25 Finalisten sind bei dem vom Real Estate Innovation Network (REIN) initiierten REIN-Contest gegeneinander angetreten. In fünf Kategorien rangen die Startups um den besten Auftritt und das überzeugendste Konzept. Gewonnen hat eine Handvoll Jungunternehmen, die die internationale Stoßrichtung der Initiative belegen. Ein Preis ging nach Deutschland: Im Bereich "Market" setzten sich die Gründer des Hamburger Startups Tower360 durch.

Die Endrundenteilnehmer präsentierten ihre Geschäftsideen bei der Expo Real in München in den Sparten Invest, Market, Plan & Build, Manage & Operate sowie Smart City & Work. Zuvor hatten sich die Jungunternehmer in einem mehrstufigen Auswahlverfahren unter 1.600 Bewerbungen aus dem In- und Ausland durchgesetzt – ein deutlich stärkerer Zulauf  als noch im vergangenen Jahr, als die PropTech-Initiative erstmals zu dem "Innovation Contest" aufgerufen hatte.

Die internationale Ausrichtung belege dabei, dass Innovation kein speziell deutsches Thema sei, erklärt REIN-Initiator und -Gründer Wolfgang Moderegger. Viele Trends würden von international agierenden Unternehmen gesetzt. Dieser geweitete Fokus über den deutschsprachigen Raum sei es auch, der den REIN-Wettstreit von anderen Contests und Awards in der PropTech-Szene absetze.

Bei der Auswahl habe die Jury darüber hinaus Wert gelegt auf eine Bandbreite, die sich insgesamt am Lebenszyklus einer Immobilie orientiert, erklärte Moderegger.

Fünf Sparten, fünf Sieger – darunter ein deutsches Startup

Schweiz: In der Sparte "Invest" entschieden die Gründer von PriceHubble die Wettbewerbsrunde für sich. Das Schweizer Startup verarbeitet Big Data für verschiedene Anforderungen und Abläufe im Immobilienbereich und für unterschiedliche Zielgruppen. Im Messen mit anderen ist PriceHubble erfahren – die 2016 gegründete Firma zählte zuletzt zu den Finalisten eines Schweizer Startup-Wettbewerbs. PriceHubble setzte sich beim so genannten Battlefield am ersten Tag der Expo Real gegen Mitbewerber aus der Schweiz, Finnland und Deutschland durch – Letzteres war mit dem Freiburger Startup Geospin vertreten, das sich ebenfalls auf die Big-Data-Verarbeitung für Prozesse in der Immobilienwirtschaft spezialisiert hat.

Deutschland: Im Bereich "Market" setzten sich die Gründer von Tower360 gegen Konkurrenten aus Österreich, Großbritannien, Irland und Israel durch. Die Jungunternehmer mit Sitz in Hamburg haben sich zum Ziel gesetzt, große Datenmengen rund um die Immobilienverwaltung für kommerzielle Anbieter und Entwickler einfach und komprimiert zur Verfügung zu stellen. Tower360 ging im vergangenen Jahr online und befindet sich noch in der Startup-Phase.

Gründer aus den Niederlanden dominieren

Niederlande: Am Dienstag traten in der Sparte "Plan & Build" fünf Startups aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden sowie Großbritannien gegeneinander an. Als Sieger ging das Gründerteam von Smart Crusher hervor, das knapp die ebenfalls niederländischen Jungunternehmer von CyBe Construction übertrumpfte. Smart Crusher hat sich mit einer kohlendioxidfreien Technologie auf das Recycling von Beton spezialisiert. Einzelbestandteile wie etwa Sand werden herausgefiltert und können neu genutzt werden. CyBe Construction bietet einen 3D-Beton-Drucker an, inklusive Material, und auf Wunsch den Bau selbst.

Niederlande: Auch den Pitch im Bereich "Smart City & Work" entschied ein Startup aus den Niederlanden für sich. Die Gründer von physee überzeugten die Jury mit ihrer Geschäftsidee eines Fensters, das Sonnenlicht in Energie umwandelt. Dank entsprechender technischer Ausstattung sollen diese "Power Windows" mit anderer Infrastruktur im Haus – wie zum Beispiel der Heizung – vernetzt werden und den Energieverbrauch optimieren.

Österreich: Zum finalen Wettstreit traten am Mittwochmittag fünf Startups im Feld "Manage & Operate" gegeneinander an, die aus dem deutschsprachigen Raum, den Niederlanden und Italien kamen. Hier gewann das Startup Nuki Home Solutions. Die Österreicher haben elektronische Türschließ-Lösungen entwickelt.

Alle 25 Endrundenteilnehmer profitieren von Expo-Plattform

Die fünf Sieger erhielten jeweils einen Pokal. "Letztlich freilich zählen alle 25 Endrundenteilnehmer zu den Siegern", sagte REIN-Gründer Moderegger – die Möglichkeit, ihr Unternehmen kostenlos vor zehntausenden Fachbesuchern vorstellen zu dürfen, dürfte der Geschäftsidee "Schwung, nachhaltige Aufmerksamkeit und so manchen interessierten Geldgeber" gerade für die kritische zweite Finanzierungsrunde verleihen. Den Wettbewerb selbst sowie das begleitende Innovationsforum hatten mit 6.000 Teilnehmern und Besuchern noch einmal die Hälfte mehr besucht als im vergangenen Jahr.

Die Auswahl aus den 1.600 Bewerbungen sei großenteils einstimmig verlaufen, sagte Moderegger, der selbst als Berater in Immobilienfragen tätig ist. Für Diskussionen gesorgt habe allenfalls, dass einzelne Startups nicht unmittelbar auf die Immobilienbranche fokussiert seien – wie etwa das britische Startup Materialize.X, das einen formaldehydfreien Kleber herstellt.

Vorstoßen in disruptive Geschäftsmodelle erwartet

Für den REIN-Initiator zeigte sich angesichts der diesjährigen Resonanz, dass die Jurymitglieder schon 2017 bei der Auswahl die richtigen Schwerpunkte setzten:

  • Von den im Rahmen der Auftaktveranstaltung geförderten Unternehmen seien zwei oder drei vom Markt verschwunden, sie scheiterten an der Anschlussfinanzierung.
  • Die anderen hätten sich mindestens etabliert – oder ihre Position so ausbauen können, dass sie in diesem Jahr regulär die Messe besuchten.
  • Ein Drittel der im vergangenen Jahr ausgewählten Gründer investierte Moderegger zufolge nun in einen bezahlten Stand.

Die REIN-Initiative selbst ist inzwischen zu einem kleinen Team angewachsen und finanziert sich aus Sponsorengeldern. Für das kommende Jahr rechnet Moderegger mit weiterem Zulauf: Nach und nach nämlich entstünden tatsächlich disruptive Geschäftsmodelle, die die Immobilienwirtschaft nachhaltig verändern würden. Foren wie der Wettbewerb seiner Initiative könnten dazu beitragen, solche Trends frühzeitig zu erkennen.

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