Russischer Discounter sucht Flächen in Ostdeutschland

Die erste Filiale des russischen Discounters Torgservis eröffnet am 29. Januar in Leipzig. Deutsche Tochter ist der Handelskonzern TS Markt. Die Billig-Supermärkte firmieren mit unterschiedlichen Namen, in Leipzig unter dem Label "Mere", und sollen in ganz Ostdeutschland etabliert werden.

Auf der Homepage kündigt das Handelsunternehmen TS Markt GmbH mit Sitz in Berlin an, dass zum Ausbau des Filialnetzes weitere Standorte gesucht werden. Vornehmlich in Ostdeutschland, in Ortslage oder in der Nähe von Industriegebieten mit guter Anbindung und behindertengerechtem Zugang, heißt es. Stellen sind in Berlin Zwickau bereits ausgeschrieben.

Die russische Konzernmutter betreibt Geschäfte unter den Namen Torgservis, Mere und Svetofor. Der erste deutsche Standort von Torgservis ist ausgerechnet ein ehemaliger Aldi-Markt. Die Einrichtung ist spartanisch, die Einkaufswagen und Paletten sind gebraucht gekauft. 

Russische Medien und deutsche Marktexperten spekulieren über Erfolg

In Russland wird Torgservis, gegründet im Jahr 2009, von einheimischen Medien als starker Discounter bezeichnet, "der in der Lage ist, auch mit mächtigen Handelsketten zu konkurrieren". Das Unternehmen soll in Osteuropa und Asien bereits 928 Filialen betreiben. Im Gegensatz zu Russland müsse Torgservis in Deutschland jedoch die hohen Standards des Lebensmittelgesetzes und die Anforderungen an die Lebensmittelqualität erfüllen und gleichzeitig aber Produkte zu erschwinglichen Preisen verkaufen, heißt es in den Berichten. Lebensmittel machen nach Angaben der deutschen Tochter TS Markt 70 Prozent des Sortiments aus. Der Rest ist Tierbedarf, Haushaltswaren, Drogerieartikel und Bekleidung.

Für den Marketingexperten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf ist es kein Zufall, dass die erste Filiale des russischen Discounters in Ostdeutschland eröffnet. Die Kaufkraft sei teilweise geringer, und es gebe mehr günstige Flächen als im Süden oder Westen Deutschlands. Doch auch er hat Zweifel, was die Erfolgsaussichten der Russen betrifft.

"Um als Discounter in dieser Branche erfolgreich zu sein, braucht man Masse, viele Filialen und eine große Nachfrage, um auch mit den Herstellern über niedrige Preise zu verhandeln. Selbst 100 Filialen reichen nicht aus." Marketingexperte Martin Fassnacht, WHU Düsseldorf

Hat der deutsche Einzelhandelsmarkt noch Kapazitäten für Ultra-Billig?

Der deutsche Einzelhandelsmarkt gilt als anspruchsvoll. Nicht nur der US-Konzern Wal-Mart hat in Deutschland ein Debakel erlebt, auch die französische Intermarché-Gruppe zog 2006 einen Schlussstrich unter ihr verlustreiches Deutschland-Engagement und verkaufte die Handelskette Spar an Edeka.

Ob es einen ausreichenden Markt für Ultra-Billig-Angebote in Deutschland gibt, ist zweifelhaft. Real ist mit dem Versuch gescheitert, eine Billigmarke einzuführen, deren erklärtes Ziel es war, die etablierten Discounter preislich zu unterbieten. Das Unternehmen hatte damals argumentiert, die Discounter hätten ihre Qualität immer weiter nach oben geschraubt, so dass darunter wieder Raum sei. Im vergangenen Jahr wurde das Projekt eingestellt.

Laut Matthias Queck von Retailytics, der Analystengruppe der "Lebensmittel Zeitung", können Branchenriesen wie Aldi und Lidl den Discounter Torgservis dann akzeptieren, wenn der Konkurrent günstiger bei geringerer Qualität wäre, nicht aber bei vergleichbarer Qualität.


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