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Impressionen der Unternehmerrunde haben wir für Sie in einem Video festgehalten. Bild: YouTube

In der Region FrankfurtRheinMain steigen Bevölkerungszahlen und Unternehmensansiedlungen seit Jahren. Die Folgen: Flächenknappheit, kletternde Kaufpreise und hohe Mieten. Wo liegen die Herausforderungen, was könnten Lösungen sein? Ein Roundtable-Gespräch mit vier Unternehmenslenkern aus Frankfurt. 

Zur Unternehmerrunde trafen sich: Oliver Schwebel, Geschäftsführer, Wirtschaftsförderung Frankfurt; Thomas Dries, Helaba, Bankdirektor, Immobilienfinanzierung; Fabian Klingler, Vorstand Immobilien, Aberdeen Asset Management; Dr. Constantin Westphal, Geschäftsführer, Nassauische Heimstätte; Laura Henkel, Redakteurin der „Immobilienwirtschaft“ (Moderation).

Herr Dr. Westphal, als landeseigenes Wohnungsunternehmen spielen Sie in einer anderen Liga als die private Immobilienwirtschaft. Wie kann sich die Nassauische Heimstätte bei der Vergabe von Bauland gegen Investoren durchsetzen, die höhere Preise bieten können?
Dr. Westphal: Wenn es über den Preis geht, gar nicht. Insofern spielen wir leider gar nicht in einer anderen Liga, sondern genau in derselben Liga wie alle anderen Marktteilnehmer aus der freien Wirtschaft. Wir haben auch nicht, weil das Land und die Stadt Gesellschafter sind, direkten Zugriff oder günstigere Konditionen auf Grundstücke.

"Unsere Größe ist unsere Chance." Dr. Constantin Westphal, Geschäftsführer, Nassauische Heimstätte

Wir haben beispielsweise das ehemalige Siemens-Niederlassungs-Quartier in Frankfurt gekauft mit 130.000 bis 140.000 Quadratmetern. Das sind Größenordnungen, in denen Mitbieter nicht mehr mitmachen. Zudem können wir weite Wege gehen. Wir fassen heute Grundstücke an, die wir früher mit der Beißzange nicht angefasst hätten. Über die Größe und über komplexere Projektentwicklungen haben wir eine Chance, uns am Markt zu behaupten.

30 Prozent geförderter Wohnungsbau als Vorgabe: Sinn oder Unsinn?

Frankfurts Baudezernent Mike Josef will das Wachstum sozial gestalten. So gilt in Frankfurt für die Neuaufstellung von Bebauungsplänen und bei der Vergabe oder Verlängerung von Erbbaurechtsgrundstücken im Geschosswohnungsbau eine Quote von 30 Prozent geförderter Wohnungsbau. Reicht das aus?

Schwebel: Das ist in der Tat eine schwierige Frage. Darüber haben sich schon viele Menschen kluge Gedanken gemacht. Schließlich hat die Stadt ein Interesse daran, dass in Frankfurt nicht nur ein spezielles Klientel wohnen kann, sondern auch Menschen, die ganz normalen Jobs nachgehen. Von daher, glaube ich, ist das schon ein richtiger Weg. Als Wirtschaftsförderer schauen wir aber nicht nur auf das Thema Wohnungsbau, sondern insbesondere auch auf Gewerbeflächenentwicklung. Diese bringt Arbeitsplätze und darf nicht in den Hintergrund geraten.

Dr. Westphal: Ich finde das auch eine gute Maßnahme. Aus Sicht der Nassauischen Heimstätte ermöglicht uns das natürlich, im Bieterverfahren eher erfolgreich zu sein, weil alle Bieter dann die gleichen Spielregeln haben.
Dries: Aus meiner Sicht macht das überhaupt keinen Sinn. Ich habe meine Zweifel, ob diese gezwungene Durchmischung aufgrund des sozialen Wohnungsbaus städtebaulich den Mehrwert bringt, den man erwartet. Ich plädiere zwar für den sozialen Wohnungsbau, aber man sollte darüber nachdenken, wie dogmatisch so etwas zur Anwendung gebracht werden muss.
Klingler: Ich widerspreche ein bisschen. Für die innerstädtische Qualität des Lebens ist eine Durchmischung sehr wichtig.

"Wenn die Erzieherin, die Krankenschwester, wenn der Assistenzarzt oder der Lehrer überhaupt keine Wohnung bekommen können, da, wo sie arbeiten, ist das ein Armutszeugnis für eine Stadt." Fabian Klingler, Vorstand Immobilien, Aberdeen Asset Management

Und nur in den Randlagen große geförderte Objekte zu bauen führt zu Ghetto-Bildung.
Schwebel: Es muss realistisch sein, was die Stadt fordert, und das hängt natürlich mit den Preisen zusammen, die der Investor für Grund und Boden bezahlt.
Dries: Es gibt ja nicht nur den ersten Förderweg, sondern auch das so genannte Mittelstandsprogramm und das kommunale Investitionsprogramm vom Land.

"Mir geht es tatsächlich mehr um die Art der Förderung, nicht darum, dass ich ein Problem darin sehe, dass wir in der Innenstadt geförderten Wohnungsbau betreiben." Thomas Dries, Helaba, Bankdirektor, Immobilienfinanzierung

Meines Erachtens muss dies gezielt und nicht dogmatisch stattfinden. Die Menschen, die ich dort sehen möchte, sollte ich auch dorthin bekommen und nicht abschrecken, weil einer sagt, bevor ich jetzt wieder sozial gefördert in der Innenstadt wohne, suche ich mir lieber weiter außerhalb eine Immobilie. Das ist das psychologische Moment aus meiner Sicht.


Weiteres Video zum Thema:

Immer mehr Menschen drängen in die Region Frankfurt/Rhein-Main. Neues Bauland ist knapp, die Preise explodieren. Wie trotzdem bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann, erklärt Dr. Constantin Westphal, Geschäftsführer der Nassauischen Heimstätte.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsmarkt, Stadtentwicklung, Interview, Wohnungsbau, Büro, Entwicklung

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