für Immobilienverwalter ist endgültig beschlossen​​​​​​​​​​​​​​

Schlagworte zum Thema:  Sachkundenachweis, Immobilienmakler, WEG, Verwaltung, WEG-Verwalter, WEG-Verwaltung, Verwalter, Weiterbildung, Ausbildung, Berufliche Ausbildung, Duale Ausbildung

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