Die Kaufpreise für Büroimmobilien steigen in Frankfurt stärker als die Mieten. Was bedeutet das für den Büromarkt? Droht eine Überhitzungsgefahr? Und welchen Einfluss hat der Brexit?

Die Kaufpreise für Büroimmobilien laufen den Mieten davon, speziell im Neubau. Sehen Sie eine Überhitzungsgefahr?
Dries: Wenn wir das Mietpreiswachstum neben die Preisentwicklung legen, dann ist die Antwort ein klares Ja. Die Preise steigen stärker als die Mieten. Wenn Sie sich jetzt aber die Marktverfassung anschauen, muss man sich auch fragen, welche Handlungsopportunitäten die Investoren eigentlich noch haben. Das ist das Entscheidende und das ist eigentlich primär der Treiber für die Wertentwicklung. Sie haben ansonsten Investitionsmöglichkeiten, die liegen bei null oder Sie zahlen sogar Strafzinsen, wenn Sie Ihr Kapital irgendwo auf Konten liegen haben.

Struktureller Leerstand im Büromarkt wird bleiben

Klingler: Im Wohnungsmarkt wird derzeit stark investiert, gleichzeitig haben wir aber seitens der Mieter eine hohe Nachfrage. Die Gegenfrage ist daher: Wie viel Bürofläche wird tatsächlich nachgefragt? Wir haben nach wie vor strukturellen Leerstand im Bürobereich. Beim Frankfurter Markt müssen auch die Auswirkungen des Brexit berücksichtigt werden.

Der Brexit wird nicht den Büroleerstand von heute auf morgen auf null bringen. Fabian Klingler, Vorstand Immobilien, Aberdeen Asset Management

Und auf der anderen Seite darf ich auch nicht vergessen, dass es noch bestimmte Themen in der Bankkonsolidierung geben wird. Viele Flächen werden dann vermutlich frei. Am Ende des Tages bleibt man wahrscheinlich auf dem gleichen Niveau. Das heißt, es wird immer einen gewissen Leerstand im Bürobereich geben, und insofern steht auch immer die Frage im Raum, ob es einen Mietermarkt gibt.
Schwebel: Wir glauben, dass der Frankfurter Büromarkt sich weiterhin positiv entwickeln wird.

"Wir bauen jedes Jahr um die 100.000 Quadratmeter Leerstand ab. Jedes Jahr, kontinu­­­ierlich. Aber das bedeutet auch, dass wir immer noch so viel zur Verfügung haben, dass es keinen zu großen Druck auf den Mietpreis gibt." Oliver Schwebel, Geschäftsführer, Wirtschaftsförderung Frankfurt

Für das Ansiedlungs­geschäft ist es sehr positiv, weil wir international auf einen sehr günstigen Markt treffen. In London haben wir ungefähr das 3,5-Fache an Preisen, Paris liegt doppelt so hoch. Andererseits fehlen große Flächen in der Innenstadt. Deshalb glauben wir, dass sich in diesem Bereich auch der Neubau ganz positiv entwickelt.


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Impressionen der Unternehmerrunde haben wir für Sie in einem Video festgehalten