03.05.2013 | Top-Thema Recruiting in der Immobilienbranche: Geld ist nicht alles

Recruiting in der Immobilienbranche: Geld ist nicht alles

Kapitel
  • Recruiting in der Immobilienbranche: Geld ist nicht alles
Immobilienunternehmen verschlanken ihre Prozesse, wenn sie den direkten Weg zu guten Studierenden kennen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Fachkräftemangel: Auf der Suche nach dem Traumarbeitgeber achten Studierende der Immobilienwirtschaft auf ganz viele Faktoren – und gar nicht unbedingt nur auf das Gehalt.

Junge und qualifizierte Arbeitnehmer haben in der Immobilienwirtschaft gute Chancen. Denn auch die Branche klagt zunehmend über einen Fachkräftemangel, wie er in anderen Industriezweigen längst bekannt ist. Da sich diese Situation durch den demografischen Wandel weiter verschärfen wird, haben Arbeitnehmer in der Immobilienwirtschaft zukünftig zunehmend die Option, sich ihren Arbeitsplatz aus verschiedenen Angeboten aussuchen zu können. Doch worauf achten jungen Leute bei der Wahl ihres zukünftigen Arbeitgebers, was ist ihnen besonders wichtig? Ist es das Geld, das sie verdienen, sind es die Aufstiegschancen – oder sind es vielmehr ganz andere „weiche“ Faktoren, die eine Rolle spielen: etwa die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, nette Kollegen oder der Standort der Firma?

Der Traumarbeitgeber

Bei einer aktuellen Umfrage der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen haben sich branchenübergreifend Studierende zu ihrem Traumarbeitgeber geäußert. Eines der entscheidenden Ergebnisse war: Das Gehalt steht bei den meisten Absolventen nicht an erster Stelle. So sehen das auch Studierende in der Immobilienwirtschaft. Tim Brandl etwa, 23 Jahre alt und Master-Student an der EBS European Business School. Unter Wert will er sich zwar nicht verkaufen. Trotzdem sagt Tim Brandl: „Das Gehalt ist mir nicht so wichtig.“ Auch Andreas Nagel, der das „Kontaktstudium Immobilienökonomie“ an der IREBS Immobilienakademie absolviert, meint: „Für 3,50 Euro mehr würde ich nicht einen anderen Job annehmen.“ Für Constantin Hoss, ebenfalls Master-Student an der EBS, steht das Einkommen auch nicht ganz oben auf der Liste für den Traumarbeitgeber: „Ich würde nicht auf die letzten Kommastellen gucken“, sagt der 24-Jährige. Unter die Top-5-Kriterien würde er das Gehalt bei der Wahl seines Arbeitgebers aber auf jeden Fall einordnen.
Viele Studierende der Immobilienwirtschaft arbeiten bereits in der Branche und bilden sich nur nebenberuflich fort. Dementsprechend haben sie auch schon sehr genaue Vorstellungen davon, wie es nach dem Studium weitergehen soll und welchen Arbeitgeber sie sich wünschen. Björn Plenius aus Dortmund hat gerade den Studiengang B.A. Business Administration an der EBZ Business School in Bochum absolviert. Seit November ist er fertig – und arbeitet nun nach wie vor bei der Firma, wo er auch schon seine Ausbildung zum Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft gemacht hat. Es ist eher ein kleines Unternehmen – was Björn Plenius sehr schätzt. Zu einer größeren Firma möchte er gar nicht wechseln; ihm gefallen die flacheren Hierarchien und die vielfältigen Aufgaben. Jeder muss im Unternehmen verschiedenste Probleme lösen, eine hohe Spezialisierung von einzelnen Abteilungen wie in einem größeren Konzern gibt es nicht.

Viele Vorlieben sind Typsache

Schlussendlich sind jedoch die Wahl des Arbeitgebers und die Prioritätensetzung Typsache. Während die einen die flachen Hierachien in einem kleineren Unternehmen schätzen, würden sich andere in so einer Firma zu eingeschränkt fühlen. Constantin Hoss zum Beispiel wäre die Größe und auch die internationale Ausrichtung eines Unternehmens bei der Suche nach einem Arbeitgeber wichtig – um zum Beispiel auch die Option zu haben, eine Zeitlang im Ausland arbeiten zu können. Ein großes Unternehmen biete mehr Möglichkeiten, meint auch Juliane Bauer, die ihren Master of Science in der Fachrichtung Real Estate am Center for Real Estate Studies in Freiburg macht. Franz Josef Hrabak, der das „Kontaktstudium Immobilienökonomie“ an der IREBS Immobilienakademie absolviert, würde bei einem neuen Arbeitgeber auf dessen „Standing“ am Markt achten: Ein kleines Unternehmen, das eine wichtige Nische besetzt, könnte dabei genauso interessant sein wie ein großer Konzern, meint der 32-Jährige.
Genauso sieht es Christian Beder, Student im Studiengang Master of Business Administration in Real Estate Management an der BBA – Akademie der Immobilienwirtschaft. „Letztlich ist die Größe eines Unternehmens meines Erachtens nicht ausschlaggebend“, sagt er. Reizvoll könnten Aufgaben überall sein. Viel wichtiger seien die Aufstiegschancen, die die Firma jungen Arbeitnehmern gebe, meint Christian Beder.
Auch das Image eines Unternehmens am Markt spielt für viele Absolventen eine Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. Um bei einem attraktiven Arbeitgeber arbeiten zu können, würden die für die Untersuchung befragten Studierenden verschiedener Fachrichtungen sogar auf rund zehn Prozent des Gehalts verzichten.

Klassische Kriterien dominieren

Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Jobwahl nach wie vor hauptsächlich nach klassischen Kriterien abläuft: Primär geht es um die Art des Arbeitgebers und um das Gehalt. Das widerspricht vielen Diskussionen um die sogenannte „Generation Y“. Das sind all diejenigen, die nach 1980 geboren sind und die laut verschiedener Untersuchungen viel mehr als frühere Generationen Wert auf die sogenannte „Work-Life-Balance“ und auf sinnerfüllende Tätigkeiten im Beruf legen.
Ob sich ein Unternehmen sozial engagiert, ob der Ausgleich zwischen Privatleben und Arbeit stimmt oder ob sich Familie und Beruf vereinbaren lassen: Das war für die Befragten in der Studie der Zeppelin-Universität Friedrichshafen jedoch eher nebensächlich. Möglicherweise hängt dies aber auch mit dem Alter zusammen: Im Moment, so sagen auch viele Studierende der Immobilienwirtschaft, spiele dieser Aspekt eher eine untergeordnete Rolle. Kurz nach dem Studium: Da steht für viele erstmal die Karriere im Vordergrund. „Einen 35-Stunden-Job wird es da nicht geben“, meint auch Franz Josef Hrabak. Sobald er aber einmal eine Familie und Kinder habe, könnten sich die Prioritäten verändern – und dann könnte die „Work-Life-Balance“ eine größere Rolle spielen.
Auch wenn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für viele Studierende im Moment noch weit weg ist: Dafür spielen andere „weiche“ Aspekte durchaus eine Rolle. „Es sind nicht nur die harten Faktoren, die einen Arbeitsplatz ausmachen“, sagt Christian Beder. Und auch Juliane Bauer meint, dass es wichtig ist, sich in seinem Unternehmen auch wohl zu fühlen. Schließlich verbringt man dort viele Stunden am Tag.

  • Zurück
  • Weiter

Schlagworte zum Thema:  Prozessoptimierung, Recruiting, Immobilienbranche, Immobilienwirtschaft, Fachkräftemangel

Aktuell

Meistgelesen