Eine ganz neue Entwicklung ist, dass Frankfurt einen weiteren Stadtteil plant mit bis zu 11.400 Wohnungen. 190 Hektar des insgesamt 550 Hektar großen Areals sind Bauland. Was bedeutet das für die Stadtentwicklung? Und welche weiteren Ansätze gibt es, mehr Wohnraum zu schaffen?

Die Stadt Frankfurt will einen neuen Stadtteil bauen. Ist die Entwicklung nur positiv zu bewerten und was muss bei der Erschließung beachtet werden?
Dr. Westphal: Da ich nicht Präsident des Bauernverbands bin, sehe ich in einem neuen Stadtteil nur Vorteile, wir würden dort gerne Grundstücke erwerben.
Klingler: Das Projekt muss gut städtebaulich geplant sein und die Infrastruktur muss auch mitgeliefert werden. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiges Thema. Das Gebiet muss attraktiv sein, um eine Bevölkerungsmischung hinzubekommen.
Schwebel: Frankfurt wird weiter wachsen, so sagen alle Prognosen. Der Standort schließt an die vorhandene Bebauung an und ist auch relativ gut erschließbar.

"Es darf natürlich auch keine 20 Jahre Planung geben, sonst hilft ein neuer Stadtteil auch nichts." Oliver Schwebel, Geschäftsführer, Wirtschaftsförderung Frankfurt

Kann Bürokonversion eine Lösung sein?

Herr Klingler, ist Bürokonversion, wie sie ja jetzt gerade in Frankfurt-Niederrad stattfindet, eine Möglichkeit, um an Flächen für Wohngebäude zu kommen?
Klingler: Grundsätzlich würde ich das bejahen. Es gibt natürlich bestimmte Probleme, nicht jedes Bürogebäude ist prädes­­tiniert, ein Wohnbauprojekt zu werden. Das zweite Thema ist das städtebauliche Konzept. Niederrad ist eine Bürostadt und eigentlich nicht als Wohnviertel entstanden.

"Es braucht schon eine städteplanerische Vision, wie eine wohnwirtschaftliche Umwidmung erfolgen kann." Fabian Klingler, Vorstand Immobilien, Aberdeen Asset Management

In anderen Stadtvierteln sieht es anders aus, nehmen wir beispielsweise das Westend oder Bornheim, wo Bürogebäude irgendwann mal entstanden sind, mitten im Wohnviertel. Dort ist es natürlich sehr sinnvoll, Objekte in eine wohnwirtschaftliche Nutzung zu überführen, wobei man hier in der Regel über kleine Volumen spricht. Insgesamt halten wir gemischte Nutzungen für sinnvoll. Das Konzept muss für uns als Investor einen nachhaltigen Aspekt haben. Schließlich haben wir Investoren, in der Regel Altersvorsorger, die 20 bis 30 Jahre lang investieren wollen.
Dr. Westphal: Tatsächlich ist das auch noch ein Pluspunkt der großen Player. Wenn es bei einer Entwicklung nicht nur über den Preis geht, sondern wenn die Kommune auch bestimmte städtebauliche Ziele verfolgt, haben große Player eine größere Chance. Denn wir bauen eben nicht nur eine Anzahl an Eigentumswohnungen und gehen wieder, sondern wir entwickeln das Quartier mit Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten und Schulen.

Neue gesetzliche Regelung "Urbanes Gebiet"

Wie stehen Sie zum neuen urbanen Gebiet, das in der Baunutzungsverordnung aufgenommen wurde? Reicht die gefundene gesetzliche Regelung aus oder ist sie nur ein erster Schritt?
Dr. Westphal: Das Wichtigste an dem urbanen Gebiet war die Anpassung der TA Lärm. Sonst wäre das von Anfang an eine Totgeburt geworden. Ich denke, in der jetzigen Konstellation ist es tatsächlich eine Möglichkeit, auch in der Nähe von Gewerbe oder eben mit Gewerbe gemeinsam zu bauen.

"Das ist auf jeden Fall der richtige Schritt in die richtige Richtung." Dr. Constantin Westphal, Geschäftsführer, Nassauische Heimstätte

Schwebel: Wir glauben auch, dass es ein guter Einstieg ist. Dies gilt nicht für vorhandene Gewerbegebiete, sondern für neue Bereiche, die man definieren kann, gerade im innerstädtischen Umfeld, aber das sollte nicht missbraucht werden, um reine Gewerbegebiete beispielsweise nachher in eine wie auch immer geartete Wohnnutzung umzuwandeln.
Klingler: Ich denke, man muss einfach sehen, wann es Sinn macht. Man hat dadurch mehr Möglichkeiten, zu integrieren und anzupassen.


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Impressionen der Unternehmerrunde haben wir für Sie in einem Video festgehalten